Fremder eilt Mutter mit autistischem Sohn zu Hilfe

Style International Redaktion
·Lesedauer: 7 Min.

Eine Mutter hat einen emotionalen Facebook-Beitrag veröffentlicht, in dem sie sich bei einem Unbekannten dafür bedankt, dass dieser „sie gerettet“ habe, indem er half, einen Nervenzusammenbruch ihres autistischen Sohnes zu vermeiden. Der Post ging viral und kam bei vielen anderen Eltern gut an.

Natalie Fernando und ihr Sohn, Rudy, erhielten Hilfe von dem freundlichen Unbekannten Ian (hier rechts mit Rudy abgebildet). (Natalie Fernando)
Natalie Fernando und ihr Sohn, Rudy, erhielten Hilfe von dem freundlichen Unbekannten Ian (hier rechts mit Rudy abgebildet). (Natalie Fernando)

Natalie Fernando und ihr Sohn Rudy machten Anfang der Woche im britischen Southend einen Spaziergang, um Boote zu sehen. Plötzlich bemerkte Fernando, dass Rudy kurz vor einem Anfall stand.

„Mein Sohn liebt es, spazieren zu gehen, aber er hasst es, umzudrehen und zurückzugehen. Normalerweise versuchen wir deshalb in einem Kreis zu laufen, aber bei seiner Lieblingsroute mit den Booten haben wir keine andere Wahl, als umzukehren. Und dies führt häufig zu einem Zusammenbruch. Normalerweise bekomme ich das in den Griff, aber zusätzlich zu den zwei Wochen, die er jetzt nicht in der Schule war, war es einfach zu viel für ihn und mich“, schrieb Fernando, die in dem kleinen englischen Dorf Hockley wohnt, in ihrem Facebook-Post. Dieser gefiel bisher über 51.000 Usern.

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Sie teilte den Beitrag auf ihrer Facebook-Seite Better to be Different. Fernando schrieb weiter, dass ein ihr völlig Unbekannter ihren Sohn auf dem Boden liegen sah. Er fragte Rudy dann nach seinem Namen, bevor Fernando ihm erklärte, dass er Autist sei und ihm dieser Teil des Spaziergangs schwerfalle.

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Dieser Mann, ein völlig Fremder, hat mich heute gerettet, entweder vor einem Wutausbruch, der bis zu einer Stunde oder mehr dauern kann, oder der Alternative, was normalerweise bedeutet, dass mein Junge um sich schlägt. Er rastet völlig aus, wenn er einen Zusammenbruch hat und kann sehr aggressiv werden. Dieser Mann, ein völlig Fremder, nahm sich die Zeit, um ihn einfach zu fragen, ob er okay sei. Dieser Mann, ein völlig Fremder, war diesen Morgen mein absoluter Held, nachdem er sich zu Rudy auf den Boden gelegt hatte und dann ihn und mich den ganzen Weg bis zurück zu unserem Auto begleitete …

„Er sagte: ‚Das ist cool, ich lege mich zu ihm hin‘“, fügte Fernando hinzu. „Und dann unterhielt er sich weiter mit uns, während wir zurück zum Auto gingen. Ich bin so dankbar für diesen Kerl Ian, ich werde seine Liebenswürdigkeit nie vergessen.“

"Ich könnte nicht dankbarer sein"

„Es wird im Moment viel gesagt ‚in einer Welt, in der du alles sein kannst, sei gütig.‘ Worte sind leicht, aber solche Taten sind nicht immer so einfach. Dieser Mann hat die Worte in Taten umgesetzt und ich könnte nicht dankbarer sein.“

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„Wenn du Eltern siehst, die Schwierigkeiten haben, nimm dir vielleicht einfach die Zeit, um zu fragen: ‚Ist alles okay?‘ Verurteile nicht ihren Erziehungsansatz, versuche nicht das Kind zu verurteilen, sei einfach freundlich. Wir alle gehen unseren eigenen Weg und bestreiten diesen so gut wir können. Manchmal braucht es eben einen Moment der Güte eines völlig Fremden, um deinen Tag komplett zu verändern.“

Natalie Fernando erklärte Yahoo Großbritannien, dass sie „sprachlos“ war, als sie sah, wie sich Ian neben Rudy auf den Boden legte: „Das hatte ich nicht erwartet, es ist etwas, was ich oft mit Rudy gemacht habe, deshalb kam es mir so vor, als habe er instinktiv gewusst, was er tun musste“, sagte sie.

„Ich war so dankbar, denn damit überrumpelte er Roo völlig und lenkte ihn von dem ab, was vor sich ging. An diesem Punkt fragte ich: „Ist es okay, wenn ich ein Foto mache?“

Ian mit Rudy auf dem Rückweg zum Auto in Southend, England. (Natalie Fernando)
Ian mit Rudy auf dem Rückweg zum Auto in Southend, England. (Natalie Fernando)

Seit sie ihre Geschichte am Montag, den 12. April geteilt hatte, hat Fernandos Facebook-Post über 4.000 Kommentare erhalten. Viele lobten Ians Einsatz und zeigten Verständnis für Fernandos Situation.

