Gabriel erwartet schwierige Verhandlungen über britischen EU-Austritt

Bundesaußenminister Gabriel

Nach der Brexit-Erklärung Großbritanniens erwartet Bundesaußenminister Sigmar Gabriel (SPD) schwierige Verhandlungen über den Vollzug des Austritts aus der Europäischen Union. "Die Verhandlungen werden für beide Seiten sicher nicht leicht", sagte Gabriel am Mittwoch in Berlin. Der Minister sprach sich zugleich für eine weiterhin enge Bindung zwischen Großbritannien und der Europäischen Union aus.

"Wir sollten alles tun, um auch in Zukunft gute und freundschaftliche Beziehungen mit London zu pflegen", sagte Gabriel. Großbritannien und Europa brauchten einander. "Der im Privaten bei einer Trennung eher schal klingende Satz des 'Lasst uns Freunde bleiben!' ist deshalb hier richtig", fügte Gabriel hinzu.

Der Minister ließ dabei auch Unverständnis über die britische Entscheidung zum Verlassen der EU durchblicken. Es sei "für viele vielleicht auch heute noch schwer zu verstehen, wie man glauben kann, gerade in diesen unruhigen Zeiten zwischen den Welten alleine besser dazustehen", sagte Gabriel.

Die "klare Richtschnur" bei den anstehenden Verhandlungen werde für Deutschland sein, "dass das Europa der 27 beieinander bleibt", sagte Gabriel. Die EU-Staaten müssten "das große europäische Einigungswerk nicht nur bewahren, sondern weiterentwickeln".

Als erfreulich wurde im Auswärtigen Amt gewertet, wie stark die britische Regierung ihr Interesse an engen Beziehungen zur EU hervorhebt. Dennoch werde sich das Verhältnis nach dem EU-Austritt ändern: Ein enger Freund zu sein, sei etwas anderes, als zur Familie der 27 zu gehören, hieß es im Auswärtigen Amt. Dies müsse auch den Briten klar sein.

Die britische Brexit-Entscheidung wird im Auswärtigen Amt insgesamt als riskant eingeschätzt. "Die Entscheidung Großbritanniens, sich gerade in einer Zeit von der EU abzuspalten, in der alte Ordnungen sich aufzulösen scheinen, in der Unsicherheit und Unruhe tiefe Furchen in der Welt ziehen, ist gelinde gesagt waghalsig", hieß es.

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