Front National: Le Pen sorgt mit geplanter Partei-Umbenennung für Empörung

Marine Le Pen wurde am Sonntag einstimmig als Parteivorsitzende bestätigt. (Bild: Getty Images)

Die französische Rechtspartei soll ein neues Image bekommen. Der Name, den sich Parteichefin Marine Le Pen dafür ausgesucht hat, sorgt jedoch jetzt schon für heftige Kritik.

Der Front National soll umbenannt werden. Wie die Vorsitzende der Rechtspopulisten Marine Le Pen auf einem Kongress im französischen Lille erklärte, wolle sie damit eine Neuaufstellung der Partei signalisieren und sie regierungsfähig machen. Auch ihren Wunschnamen verriet Le Pen auf dem Parteitag: „Rassemblement National“, was übersetzt „Nationaler Zusammenschluss“ oder „Nationale Sammlung“ bedeutet.

Kaum wurde der geplante neue Parteiname verkündet, wurden jedoch kritische und empörte Stimmen im Netz laut. Der Grund: Rassemblement National erinnert, gewollt oder ungewollt, an den Rassemblement National Populaire, eine rechtsextreme Partei, die unter dem Vichy-Regime 1940-1944 für eine Kollaboration mit den deutschen Besatzern sorgte.

„Falls es stimmt, dass Marine Le Pen den Front National in Rassemblement National umbenennen will, ist das beunruhigend, da der Name an das Rassemblement National Populaire (RNP) von Kollaborateur Marcel Déat erinnert. Eine gewollte Referenz? Wer weiß. Roland Gaucher, der 1972 den Front National gegründet hat, war im RNP.“

„Ich erinnere auch daran, dass der Name Front National von der Widerstandsbewegung gestohlen wurde, Rassemblement National hingegen von den Kollaborateuren. Wie könnte man die ‚Entteufelung’, die man betreibt, besser bekunden? Ignorieren die Verantwortlichen des Front National die französische Geschichte? Oder spielen sie damit?“

„Leitlinie des Rassemblement National Populaire (1941-1944): ‚Die Rasse zu beschützen und mit dem Dritten Reich zu kollaborieren.’ Großartige Art, dem Front National ein neues Image zu verpassen, Marine Le Pen.“

Le Pen ging auf diese historische Vorbelastung in ihrer Rede nicht ein. Stattdessen stehe der neue Name für ein kompromissbereiteres Image des Front National, wie sie erklärte. Er solle ein „Aufruf sein, sich uns anzuschließen“, so die Politikerin. „Es geht um das Ende eines Kapitels und darum, ein neues aufzuschlagen“, so die 49-Jährige laut „Welt“. „Das Kapitel einer Partei, die regierungsfähig sein will, und in der Lage ist, Bündnisse einzugehen, die Kompromisse, aber keine Zugeständnisse macht.“

Die Parteimitglieder sollen in den kommenden Wochen per Briefwahl über die Umbenennung abstimmen. Ein Ergebnis wird in frühestens sechs Wochen erwartet. Bevor Le Pen den geplanten neuen Namen bekanntgab, wurde sie am Sonntag mit 100 Prozent der Stimmen in ihrer Funktion als Parteichefin bestätigt. Gegenkandidaten gab es keine.