"Frankfurter Rundschau" droht das Aus

Traditionsreiche Tageszeitung stellt Insolvenzantrag

Der traditionsreichen Tageszeitung "Frankfurter Rundschau" ("FR") droht das Aus. Das Druck- und Verlagshaus Frankfurt am Main habe beim Frankfurter Amtsgericht Insolvenzantrag gestellt, teilten die Gesellschafter der Zeitung mit. Im ersten Halbjahr habe es "massive Umsatzverluste im Anzeigen- und Druckgeschäft" gegeben, weswegen die Geschäftsleitung keinen Ausweg mehr gesehen habe.

Hintergrund des Insolvenzantrages sei, dass für die Geschäftsleitung aufgrund der drastischen Umsatzverluste "keine Perspektive der Fortführung des Unternehmens" in der bisherigen Form mehr erkennbar gewesen sei, erklärten die Gesellschafter. Aus Sicht des Managements habe "keine Chance für ein Verlassen der Verlustzone" bestanden. "Wesentliches Ziel" sei aber, den Geschäftsbetrieb fortzuführen.

Das Verlagshaus gehört mehrheitlich der Kölner Verlagsgruppe M. DuMont Schauberg, die auch die "Berliner Zeitung" herausgibt. Daneben sind die SPD über ihre Medienholding DDVG beteiligt sowie die Karl-Gerold-Stiftung, die nach dem früheren Herausgeber und Chefredakteur der "FR" benannt ist.

Als vorläufiger Insolvenzverwalter sei der Frankfurter Anwalt Frank Schmitt bestellt worden, teilten die Gesellschafter mit. Schmitt prüfe nun die Vermögenslage sowie "mögliche Sanierungsansätze". Auch habe es erste Gespräche mit dem Betriebsrat gegeben.

Die Mitarbeiter der Zeitung wurden den Angaben der Gesellschafter zufolge am Dienstagnachmittag auf einer Betriebsversammlung über die Lage informiert. Löhne und Gehälter seien bislang bezahlt worden, teilten die Gesellschafter mit. Bis Ende Januar 2013 seien die Bezüge der Beschäftigten vorerst durch Insolvenzgeld der Bundesagentur für Arbeit abgesichert.

In den vergangenen Jahren habe es erhebliche Anstrengungen gegeben, die "FR" auf Kurs zu bringen, erklärten die Gesellschafter. M. DuMont Schauberg als Hauptgesellschafter habe hierzu "einen beachtlichen Millionenbetrag" in den Verlag investiert. Auch seien an der redaktionellen Qualität gearbeitet und die Kosten gesenkt worden. "Wir müssen heute aber feststellen, dass all diese Anstrengungen nicht ausreichen, um die fortdauernden hohen Verluste zu beseitigen", erklärten DuMont und DDVG.

Ziel der Investitionen in die "FR" sei gewesen, "der deutschen Medienlandschaft eine unverzichtbare Stimme zu erhalten", erklärten die Gesellschafter. Dies sei aufgrund der Verluste aber "nicht länger darstellbar". In den vergangenen Monaten sei nach Auswegen gesucht worden, wobei sich jedoch "leider keine überzeugende Perspektive" gezeigt habe. Die "FR" gilt als linksliberale Tageszeitung.

Die Gewerkschaft Verdi reagierte bestürzt auf den Insolvenzantrag. "Das ist ein schwarzer Tag für die Beschäftigten in Redaktion, Verlag und Druckereien und ein schwarzer Tag für die Pressevielfalt in Deutschland", erklärte Verdi-Vize Frank Werneke. Die Einsparungen der vergangenen Jahre und Konzepte der Gesellschafter seien für die Zeitung fatal gewesen. Einst sei die "FR" als Zeitung von überregionaler Bedeutung wahrgenommen worden. Der Charakter der Zeitung sei jedoch vom Haupteigner DuMont "bis zur Unkenntlichkeit geschliffen und das Blatt auf regionale Bedeutung herabgestuft" worden.

Die "FR" kämpft wie viele andere Tageszeitungen mit schwindenden Verkaufszahlen. In dem Verlagshaus arbeiten laut Verdi rund 500 Menschen, davon etwa ein Fünftel in der Redaktion.

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