Frankreichs Star-Ökonom Piketty will "Hyper-Kapitalismus" überwinden

Thomas Piketty: Den "Hyper-Kapitalismus überwinden"

Er will den "Hyper-Kapitalismus überwinden": Dazu ruft der französische Star-Ökonom und Bestseller-Autor Thomas Piketty in einem Interview mit der Nachrichtenagentur AFP auf. Der Wissenschaftler und Autor des Erfolgsbuchs "Das Kapital im 21. Jahrhundert" hat am Donnerstag in Frankreich ein neues Werk veröffentlicht. Es heißt "Capital et idéologie" (Kapital und Ideologie) und hat 1200 Seiten.

"Die gute Nachricht ist, dass alle ungerechten Systeme sich schließlich umwandeln", sagte Piketty zu seinem neuen Buch. "Oft geschieht dies durch brutalere Krisen als erwartet." Dabei verweist der Professor von der Pariser Wirtschaftshochschule EEP unter anderem auf den Brexit.

"Wir müssen über Lösungen diskutieren, die es erlauben, den Hyper-Kapitalismus zu überwinden, im Licht der historischen Erfahrungen", sagte Piketty weiter. Und zwar "friedlich, durch demokratische Prozesse, mit Wahlen". Dafür müssten sozialdemokratische Grundgedanken wiederbelebt werden. Ansonsten würden identitäre und fremdenfeindliche Strömungen weiter Zulauf erhalten, warnt der 48-Jährige.

Seit dem Fall der Mauer vor fast 30 Jahren habe sich vielerorts ein nahezu ungezügelter Kapitalismus entwickelt, betont Piketty: "Ein extremer Fall ist Russland, wo es keinerlei Erbschaftssteuer gibt und keine progressive Einkommensteuer. Selbst Donald Trump könnte sich in seinen wildesten Träumen so etwas nicht vorstellen." Selbst im kommunistischen China herrsche eine große soziale Ungleichheit.

Piketty gehört zu den weltweit bekanntesten Ökonomen. Er arbeitete auch als Politik-Berater, etwa für die britische Labour-Partei. Sein Buch "Das Kapital im 21. Jahrhundert" von 2013 wurde weltweit mehr als 2,5 Millionen mal verkauft.