Freigesprochene Christin in Pakistan aus Gefängnis entlassen

Foto von Asia Bibi im Gefängnis vom November 2010

Eine Woche nach der Aufhebung ihres Todesurteils ist die Christin Asia Bibi in Pakistan aus dem Gefängnis freigekommen. Seine Mandantin sei "in einem Flugzeug, aber niemand weiß, wo sie landen wird", teilte ihr Anwalt Saif-ul-Malook der Nachrichtenagentur AFP am Mittwoch mit. Bibi saß wegen angeblicher Gotteslästerung neun Jahre im Gefängnis.

Der Oberste Gerichtshof Pakistans hatte am Mittwoch vergangener Woche das Todesurteil gegen Bibi wegen Gotteslästerung aufgehoben. Er sprach die Frau, deren Fall international für Aufsehen gesorgt hatte, von allen Vorwürfen frei. Nach Bekanntwerden des Urteils kam es in dem konservativ-muslimischen Land zu tagelangen Protesten von Islamisten.

Am Freitag einigte die Regierung in Islamabad sich mit der Islamistenpartei Tehreek-e-Labaik darauf, dass die Islamisten Berufung gegen die Gerichtsentscheidung einlegen dürfen. Der freigesprochenen Bibi wurde die Ausreise zunächst untersagt. Am Mittwoch ging in dem Gefängnis in der Stadt Multan, in dem die Christin festgehalten wurde, dann aber eine Entlassungsanordnung ein, wie ein Gefängnisvertreter AFP sagte.

Bibis Ehemann Ashiq Masih hatte die USA, Großbritannien und Kanada darum gebeten, seiner Frau und der Familie zur Ausreise aus Pakistan zu verhelfen und ihnen Asyl zu gewähren. Er fürchtet demnach um das Leben der gesamten Familie. Ihr Anwalt Malook ist bereits in die Niederlande geflohen.

Blasphemie ist im streng konservativ-islamischen Pakistan ein folgenschwerer Vorwurf. Rund 40 Menschen verbüßen dort nach Schätzungen eines US-Ausschusses zur Religionsfreiheit wegen entsprechender Anschuldigungen derzeit lebenslängliche Gefängnisstrafen oder warten auf ihre Hinrichtung. Immer wieder kommt es zu Lynchmorden wegen Vorwürfen der Gotteslästerung.

Bibi war 2010 in der Provinz Punjab wegen Beleidigung des Propheten Mohammed zum Tode verurteilt worden. Muslimische Frauen aus ihrem Dorf hatten der Mutter von fünf Kindern vorgeworfen, sich beleidigend über den Religionsstifter geäußert zu haben, sie selbst bestreitet das. Das Todesurteil sorgte international für Empörung. Menschenrechtsgruppen und auch Papst Benedikt XVI. hatten sich für Bibis Freilassung eingesetzt.