Frankreichs Polizei und Interpol suchen bei brutalem Überfall entkommenen Häftling

Nach dem brutalen Überfall auf einen Gefangenen-Transporter in Nordfrankreich mit zwei Toten sucht die Polizei weiter nach dem dabei entkommenen Häftling und seinen Komplizen. Auch die internationale Polizeiorganisation Interpol schaltete sich ein. (-)
Nach dem brutalen Überfall auf einen Gefangenen-Transporter in Nordfrankreich mit zwei Toten sucht die Polizei weiter nach dem dabei entkommenen Häftling und seinen Komplizen. Auch die internationale Polizeiorganisation Interpol schaltete sich ein. (-)

Nach dem brutalen Überfall auf einen Gefangenen-Transporter in Nordfrankreich mit zwei Toten sucht die Polizei weiter nach dem dabei entkommenen Häftling und seinen Komplizen. Auch die internationale Polizeiorganisation Interpol schaltete sich ein und veröffentlichte am Mittwoch Haftersuchen.

Im Hof des Gefängnisses von Caen, wo die beiden getöteten Beamten eingesetzt waren, hielten am Vormittag etwa 100 Menschen eine Schweigeminute ab. Justizminister Eric Dupond-Moretti hatte zum Gedenken an die Getöteten in allen Justizvollzugsanstalten aufgerufen.

Die Gewerkschaft der französischen Strafvollzugsbeamten rief zu Protestaktionen auf und forderte bessere Arbeitsbedingungen. Sie verlangen unter anderem mehr Anhörungen per Videokonferenz, um die Zahl der Gefangenentransporte zu verringern.

Bei der Suche nach den Tätern und dem entkommenen Häftling seien allein im Département Eure 450 Polizisten und Gendarme im Einsatz, sagte Innenminister Gérald Darmanin dem Sender RTL. "Wir sind noch immer geschockt von der Gewalt", betonte er. In Frankreich würden mehr Menschen durch Drogenkriminalität getötet als durch Anschläge, fügte der Minister mit Blick auf die Verbindungen des gesuchten Häftlings zum Drogenmilieu hinzu.

Bei dem Überfall waren auch drei Menschen verletzt worden, einer von ihnen schwebte am Mittwoch noch in Lebensgefahr. Einer der Getöteten hinterlässt eine Frau und zwei Kinder, die Frau des anderen Todesopfers ist im fünften Monat schwanger.

Am Dienstag hatten mehrere Angreifer mit einem Auto ein Fahrzeug gerammt, in dem der 30 Jahre alte Häftling Mohamed A. von einer Anhörung im nordfranzösischen Rouen ins Gefängnis nach Evreux in der Normandie zurückgebracht werden sollte. Anschließend erschossen die Täter zwei Strafvollzugsbeamte und verletzten drei weitere schwer. Die Täter und der Häftling konnten entkommen.

Der Überfall fand vor den Augen geschockter Autofahrer statt. Einige von ihnen filmten das Geschehen, auf einem im Internet verbreiteten Video ist durch die Windschutzscheibe eines Autos zu sehen, wie zwei der schwarz gekleideten Täter ihre Waffen auf den Gefängnis-Transporter richten, der von einer schwarzen Limousine blockiert wird.

Der befreite Häftling Mohamed A. war bereits 13 Mal verurteilt worden. Erst vor wenigen Tagen hatte ein Gericht in Evreux ihn wegen Einbruchs und Diebstahls zu 18 Monaten Haft verurteilt. In seiner Zelle in Evreux waren nach Angaben der Staatsanwaltschaft die Gitterstäbe angesägt.

Er befand sich zudem wegen anderer Fälle in Untersuchungshaft. In Marseille wird gegen ihn im Zusammenhang mit einem Mordfall ermittelt.

Aus Ermittlerkreisen hieß es, dass der Gefängniskonvoi keine Polizei-Eskorte hatte. Eine solche werde nicht "systematisch" bei solchen Transporten eingesetzt, sondern in der Regel nur auf Wunsch der Gefängnisverwaltung.

Es war das erste Mal seit 1992, dass in Frankreich ein Gefängnisbeamter im Dienst getötet wurde.

kol/cp

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