Günstiger Wohnen in München - Hier bauen Münchner Bürger und junge Genossen

Sophie Anfang, Bettina Funk

Mieten, kaufen – in einer Stadt mit ständig steigenden Preisen ist das schwierig. Alternativen boomen: Genossenschaften und Baugemeinschaften. Die AZ stellt aktuelle Projekte vor.

München - Wenn mehrere Menschen eine Aufgabe schultern, dann erscheint eine Last gleich weniger schwer. So ist das auch mit den Münchner Immobilienpreisen. Wer eine Wohnung hat, hat mit Altverträgen vielleicht noch Glück – wer sucht, weil er keine Bleibe hat oder eine größere braucht, der stöhnt, sobald er Immobilienportale besucht.

Deshalb ist es nicht verwunderlich, dass Bürger nach alternativen Ideen suchen, um sich ein Dach über dem Kopf zu schaffen. Genossenschaften, die sich wieder verstärkt gründen, und Baugemeinschaften haben großen Zulauf – und bauen auch. 40 Wohnungsbaugenossenschaften zählt die Stadt derzeit, fünf davon haben sich seit 2015 gegründet. Eine laut Stadt erfreuliche Entwicklung.

Die Stadt unterstützt das, indem sie in den Neubaugebieten wie dem Prinz-Eugen-Park, der Messestadt Riem oder Freiham 20 bis 40 Prozent des Baugrunds an Genossenschaften und Baugemeinschaften vergibt.

Die AZ stellt eine Auswahl an aktuellen Projekten vor und erklärt, was es mit den zwei Arten zu bauen auf sich hat – und, wer mitmachen darf.

Bürgerverein München

Eines von Münchens wichtigsten Neubaugebieten: der Prinz-Eugen-Park. Hier bauen sechs Genossenschaften und fünf Baugemeinschaften. Visualisierung: PEK

Im Osten was Neues: Holzbauten für alle an der Prinz-Eugen-Kaserne

Idee: Der Bürgerbauverein will ökologisch, selbstbestimmt und nachbarschaftlich bauen. Außerdem sollen Menschen mit Behinderung ebenfalls in den Häusern wohnen. Das aktuelle Bauprojekt wird in Holzbauweise realisiert. Es soll Carsharing, Lastenfahrräder und eine Fahrrad-Selbsthilfewerkstatt geben. Außerdem sind Gästeapartments, Hobby-Werkstatt und ein Mehrzweckraum, Dachgarten, Plätze zum gemeinschaftlichen Arbeiten (Co-working-space) geplant.

Wo wird gebaut: Der Verein hat ein Grundstück im Südwesten der alten Prinz-Eugen-Kaserne bekommen. Es liegt in der Öko-Mustersiedlung.

Zielgruppe: Familien, Alleinstehende, Senioren, Menschen mit Behinderung.

Status: Im Prinz-Eugen-Park wird der Bürgerbauverein 80 Wohnungen bauen, geplant sind Ein- (40 bis 50 Quadratmeter) bis Sechs-Zimmer-Wohnungen (120). 30 Wohnungen sind noch frei. Im Juni sollen sie vergeben sein und das Grundstück gekauft werden. Die Projektfertigstellung ist dann für 2018/2019 geplant.

Das kostet es: Die Kosten sind danach gestaffelt, welche Förderansprüche der Bewerber hat. Im EOF-Bereich (siehe Kasten) kosten die Pflichtanteile 200 Euro/Quadratmeter (qm), das monatliche Nutzungsentgelt 5,90 Euro/qm; München-Modell: 950 Euro/qm Pflichtanteile, 11,25 Euro/qm Nutzungsentgelt; frei finanziert: 1050 Euro/qm Pflichtanteile, 13 Euro/qm Nutzungsentgelt. Tiefgarage: 70 Euro/Monat

Kontakt: Bürgerbauverein München, Tel. 21 55 83 84 - 0, post@buergerbauverein- muenchen.de

Kooperative Grossstadt

Idealisten in Riem

Idee: Junge Kreative und Architekten haben die Genossenschaft gegründet, inzwischen hat sich der Kreis der Mitglieder aber erweitert. Die Grundidee ist geblieben: Die Stadt soll mithilfe von interessanten Bauprojekten belebt werden. Ein erstes hat die junge Genossenschaft nun in Angriff genommen: Sie wird in der Messestadt Riem 35 Wohnungen bauen. In das Erdgeschoss des Hauses kommt eine Ausbildungswerkstatt.

Wo wird gebaut: In der Messestadt Ost, Heinrich-Böll-Straße, Ecke Elisabeth-Mann-Borghese Straße.

Zielgruppe: Menschen, die gemeinschaftlich wohnen wollen und die Stadtplanung interessiert.

Status: Die Kooperative hat einen offenen Realisierungswettbewerb ausgelobt, um einen Architekten für ihr Haus zu finden. Die Wohnungen sind vergeben, es gibt eine Warteliste und eventuell noch Fluktuation. Mitte 2020 soll’s fertig sein.

Das kostet es: 70 Prozent der Wohnungen werden im München-Modell gebaut. Für sie entfallen pro Quadratmeter 650 Euro an zu zeichnenden Anteilen. Für das Drittel an frei finanziertem Wohnraum sind es 950 Euro pro Quadratmeter. Außerdem wird ein Eintrittsgeld von 200 Euro erhoben.
Den ganzen Artikel lesen Sie hier

Mit Yahoo Nutzung stimmen Sie zu, dass Yahoo und Partner Cookies für Personalisierungs- und andere Zwecke nutzen