Frankreichs Ex-Präsident Hollande hält Beziehung zu Deutschland weiter für zentral

Der ehemalige französische Präsident François Hollande hält die deutsch-französische Beziehung weiterhin für unersetzbar in der Europäischen Union. "Wenn das deutsch-französische Gespann nicht mehr funktioniert, (...) dann wird ganz Europa ausgebremst", sagte Hollande kurz vor dem 60. Jahrestag des deutsch-französischen Freundschaftsvertrags in einem AFP-Gespräch. Auch diejenigen, die sich sonst über das allzu einflussreiche Paar ärgerten, appellierten dann an beide Staaten, sich zu einigen, fügte er hinzu.

"Die deutsch-französische Beziehung ist wie eine Lebenspartnerschaft. Es gibt Momente, in denen man sich bestens versteht, (...) und welche, in denen es Missverständnisse gibt und man sich - was auch schon passiert ist - nach neuen Partnern umsieht", sagte Hollande. "Deutschland hat eine Zeit lang mit Frankreich gespielt und anklingen lassen, dass es mit Großbritannien eine multilaterale Beziehung aufbauen wolle", sagte Hollande. Durch den Brexit habe sich dies allerdings erledigt.

Im deutsch-französischen Verhältnis habe die Frage der Verteidigung lange keine Rolle gespielt. Diese sei nun aber zum zentralen Thema geworden. "Infolge des Ukraine-Krieges muss sich das deutsch-französische Paar auf einer neuen Ebene weiterentwickeln", sagte der Ex-Präsident. Die Frage sei: "Wie wollen wir unsere Demokratie verteidigen?"

Hollande erinnert sich nach eigenen Worten gerne an seine Beziehung zu Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) zurück. "Sie war am Anfang meiner Amtszeit etwas distanziert, aber je mehr Krisen wir hinter uns gebracht haben, desto enger wurde das persönliche Verhältnis", sagte er.

"Merkel hat mir immer gesagt, dass wir mit Blick auf (den russischen Präsidenten Wladimir) Putin zusammenstehen müssen", sagte Hollande. Sie habe darauf bestanden, Putin gemeinsam zu treffen. "Wenn wir es nicht zusammen gemacht hätten, dann hätten wir das Minsker Abkommen nicht erreichen können", sagte Hollande mit Blick auf das Abkommen für die Ukraine, das durch den russischen Angriffskrieg überholt ist.

Er habe Merkel häufig als "Genussmenschen" erlebt, sagte Hollande. Der Umgang mit ihr sei sehr angenehmen gewesen, "aber es ging immer auch um die Arbeit", erinnerte er sich. Er habe sie als mitfühlend empfunden, auch wenn das nicht ihrem Bild in der Öffentlichkeit entsprochen habe.

Nach den Pariser Anschlägen im Januar 2015 sei sie nach Paris gekommen. "Sie hat ihren Kopf auf meine Schulter gelegt, eine wunderbare Geste, die Anteilnahme und Solidarität ausdrückte", sagte Hollande. "Dieses Bild wird im Gedächtnis bleiben."

kol/ju