Frankreich wegen Atomtests im Südpazifik verklagt

Wegen seiner früheren Atomtests im Südpazifik ist Frankreich vor dem Internationalen Strafgerichtshof in Den Haag verklagt worden. Der Vorwurf laute auf Verbrechen gegen die Menschlichkeit, sagte der polynesische Unabhängigkeitsaktivist Oscar Temaru

Frankreich ist wegen seiner früheren Atomtests im Südpazifik vor dem Internationalen Strafgerichtshof in Den Haag verklagt worden. Der Vorwurf laute auf Verbrechen gegen die Menschlichkeit, sagte der polynesische Unabhängigkeitsaktivist Oscar Temaru am Dienstag in New York bei einer Anhörung der UNO. "Das sind wir all den Menschen schuldig, die als Folge des Atom-Kolonialismus gestorben sind."

Mit der bereits am 2. Oktober in Den Haag eingereichten Klage sollten alle noch lebenden französischen Präsidenten zur Rechenschaft gezogen werden, betonte Temaru, der bis 2013 Präsident von Französisch-Polynesien war. Die Klage wird auch von der protestantischen Kirche der Inselgruppe unterstützt, die bei den 270.000 Bewohnern als einflussreich gilt.

"Für uns sind die französischen Atomversuche die direkte Folge einer Kolonialisierung", sagte Temaru weiter. "Anders als von Frankreich behauptet, haben wir nicht akzeptiert, dass die Tests bei uns vorgenommen werden. Sie wurden uns mit der Drohung der Einrichtung einer Militärregierung aufgedrängt."

Frankreich hatte zwischen 1966 und 1996 auf dem Mururoa-Atoll und dem Fangataufa-Atoll in Französisch-Polynesien 193 Atomwaffentests unternommen. Zahlreiche Krebserkrankungen in der Region werden mit den umstrittenen Tests in Verbindung gebracht.

Der amtierende Präsident von Französisch-Polynesien, Édouard Fritch, machte sich die Argumente der Kläger bei der UN-Anhörung zur Entkolonialisierung nicht zu eigen. Er betonte, die Inselgruppe sei "ein autonomes Land, das frei und demokratisch regiert wird". Es gebe "keine koloniale Situation und keine Unterdrückung". Ein Vertreter aus Paris war bei dem Termin nicht anwesend.

Die französischen Gesundheitsbehörden hatten 2006 erstmals eine "statistische Verbindung" zwischen den Atomtests im Südpazifik und der dort gestiegenen Zahl der Schilddrüsenerkrankungen eingeräumt. Im Jahr 2010 wurde per Gesetz ein Mechanismus für Entschädigungen eingerichtet. Opferverbänden geht das aber nicht weit genug.