Frankreichs Rentenreform: Aus 42 mach eins

Sie ist eines der wichtigsten und zugleich umstrittensten Vorhaben der französischen Regierung: Gegen die Rentenreform wollen am Donnerstag Menschen im ganzen Land auf die Straße gehen. Angestellte in Nah- und Fernverkehr, Beschäftigte im Bildungs- und Gesundheitswesen, bei der Polizei oder der Müllabfuhr: Gewerkschaften in diesen und anderen Berufsständen haben zum Streik aufgerufen.

Mit der Reform will die Regierung eine Vereinfachung der Rente herbeiführen. Aus derzeit 42 Kategorien wird eine einzige, die ein Punktesystem enthält. Kritiker meinen: Diese Vereinheitlichung trägt den unterschiedlichen Berufen nicht Rechnung.

Bisher wird den Beschäftigten der Privatwirtschaft die Summe des durchschnittlichen Einkommens der besten 25 Jahre aus allen angeglichenen Rentenversicherungssystemen angerechnet und bei Beamten die letzten sechs Dienstmonate. Das soll entfallen, künftig werden ab dem ersten Arbeitstag Punkte vergeben.

Wer länger arbeitet, erhält Zuschläge

Das Renteneintrittsalter liegt in Frankreich derzeit bei 62 Jahren. Künftig soll 64 als Berechnungsgrundlage dienen. Wer dennoch vorher in den Ruhestand gehen möchte, muss mit Abzügen rechnen. Wer noch mit über 64 Jahren arbeitet, erhält Zuschläge. Damit will die Regierung den Beschäftigten einen Anreiz schaffen, länger im Dienst zu bleiben.

Präsident Emmanuel Macron erhofft sich von der Reform eine Entlastung der Rentenkasse, doch an dieser Aufgabe sind schon seine Vorgänger gescheitert. 1995 wurde das Vorhaben nach wochenlangen Demonstrationen begraben. Haushaltsminister Gérald Darmanin meint: „Die Rentenreform wird umgesetzt“. Die erste echte Belastungsprobe gibt es auf Frankreichs Straßen.