Frankreich führt Umweltplaketten für Autos ein

Zur Reduzierung der Luftverschmutzung in den Innenstädten werden in Frankreich Feinstaubplaketten für Autos eingeführt. Umweltministerin Ségolène Royal enthüllte am Dienstag ihr Vorhaben, ab dem kommenden Januar Autos mit verschiedenfarbigen Vignetten auszustatten, bei denen "weniger umweltverschmutzende Fahrzeuge" Vorzüge im Verkehr erhalten sollen. Zugleich forderte Royal "radikale" Maßnahmen von den Stadtverwaltungen zur Bekämpfung der Luftverschmutzung.

Die Vignetten werden ab dem kommenden Jahr für sechs verschiedene Verschmutzungsgrade von Autos erhältlich sein. Die Kommunen können nun entsprechende Regeln erlassen, um Besitzern von grünen Abzeichen der Kategorie 1 für Autos mit dem wenigsten Feinstabausstoß etwa die Zufahrt zu verkehrsberuhigten Bereichen, kostenlose Parkplätze oder die Einfahrt in die Innenstadt auch bei Einschränkungen wegen erhöhter Feinstaubwerte zu ermöglichen.

Autos der Kategorie 6 mit grauem Abzeichen wie zum Beispiel Dieselfahrzeuge erhalten die entsprechende Vorzüge ebenso wie vignettenlose Autos nicht. Elektrofahrzeuge sollen eine blaue Vignette bekommen, die "außer Konkurrenz" läuft.

Die freiwillig anzubringenden Abzeichen sind für die ersten sechs Monate kostenlos, anschließend müssen Autofahrer dafür monatlich fünf Euro zahlen. Royal zufolge handelt es sich bei dem neuen System um eine "positive Dynamik". Autobesitzer würden mit schadstoffarmen Fahrzeugen nicht nur beim Unterhalt und Tanken sparen, sondern zusätzlich auch noch vom Entgegenkommen der kommunalen Verkehrspolitik profitieren.

Im Zuge einer ökologischen Gesetzesinitiative dürfen Frankreichs Städte künftig "verkehrsberuhigte Bereiche" ausrufen, wie sie auch schon in rund 200 Städten in Deutschland, Italien, Dänemark und anderen Ländern Europas seit langem existieren. Der vor allem im Autoverkehr entstehende Feinstaub stellt in Städten ein wachsendes Gesundheitsproblem dar. Die Weltgesundheitsorganisation WHO hat Diesel-Krafstoff als zweifelsfrei krebserregend und Benzin als wahrscheinlich krebserregend klassifiziert.

Royal kündigte zudem an, das in sogenannten Labor-Städten bald neue Konzepte für innerstädtische Mobilität ausprobiert würden. Interessierte Kommunen können sich an einem Wettbewerb mit Vorschlägen beteiligen und werden im Falle einer Auswahl finanziell von der Regierung unterstützt. "Die Idee ist, die Kultur der Stadt zu verändern", sagte Royal.