Fußballerin verweigert Schweigeminute für Maradona: Das ist ihre Begründung

Moritz Piehler
·Freier Autor
·Lesedauer: 3 Min.

Überall auf der Welt wurde am Wochenende mit einer Schweigeminute an Diego Maradona erinnert. Nur eine spanische Spielerin verweigerte die Andacht - und hatte auch eine Begründung dafür.

Auch vor der Partie zwischen SSC Neapel und dem AS Rom gedachten die Mannschaften dem verstorbenen Superstar. (Bild: Franco Romano/NurPhoto via Getty Images)
Auch vor der Partie zwischen SSC Neapel und dem AS Rom gedachten die Mannschaften dem verstorbenen Superstar. (Bild: Franco Romano/NurPhoto via Getty Images)

Für einen Moment stand die oft übermäßig aufgeregte Fußballwelt still. Ob in der Bundesliga oder der Serie A, ob in Argentinien oder England: Mannschaften auf der ganzen Welt widmeten dem am vergangenen Mittwoch verstorbenen Diego Maradona eine Geste der Erinnerung. Besonders bei seinen Ex-Clubs in Barcelona und Neapel gab es emotionale Gedenkminuten und Gesten für den Argentinier. Doch eine spanische Spielerin machte bei der ritualisierten Zeremonie nicht mit.

Paula Dapena läuft in Galizien für Viajes Interrías FF in der Dritten Liga auf. Am Wochenende stand ein Freundschaftsspiel gegen den Erstligisten Depotivo Abanca an. Auch hier sollte es eine Gedenkminute vor dem Anpfiff geben. Doch Dapena setzte sich demonstrativ auf den Rasen mit dem Rücken zu ihren Mitspielerinnen gewandt. Die 24-Jährige war die einzige Spielerin, die sich der Gedenk-Aktion verweigerte.

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Nach dem Spiel sprach sie mit der Website Pontevedraviva über ihren Protest. “Ich habe gesagt, dass ich ablehne, eine Schweigeminute einzuhalten für einen Vergewaltiger, Pädophilen, Hurenbock und Gewalttäter. Sollte es sie geben, würde ich mich hinsetzen und den Rücken zeigen und so hab ich es gemacht.” Während über die Abgründe von Maradonas Drogensucht viel geschrieben wurde, sind die Vorwürfe von häuslicher oder sexueller Gewalt seltener Thema in Berichten über den Fußballstar gewesen.

Vorwürfe gegen Maradona

Erst vor sechs Jahren war ein Video im argentinischen Fernsehen gezeigt worden, auf dem zu sehen ist, wie Maradona seine damalige Freundin Rocio Oliva schlägt, nachdem sie sich über ein Handy gestritten hatten. Es war nicht der erste Vorfall dieser Art, auch wenn es nie zu einer Anzeige kam. 2017 im Umfeld des Confed-Cups warf ihm die Journalistin Ekaterina Nadolska laut Medienberichten vor, sie sexuell belästigt zu haben. Auch darauf bezog sich wohl der Protest der galizischen Spielerin, die im Interview sagte: “Für die Opfer hält niemand eine Schweigeminute ab. Und ich werde dies nicht für einen Gewalttäter tun anstatt für die Opfer von Gewalt.”

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Internationaler Tag gegen Gewalt an Frauen

Maradonas Todestag war ausgerechnet der 25. November, der Internationale Tag gegen Gewalt an Frauen. Dapenas Club hatte auf der Instagram-Seite zuvor Botschaften gegen Gewalt an Frauen gepostet. “Um eine Fußballspielerin sein zu können muss man zunächst eine Person mit Werten sein,” stellte Dapena klar. Das sei noch weitaus wichtiger, als das fußballerische Können.

Mit ihrer Protest-Geste, die weltweit Resonanz fand, dürfte die Spanierin eine dringend nötige Diskussion über den Umgang mit gewalttätigen Prominenten angestoßen haben. Denn Maradona ist nicht der einzige Fußballstar, dem gegenüber Vorwürfe von sexualisierter Gewalt im Raum standen. Unter anderem werden auch Cristiano Ronaldo oder Neymar ähnliche Taten vorgeworfen.

VIDEO: Staatsanwaltschaft prüft Maradonas Todesumstände