Frankreich fordert Vatikan nach Belästigungsvorwürfen zum Handeln auf

Im Fall der Belästigungsvorwürfe gegen den päpstlichen Gesandten in Paris hat Frankreich den Vatikan zum Handeln aufgefordert. Der Vatikan müsse "seiner Verantwortung gerecht werden", sagte die französische Europaministerin Natalie Loiseau am Freitag dem Sender CNEWS. Auf die Frage, ob der Vatikan die diplomatische Immunität seines Botschafters aufheben solle, sagte sie: "Der Heilige Stuhl kennt die schwer wiegenden Vorwürfe gegen den Nuntius, und ich zweifle nicht daran, dass er die richtige Entscheidung trifft."

Gegen den 74-jährigen Botschafter Luigi Ventura laufen in Frankreich derzeit polizeiliche Ermittlungen wegen mutmaßlicher sexueller Belästigung. Ventura soll Mitte Januar beim Neujahrsempfang von Bürgermeisterin Anne Hidalgo im Rathaus von Paris einen jungen Mitarbeiter der Stadt wiederholt unsittlich berührt haben. Der Rathausangestellte sei bei der Veranstaltung drei Mal "ziemlich fest" am Hintern angefasst worden, hieß es bei der Justiz in Paris.

Ein ähnlicher Vorwurf wurde am Donnerstag aus Kanada bekannt, wo Ventura früher als Nuntius auf Posten war. Ein Mann habe sich bei der vatikanischen Botschaft in Ottawa darüber beschwert, dass Ventura ihn im Jahr 2008 bei einer religiösen Veranstaltung mindestens zwei Mal am Po begrapscht hatte, sagte ein Botschaftssprecher.

Papst Franziskus hatte erst vor wenigen Tagen zum Abschluss einer großen Vatikan-Konferenz zum Thema Missbrauch angekündigt, künftig transparent mit solchen Vorwürfen umzugehen. Die Kirche wolle Missbrauchsfälle nicht mehr vertuschen oder verharmlosen, sagte er.