Präsident oder Präsidentin? Europa bangt um Frankreich

1 / 6

Präsident oder Präsidentin? Europa bangt um Frankreich

In der Nähe des Wahllokals, in dem Le Pen ihre Stimme abgab, demonstrierten Femen-Aktivistinnen gegen die Rechtspopulistin. Foto: Stringer

In einer europaweit mit Spannung erwarteten Wahl hat Frankreich über seinen neuen Staatspräsidenten abgestimmt. Es wird mit einem knappen Rennen gerechnet.

Erst nach Schließung der letzten Wahllokale um 20.00 Uhr sollen erste offizielle Ergebnisse bekanntgegeben werden. Es zeichnet sich eine ähnlich hohe Wahlbeteiligung ab wie vor fünf Jahren, als am Ende 79,5 Prozent der Wahlberechtigten ihre Stimme abgaben. Drei Tage nach dem Anschlag vom Pariser Prachtboulevard Champs-Élysées schützten mehr als 50.000 Polizisten und 7000 Soldaten den ersten Wahlgang.

Die Wahl gilt als Richtungsentscheidung für den gesamten Kontinent. Denn die EU-Gegnerin Marine Le Pen von der rechtsextremen Front National hat gute Chancen, in die Stichwahl am 7. Mai zu gelangen. Auch der linke Europakritiker Jean-Luc Mélenchon hat Aussichten - ebenso allerdings der europafreundliche Polit-Jungstar Emmanuel Macron und der Konservative François Fillon.

Nach dem jüngsten Anschlag herrscht im Land große Nervosität. Die Tat hatte die Debatte um die Sicherheitspolitik neu angeheizt - und die Frage aufgeworfen, ob dies den Ausgang der Wahl beeinflussen könnte. Frankreich war in den vergangenen Jahren Ziel mehrerer islamistischer Anschläge. Erstmals wählte das Land unter den Bedingungen des Ausnahmezustands. Laut Medienberichten wurden einige Wahllokale aus Sicherheitsgründen kurzzeitig geräumt, es habe sich aber um Fehlalarme gehandelt.

Macron, Le Pen, Fillon und der unbeliebte scheidende sozialistische Präsident Hollande stimmten am Morgen in ihren Wahlkreisen ab. In der Nähe des Wahllokals in der nordfranzösischen Front-National-Hochburg Hénin-Beaumont, in dem Le Pen ihre Stimme abgab, demonstrierten Femen-Aktivistinnen mit nacktem Oberkörper gegen die Rechtspopulistin.

Insgesamt waren etwa 47 Millionen Franzosen stimmberechtigt. Elf Kandidaten stellten sich in der ersten Runde zur Wahl.

Le Pen will ihr Land im Fall eines Sieges aus dem Euro führen und ein Referendum über die EU-Mitgliedschaft ansetzen. Mélenchon möchte die europäischen Verträge neu verhandeln und über das Resultat in einer Volksbefragung abstimmen lassen, zudem will er das transatlantische Verteidigungsbündnis Nato verlassen.

Macron und der Konservative Fillon stehen zur EU und wollen Frankreich reformieren. Unter den Varianten für die Stichwahl in zwei Wochen gilt ein Duell von Macron und Le Pen als am wahrscheinlichsten.

Was darf der Staatschef in Frankreich?

Frankreich ist flächenmäßig der größte Staat der Europäischen Union und grenzt unter anderem an Deutschland.

- Staatsgebiet: Kernland in Westeuropa, dazu Übersee-Départements und Gebietskörperschaften auf mehreren Kontinenten

- Einwohner: knapp 67 Millionen (Stand Januar 2017) davon 2,1 Millionen in den Überseegebieten

- Regierungsform: semipräsidentielle demokratische Republik, Staatsoberhaupt: Staatspräsident François Hollande (62), Sozialistische Partei / Regierungschef: Premierminister Bernard Cazeneuve (53), Sozialistische Partei

- Pro-Kopf-Einkommen: 33.400 Euro (Stand 2016)

- Arbeitslosigkeit: 10 Prozent (4. Quartal 2016)

Mit Yahoo Nutzung stimmen Sie zu, dass Yahoo und Partner Cookies für Personalisierungs- und andere Zwecke nutzen