Fund von 71 erstickten Flüchtlingen 2015 wird im Juni strafrechtlich aufgerollt

Der grausame Erstickungstod von 71 Flüchtlingen in einem Lastwagen, der im August 2015 an einer Autobahn im österreichischen Burgenland gefunden wurde, wird ab Juni von einem ungarischen Gericht strafrechtlich aufgerollt. Die Staatsanwaltschaft teilte am Donnerstag mit, dass sie für vier der elf Angeklagten bei dem Prozess in Kecskemet lebenslange Haftstrafen beantragen werde. Der Prozess findet in Ungarn statt, weil die Flüchtlinge laut Gutachtern schon vor dem Überfahren der Grenze tot waren.

Bei den vier Hauptangeklagten handelt es sich um einen Afghanen und drei Bulgaren, wobei der Afghane laut den Ermittlungen der Staatsanwaltschaft der Chef der Schleuserbande war. Für die sieben anderen Angeklagten - sechs Bulgaren und einen Libanesen - will die Staatsanwaltschaft Haftstrafen ohne Bewährung beantragen. Die Schleuser sollen zwischen Februar und August 2015 mehr als 1100 Flüchtlinge nach Österreich gebracht haben, von denen sie jeweils 1000 bis 1500 Euro kassierten.

Zehn der mutmaßlichen Täter befinden sich in Haft, nach einem wird noch gefahndet. Die Staatsanwaltschaft wirft ihnen vor, vom Ersticken der Flüchtlinge in dem Kühlwagen gewusst zu haben und daher mit "besonderer Grausamkeit" vorgegangen zu sein.

Der Fund des "Todes-Lkw" an einer Autobahn im Burgenland war eines der Alarmzeichen der damals heraufziehenden Flüchtlingskrise. Vier Tage nach der grauenvollen Entdeckung sprach die deutsche Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) ihr berühmtes "Wir schaffen das" aus, mit dem sie die verstärkten politischen Anstrengungen beschrieb, die Flüchtlingskrise zu bewältigen.

Bei den 71 zu Tode gekommenen Flüchtlingen stammten zumeist aus Syrien, dem Irak und Afghanistan. Es waren 59 Männer, acht Frauen und vier Kinder.

ao/ogo

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