Frankreich untersagt Veranstaltungen mit mehr als tausend Menschen

Präsident Emmanuel Macron bei dem Krisentreffen im Elysée-Palast

Wegen der Ausbreitung des neuartigen Coronavirus hat die Regierung in Paris alle Veranstaltungen mit mehr als tausend Teilnehmern untersagt. Deshalb wird unter anderem das Champions-League-Achtelfinalspiel zwischen Paris Saint-Germain und Borussia Dortmund am Mittwoch vor leeren Rängen stattfinden. Auch in Deutschland gibt es Rufe nach sogenannten Geisterspielen.

Die französische Sportministerin Roxana Maracineanu sprach sich am Montag für "sportliche Kontinuität" aus - bei Wettkämpfen mit mehr als tausend Teilnehmern aber ohne Zuschauer. Die Rugby-Begegnung zwischen Frankreich und Irland im Pariser Stade de France am Samstag wurde nach übereinstimmenden Angaben verschoben, ein neues Datum gibt es noch nicht.

Das Verbot von Großveranstaltungen mit mehr als tausend Teilnehmern gilt in Frankreich ab sofort und landesweit, wie Gesundheitsminister Olivier Véran am Sonntagabend nach einem Krisentreffen mit Präsident Emmanuel Macron im Elysée-Palast verkündete. Es betrifft Veranstaltungen sowohl im Freien als auch in geschlossenen Räumen. Die Pariser Philharmonie sagte daraufhin alle Konzerte ab Montagabend ab.

Ausnahmen von dem neuen Verbot soll es für gesellschaftlich wichtige Veranstaltungen wie Demonstrationen und auch für öffentliche Verkehrsmittel geben. Auch an den Kommunalwahlen ab Sonntag hält die Regierung bisher fest. Die Pariser Bürgermeisterin Anne Hidalgo sagte für Donnerstag aber einen Wahlkampfauftritt ab.

Bisher waren in Frankreich Versammlungen auf engem Raum mit mehr als 5000 Teilnehmern untersagt. Dies betraf vor allem Messen; zudem wurde der Paris-Marathon auf Oktober verschoben.

In den besonders betroffenen Gebieten blieben zudem die Schulen geschlossen. Rund 350.000 französische Schüler blieben am Montag vorsorglich zu Hause. Besonders viele Coronavirus-Fälle waren in dem Département Oise nördlich von Paris sowie im Elsass aufgetreten und in der südlichen Bretagne. Zuletzt gab es Fälle auch auf Korsika, wo ein Mann an den Folgen des Virus starb.

Die Zahl der bestätigten Coronavirus-Fälle in Frankreich liegt bei 1191, davon sind aber viele bereits wieder genesen. Die Zahl der Todesopfer wurde mit 21 angegeben. Frankreich ist mit Italien und Deutschland das am stärksten betroffene Land in der EU. Auch fünf Abgeordnete der Pariser Nationalversammlung wurden positiv getestet.

Wirtschaftsminister Bruno Le Maire rechnet wegen der drohenden Epidemie mit einem deutlich schwächeren Wachstum als angenommen. Der Zuwachs beim Bruttoinlandsprodukt (BIP) werde im laufenden Jahr wahrscheinlich "unter einem Prozent" liegen, sagte er dem Sender France Inter. Bisher hatte die Regierung mit 1,3 Prozent gerechnet.

Auf europäischer Ebene sprach sich Le Maire für einen "koordinierten und massiven Konjunkturplan" aus. Die EU-Finanzminister müssten bei ihrem nächsten Treffen am Montag kommender Woche eine "Generalmobilmachung beschließen", forderte er.