Frankreichs Präsident Macron löst Elitehochschule ENA auf

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Schild der ENA in Straßburg

Die französische Elitehochschule École Nationale d'Administration (ENA) steht nach 75 Jahren vor dem Aus: Präsident Emmanuel Macron kündigte am Donnerstagabend die Auflösung der Kaderschmiede an, um den öffentlichen Dienst durchlässiger zu machen. Macron hat ebenso an der ENA studiert wie frühere Präsidenten und Wirtschaftslenker. Die Opposition sprach von einem PR-Manöver, auch von ehemaligen Studenten kam Kritik.

Macron sprach von einer "tiefgreifenden Revolution in Bezug auf den Personalaufbau" im öffentlichen Dienst. An die Stelle der Verwaltungshochschule ENA solle ein Institut des öffentlichen Dienstes (Institut du service public, ISP) treten, sagte er vor 600 hochrangigen Beamten, die per Videokonferenz versammelt waren.

Ziel der Reform ist es, mehr junge Leute aus bildungsfernen Schichten für den öffentlichen Dienst zu rekrutieren. Der "soziale Aufzug" funktioniere heute "weniger gut als vor 50 Jahren", hatte Macron zu Beginn dieses Jahres beklagt.

Macron hatte die Reform bereits im April 2019 nach den Sozialprotesten der "Gelbwesten" angekündigt. Der heute 43-Jährige hatte von 2002 bis 2004 an der ENA studiert. Auch andere Staatschefs - darunter Macrons sozialistischer Vorgänger François Hollande und der Konservative Jacques Chirac - gehören zu den "Enarchen".

Macrons Schritt ist hoch symbolisch: Der Weltkriegsgeneral und Republikgründer Charles de Gaulle hatte die ENA im Oktober 1945 ins Leben gerufen. Damit wollte de Gaulle eine neue Generation von französischen Spitzenbeamten ausbilden. Zugleich wollte er mit den Eliten des Vichy-Regimes brechen, die mit den Nazis kollaboriert hatten.

Kritiker bemängelten, damit bleibe die französische Politik und Wirtschaft fest in den Händen einer elitären Kaste. Zuletzt stammte nur noch knapp ein Fünftel der Studenten an der ENA aus Arbeiterfamilien.

Teile der französischen Opposition kritisierten Macrons Entscheidung: Die Rechtspopulistin Marine Le Pen warf dem Staatschef eine "PR-Operation" vor. "Die Franzosen erwarten mehr als nur einen Namenswechsel", sagte sie dem Radiosender France Bleu. Linksparteichef Jean-Luc Mélenchon sprach von einer "Ablenkungs"-Strategie.

Auch aus dem Kreis der ENA-Absolventen kam Kritik: Der Alumni-Vorsitzende Daniel Keller warf Macron eine "Panikreaktion" angesichts der Präsidentenwahl in rund einem Jahr vor. Laut Umfragen muss der Staatschef mit einem Kopf-an-Kopf-Rennen mit Le Pen rechnen.

Bei seiner Rede wollte Macron trotz aller Kritik die ENA nicht schlechtreden: "Es ist so, dass ich nicht vergesse, woher ich komme und was ich dieser Ausbildung verdanke, und ich möchte ihre Arbeit würdigen", sagte er.

Die ISP-Absolventen sollen nach dem Willen des Staatschefs künftig mehrere Jahre vor Ort arbeiten, bevor ihnen verantwortungsvolle Posten anvertraut werden. Damit könnten Blitzkarrieren wie die Macrons schwieriger werden. Er wurde nach seinem ENA-Studium in jungen Jahren zunächst Partner bei der Investmentbank Rothschild, dann Wirtschaftsminister und mit 39 Jahren jüngster Präsident Frankreichs.

lob/cp