Freispruch: Prügel-Opfer will Täterin auf Facebook erkannt haben – Gericht hat Zweifel

Der 54-Jährige muss wegen des Verstoßes eine Geldstrafe bezahlen.

Blaue Kulleraugen, kindliches Gesicht, zierliche Figur – äußerlich macht Cinderella B. ihrem Namen alle Ehre. Doch die 23-Jährige hat es faustdick hinter den Ohren. Die dreifache Mutter hat schon zig Vorstrafen wegen Körperverletzung, saß am Dienstag erneut wegen gefährlicher Körperverletzung auf der Anklagebank.

Weil Wiederholungsgefahr bestand, kam sie Anfang des Jahres in Untersuchungshaft. Das Opfer, eine 28-jährige Mutter, hatte sie angeblich auf Facebook wiedererkannt.

Angeklagte soll Frau aus Bahn gezerrt und verprügelt haben

Die Tat lag schon mehr als ein Jahr zurück. Im Januar 2016 stand Thea B. (28, alle Namen geändert) mit ihrem vierjährigen Sohn und der Großmutter mittags am Wiener Platz an der KVB-Haltestelle und wollte in die Linie 4 einsteigen. Dort kam ihr laut Anklage Cinderella B. mit einer Freundin entgegen, die das Geschrei des kleinen Jungen offensichtlich falsch deutete: „Die hat ihr Kind geschlagen“, soll Cinderella B. gerufen, der Mutter ins Gesicht geschlagen und sie aus der Bahn gezerrt haben.

An der Haltestelle sollen dann beide Frauen weiter auf Thea B. eingeprügelt haben und geflüchtet sein. Die Großmutter blieb mit dem Jungen in der Bahn zurück und sah hilflos aus dem anfahrenden Zug dem brutalen Geschehen.

Opfer erstattete Anzeige gegen Unbekannt

Thea B. ließ sich ihre Verletzungen – blaue Flecken und eine Hornhautbeeinträchtigung – von einem Arzt attestieren und zeigte die Tat zunächst gegen Unbekannt an. Auf Facebook will das Opfer dann Cinderella B. als Täterin wiedererkannt und bei der Polizei benannt haben. Weil die Tat der 23-Jährigen laut Vorstrafenregister nicht wesensfremd war, kam sie in Untersuchungshaft.

Doch im Prozess kamen Zweifel auf. Cinderella B. selbst berief sich drogenbedingt auf Erinnerungslücken: „Ich kann die Vorwürfe der Anklage weder bestätigen noch ausschließen,“ sagte sie. Das Opfer war sich indes sicher, Cinderella B. als Täterin wiederzuerkennen: „Ich habe ein gutes Gesichtsgedächtnis.“

Staatsanwaltschaft und Gericht waren nicht überzeugt

Doch weder Staatsanwalt noch Gericht waren von dieser Aussage überzeugt. Das Problem: Das Opfer habe sich bei der Facebook-Recherche anlässlich des dortigen Fotos auf eine Täterin „versteift“. Denn der Großmutter gegenüber hatte die 28-Jährige zunächst erklärt, sie sei sich unsicher, ob sie die Täterin in dem sozialen Netzwerk wiedererkannt habe.

Laut Gericht komme ein weiteres Problem hinzu, denn es war ja laut Anklage die Rede von zwei Frauen: „Welche Tatbeteiligung sollen wir der Angeklagten zurechnen?“, fragte der Richter.

Die Konsequenz war ein Freispruch im Sinne des Grundsatzes im Zweifel für den Angeklagten. Die Entscheidung empfand der Richter zwar als „unbefriedigend“. Allerdings sagt er: „Wir können nicht irgendjemand, sondern müssen die Richtige zur Verantwortung ziehen.“ Die Beweise für eine Verurteilung reichten nicht aus. Für die erlittene Untersuchungshaft erhält Cinderella B. pro Tag 25 Euro....Lesen Sie den ganzen Artikel bei ksta

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