Französisch-iranische Forscherin muss im Iran zurück ins Gefängnis

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Banner zur Freilassung der Forscherin Fariba Adelkhah in Paris (AFP/Thomas SAMSON) (Thomas SAMSON)

Die iranischen Behörden haben die französisch-iranische Forscherin Fariba Adelkhah nach Angaben ihrer Unterstützer aus dem Hausarrest zurück ins Gefängnis geholt. "Mit großer Bestürzung und Empörung" habe ein in Paris zu ihrer Unterstützung gegründetes Komitee erfahren, dass die 62-Jährige "erneut im Evin-Gefängnis in Teheran inhaftiert wurde", erklärte die Gruppe am Mittwoch. Vor dem Hintergrund der laufenden Atomverhandlungen warnte das französische Außenministerium den Iran vor "negativen" Auswirkungen.

Die Spezialistin für den schiitischen Islam und Forschungsleiterin an der Pariser Universität Sciences Po war im Juni 2019 zusammen mit ihrem französischen Kollegen und Partner Roland Marchal verhaftet worden. Marchal wurde im März 2020 im Rahmen eines Gefangenenaustauschs freigelassen. Adelkhah wurde hingegen im Mai 2020 wegen "Verschwörung gegen die nationale Sicherheit" zu fünf Jahren Gefängnis verurteilt. Im Oktober 2020 durfte sie das Gefängnis mit einer elektronischen Fußfessel verlassen.

Das französische Außenministerium zeigte sich "erstaunt" über die erneute Inhaftierung Adelkhahs. Der Schritt sei "ohne Erklärung oder Vorwarnung" erfolgt. Paris forderte ihre sofortige Freilassung und erklärte: "Die Entscheidung kann sich nur negativ auf die Beziehungen zwischen Frankreich und dem Iran auswirken und das Vertrauen zwischen unseren beiden Ländern schwächen."

Die Entscheidung der iranischen Behörden, Adelkhah zurück ins Gefängnis zu verlegen, kam zu einem heiklen Zeitpunkt in den Gesprächen zur Wiederbelebung des Abkommens über das iranische Atomprogramm. Frankreichs Außenminister Jean-Yves Le Drian hatte am Dienstag beklagt, dass das Tempo der Gespräche in Wien "zu langsam" sei. Dies steht in deutlichem Gegensatz zu den optimistischeren Äußerungen von Beamten in Teheran.

In Wien verhandeln Vertreter von Russlands, Chinas, Großbritanniens, Frankreichs und Deutschlands mit dem Iran über eine Wiederbelebung des internationalen Atomabkommen. Dieses soll den Iran am Bau von Atomwaffen hindern.

Die USA waren 2018 unter dem damaligen Präsidenten Donald Trump aus dem Abkommen ausgestiegen und hatten erneut massive Sanktionen gegen Teheran verhängt. Danach zog sich der Iran ebenfalls schrittweise aus der Vereinbarung zurück. Der jetzige US-Präsident Joe Biden hat grundsätzlich Bereitschaft zu einer Neuauflage des Abkommens signalisiert.

Im Iran sind nach wie vor mindestens ein Dutzend westliche Staatsbürger inhaftiert. Unter den inhaftierten Ausländern befinden sich Staatsangehörige aller drei an den Gesprächen über das iranische Atomprogramm beteiligten europäischen Staaten - Großbritannien, Frankreich und Deutschland.

Dazu gehört der Franzose Benjamin Brière, den seine Familie als unschuldigen Touristen bezeichnet. Er wurde im Mai auf einer Reise festgenommen. Brières Familie gab vergangenen Monat bekannt, dass er in einen Hungerstreik getreten sei, um gegen seine Haftbedingungen und die mangelnde Entwicklung in seinem Fall zu protestieren.

Der British Council teilte am Mittwoch mit, dass sein Mitarbeiter, der iranische Staatsbürger Aras Amiri, nach Großbritannien zurückgekehrt sei. Er sei in der Berufungsverhandlung von einer zehnjährigen Haftstrafe wegen "kultureller Unterwanderung" im Iran freigesprochen worden.

fml

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