Frankreich: Proteste nach Verzweiflungstat eines armen Studenten

Anas K . (22) Student der Sozial- und Politikwissenschaften in Lyon , schwebt seit knapp einer Woche zwischen Leben und Tod. Er hat sich selbst angezündet, weil ihm sein – ohnehin karges - Stipendium (450 €) wegen Zeitüberschreitung gestrichen worden war.

Wie typisch ist sein Fall?

Laura studiert auch in Lyon, moderne Literatur. Sie kennt das Problem nur zu gut.

"Drei Monate lang hatte ich ein Stipendium der Stufe 4, das sind 392 Euro, um meine Miete zu zahlen, das sind 391 Euro. Also hatte ich 1 Euro pro Monat zu leben. Es war ein echter Kampf, wir hören auf zu essen oder wir essen jeden Tag Nudeln, wir können nicht zum Arzt gehen und verpassen deswegen Vorlesungen und Kurse, und ja, meine Noten sind zu der Zeit abgesackt."

Heute erhält Laura eine Wohnbeihilfe von 200 Euro ... aber um durchzukommen, musste sie neben ihrem Studium auch eine Stelle finden

 Raphaelle Vivent, Euronews Lyon:

"Viele Studenten in Frankreich sind mit dieser extremen Unsicherheit konfrontiert. Laut einem Bericht des Statistikinstituts INSEE lebten 2016 20% der Studierenden unter der Armutsgrenze. Eine Situation, die manchmal zu verzweifelten Taten führt. Vor dem Zentrum des Studentenhilfswerks CROUS (Centre régional des œuvres universitaires et scolaires) in Lyon steckte sich der 22jährige Student in Brand. "Prekäre Lage tötet", beklagen viele Studentengewerkschaften seit Jahren.

Yanis Limame , GAELIS Lyon Studentenverband (Groupement des Associations et des élus Etudiants de Lyon, Indépendants et Solidaire):

"Die Not unter Studenten nimmt seit einigen Jahren zu. Das konstatieren alle Studentenorganisationen. Wir fordern, dass Politiker und Beamte ein echtes Bewusstsein und eine echte Verantwortung entwickeln. Und Richtlinien, damit wir auf der Ebene wirklich handeln können, bei Stipendien, aber auch Wohnraum, damit wir endlich aus dieser Spirale der Prekarität herauskommen."

Nach der Verzweiflungstat von Anas K,. hatten sich in ganz Frankreich Studenten zu Protesten gegen problematische finanzielle Verhältnisse versammelt. Auch an Mauern und Strommasten auf dem Campus der Universität Paris Saint-Denis hingen neue Aufkleber: „Prekarität ist tödlich – Solidarität lebensnotwendig.“

Maroyane Mohad, Studentenverband UNEF:

"Diese Mobilisierung muss, wenn sie von Dauer sein soll, in einem bestimmten Rahmen erfolgen, damit wir uns nicht unglaubwürdig werden, damit wir unsere Interessen und Rechte verteidigen können."

An der Universität Lyon 2, an der der junge Mann studierte, blockierten Studenten nach der Verzweiflungstat das Gebäude, bevor sie von der Polizei vertrieben wurden. Sie wollen weitermachen - landesweite Demonstrationen sind für den 5. Dezember geplant.

Raphaelle Vivent, su