An diesen italienischen Schulen werden Migrantenkinder diskriminiert

Durch ein neues Dekret wird es Migrantenkindern in der norditalienischen Stadt Lodi quasi unmöglich gemacht, am gemeinsamen Mittagessen mit ihren Schulkameraden teilzunehmen. Die Reaktion eines betroffenen Jungen zeigt, wie demütigend diese Verordnung ist.


“Italienische Kinder essen in einem Raum zu Mittag, nicht-italienische in einem anderen. Man vermutet zunächst, das sei die Handlung eines Films im Südafrika der Achtzigerjahre. Aber es handelt sich um eine traurige aktuelle Geschichte, die auf das Konto der Bürgermeisterin von Lodi geht, die zufälligerweise der Partei von Salvini angehört! Wer nicht dagegen ist, ist ein Komplize!”

Im viel beachteten Beitrag des italienischen Fernsehsenders “La7” ist unter anderem ein kleiner Junge zu sehen, der in  Lodi zur Schule geht und nicht mehr zusammen mit seinen Freunden essen darf. Während sie in der Mensa eine warme Mahlzeit bekämen, werde er in einen separaten Raum geschickt, um dort sein Brot zu essen, weil er kein Italiener sei, erzählt er sichtlich betrübt. Auf die Frage, wie er sich dabei fühle, antwortet er: “Ein bisschen traurig.” Sein Gesichtsausdruck verrät jedoch, dass ihn die Trennung deutlich härter trifft.

Ein mehr als diskutables Vorhaben

Anberaumt wurde die neue Regelung von Lodis Bürgermeisterin Sara Casanova von der rechtspopulistischen Lega. Ihr Beschluss: Flüchtlingskinder müssen einen Nachweis aus ihrem Heimatland vorlegen, dass ihre Familien dort kein Vermögen besitzen, sonst dürfen sie nicht am städtisch geförderten Schulessen teilnehmen.

Auch die Nutzung des Schulbusses wird Kindern, die besagten Nachweis nicht erbringen können, verboten. Diejenigen Schüler, die sich ihr eigenes Pausenbrot mitbringen, weil das Kantinenessen ohne Förderung zu teuer für ihre Familien ist, dürfen außerdem nicht zusammen mit ihren Schulkameraden in der Mensa essen, sondern müssen in einen gesonderten Raum.

Etwa 300 Kinder sind derzeit von dieser Praktik betroffen, denn für die meisten Familien ist es fast unmöglich, die erforderlichen Papiere aus ihrer Heimat – oft Krisen- oder Kriegsgebiete – zu erhalten. “La7” zeigt außerdem eine Mutter, die extra die Unterlagen aus Marokko besorgt hat. Die italienischen Behörden erkennen sie jedoch aus unbekannten Gründen nicht an. Vor laufender Kamera bricht sie zusammen. “Ich bin so müde”, sagt sie unter Tränen.

In Italien werden Flüchtlingskinder von ihren Mitschülern getrennt. (Symbolbild: Getty Images)

Zwischen Empörung und Freude

Italiens Kinderschutzbeauftragte Filomena Albano zeigt sich gegenüber der Zeitung “La Repubblica” empört über die Maßnahme und fordert ihre Aufhebung, da sie die Grundrechte der Schüler verletze. Gleichzeitig schlägt sie den italienischen Behörden vor, selbst bei den entsprechenden Konsulaten die Dokumente anzufordern. Derweil haben Kinderschutzorganisationen begonnen, Spenden für die betroffenen Schüler zu sammeln – über 60.000 Euro kamen dabei schon zusammen.

Italiens Ex-Ministerpräsident Matteo Renzi bezeichnete die Verordnung als “unmenschlich” und sprach von einer “Nationalschande”. Der Chef der fremdenfeindlichen Lega, Vize-Ministerpräsident Matteo Salvini, hingegen zeigte sich begeistert. Die Maßnahme Casanovas lasse diejenigen auffliegen, die das System betrügen wollten: “Dass einige denken, sie müssen nicht zahlen, obwohl sie es könnten, beleidigt alle Eltern, einheimische oder ausländische, die ihren angemessenen Beitrag zahlen.”

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