Fernando sagte, sie sei „verblüfft und völlig überwältigt“ von den Reaktionen auf den Beitrag: „Ich bin auch überrascht wie viele Leute sich gemeldet haben und sagten, sie wüssten nicht, wie sie sich in der Gegenwart von Kindern mit besonderen Bedürfnissen verhalten sollen oder wenn sie Eltern in Not sehen. Deshalb bin ich wirklich froh, dass dies darauf aufmerksam macht, dass wir eine offenere, integrativere und nicht verurteilende Welt brauchen, damit unsere Kleinen aufwachsen, sich entwickeln und gedeihen können“, erklärte sie.

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„Ich glaube, als Eltern von Kindern mit besonderen Bedürfnissen, ist es leicht zu sagen, die Leute seien voreingenommen und zu oft sind sie das auch, aber manchmal frage ich mich, wie viel davon eigentlich damit zusammenhängt, dass sie es nicht besser wissen. Wenn es kein Bewusstsein gibt, kann es auch kein Verständnis geben.“

„Ich glaube, dies fand so viel Anklang bei den Leuten, weile s ihnen einen Einblick gab, was sie tun können, um zu helfen.“

„Ein Akt der Güte wie dieser gibt uns ein gutes Gefühl und lässt uns das Gute in der Welt sehen, in einer Zeit, in der das Leben wirklich herausfordernd ist.“

Rudy hat "zahlreiche komplexe Bedürfnisse"

Bei Rudy wurde im Alter von zwei Jahren und zehn Monaten Autismus, eine globale Entwicklungsverzögerung, eine sensorische Verarbeitungsstörung, Lernschwierigkeiten, eine verzögerte Sprachentwicklung und Verhaltensauffälligkeiten diagnostiziert: „Er hat zahlreiche komplexe Bedürfnisse. Ich würde lügen, wenn ich sagen würde, Rudy aufzuziehen sei keine Herausforderung“, fügt Fernando hinzu.

„Wenn er einen Zusammenbruch hat, kann er so aggressiv sein und schlagen, treten und mit dem Kopf stoßen, aber nochmal, man muss verstehen, dass dies in dem Moment nicht er ist, dies ist nur seine Art mitzuteilen, dass er überfordert ist.“

„Er braucht dringend Hilfe bei der Regulierung, damit er zurechtkommt. Seine fabelhafte SEN-Schule (Special Education Needs) und wir helfen ihm zu lernen, sich selbst zu regulieren, damit die Zusammenbrüche weniger werden.“

„Rudy ist sorglos, lustig, frech, verschmitzt, er ist der liebevollste kleine Kerl. Er küsst und kuschelt regelmäßig. Er liebt es, an allem zu riechen, von meinen Haaren tausendmal am Tag bis hin zu dem Essen, das er in den Mund nimmt.“

„Er findet die Welt absolut wunderbar, umarmt Bäume, staunt über den blauen Himmel und ist total begeistert, wenn ein Zug oder ein Vogelschwarm vorbeikommt.“

Rudys Lieblingsspaziergang ist es, die Boote in Southend zu sehen (Natalie Fernando)
Rudys Lieblingsspaziergang ist es, die Boote in Southend zu sehen (Natalie Fernando)

Fernando startete ihren Blog "Better to be Different" nach der Diagnose von Rudy, da sie „so überwältigt“ war, dass sie „nicht zusammensetzen konnte“, wie sie sich fühlte.

„Ich habe auch einen Instagram-Kanal und ich fand es ziemlich befreiend, meine Gefühle auszudrücken und andere zu haben, die das nachvollziehen können, deshalb fühle ich mich nicht mehr allein“, so Fernando. „Dann wurde mir klar, wie viele andere Leute es gab, denen es so ging wie mir.“

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„Sobald bei einem Kind Autismus diagnostiziert wird, bekommt man sehr wenig Hilfe und Unterstützung. Es ist beängstigend, weil man gleichzeitig versucht, mit seinen eigenen Gefühlen über sein zukünftiges Leben zurechtzukommen und wie es sein könnte, während man die Diagnose seines Kindes verarbeitet und eine ganz neue Art der Erziehung lernt.“

„Es ist total überwältigend und ich möchte, dass andere Menschen, denen es so ging wie mir, wissen, dass sie nicht allein sind.“

Fernando möchte auch das Bewusstsein derjenigen schärfen, die kein Kind mit besonderen Bedürfnissen in ihrem Leben haben.

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„Ich möchte, dass sie die Welt verstehen, in der wir leben und in der unsere Kinder leben, damit sie erst denken und dann urteilen und helfen können, wenn sie wollen, ohne das Gefühl zu haben, dass sie ihre Nase hineinstecken oder das Falsche tun könnten“, fügte Fernando hinzu.

„Rudy hat mich ohne Zweifel zu einem besseren Menschen gemacht, ich bin geduldiger, toleranter, nachdenklicher und weit weniger wertend, und das habe ich nur ihm zu verdanken.“

Laura Hampson

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