Fußballtraining ohne Zweikämpfe ist eine Farce

Tobias Holtkamp

Hallo Bundesliga-Freunde,

die akute wirtschaftliche Not zwingt den Profi-Fußball in eine Rolle, die ihm gar nicht gut tut. Dass sich in dieser Woche wieder Spieler auf den Trainingsplätzen treffen, ist in der momentanen Lage kein gutes Zeichen.

Die Bilder von Manuel Neuer oder Thomas Müller im Trainingsdress beim Torschusstraining signalisieren Millionen, dass nun so langsam der Alltag wieder einkehrt. Ein schlimmes Signal - denn im heftigen Kampf gegen das Corona-Virus ist noch nicht einmal der Höhepunkt erreicht.

Alle aktuellen Meldungen, Entwicklungen und Auswirkungen auf den Sport durch die Covid-19-Krise im Corona-Ticker!

Auf den Intensivstationen unserer Kliniken bereiten sie die Ausnahmesituationen vor. Eine Art "Sieg" über COVID-19 wird es frühestens im kommenden Jahr geben, wenn ein Impfstoff gefunden sein könnte und auch flächendeckend eingesetzt werden kann. 

Trainingsrückkehr vermittelt vermeintliche baldige Normalität

Während Deutschlands Bürger von der Politik täglich um Verständnis für die extremen Einschnitte gebeten werden und das öffentliche Leben sowie soziales Miteinander auf ein Mindestmaß zurückgefahren ist, stehen und kicken die Fußballstars, Vorbilder unzähliger Kinder, wieder auf dem Platz.

Warum noch mal? Damit die Bundesliga-Saison nächsten Monat weitergespielt werden kann? Ist das relevant für die Gesundheit? Nur darum sollte es im Moment gehen. Alles andere ist zu regeln - muss zu regeln sein.

eSports LIVE - Die SPORT1 Super League ab 17 Uhr im HIER im STREAM

Fußballtraining ohne Zweikämpfe, wie es diese Woche praktiziert wird, ist viel mehr Farce als sinnvoll. Es hat mit dem Wettkampf, für den ja geübt wird, nichts zu tun. Dass auch die wohl bevorstehenden Geisterspiele ohne Körperkontakt ausgetragen werden, ist nicht geplant. Fußball wäre damit ein anderer Sport, so wird es nicht kommen.

Fußball muss Opfer bringen - wie alle

Reine Fitness- und Athletikübungen funktionieren auch zu Hause, ebenso Laufeinheiten, erst recht für Leistungssportler ist das eine zumutbare Aufgabe. Ja, in der Gruppe ist es schöner - nur darum geht es jetzt einfach nicht. Auch Oma und Opa würden zu Ostern liebend gern ihre Kinder und Enkelkinder empfangen, so hart es für viele ist: dieses Jahr muss das ausfallen.


Alle müssen Opfer bringen, der Fußball kann da keine Ausnahmestellung bekommen - er ist zu viel Vorbild. Frühestens nach dem 19. April, falls die einschneidenden Maßnahmen und Kontaktbeschränkungen dann bundesweit ein wenig gelockert werden können, sollte auch die Bundesliga wieder in Gruppen üben. Vorher ist es nicht wichtig - und falsch.

Tobias Holtkamp, der Autor dieses Textes, war in der Chefredaktion von Sport Bild und Chefredakteur von transfermarkt.de. Heute berät er Sportler und Marken in ihrer inhaltlichen und strategischen Ausrichtung. Für SPORT1 schreibt Holtkamp als Chef-Kolumnist die wöchentliche "Bundesliga-Kolumne".