Gauck wünscht "vorurteilsfreien Dialog" mit Muslimen

Bei einem Treffen mit den Teilnehmern der Jungen Islamkonferenz (JIK) hat Bundespräsident Joachim Gauck einen "offenen und vorurteilsfreien Dialog" zwischen Muslimen und Nicht-Muslimen gefordert

Bei einem Treffen mit den Teilnehmern der Jungen Islamkonferenz (JIK) hat Bundespräsident Joachim Gauck einen "offenen und vorurteilsfreien Dialog" zwischen Muslimen und Nicht-Muslimen gefordert. Deutschland sei "ganz selbstverständlich" Heimat für Menschen unterschiedlichen Glaubens, sagte Gauck zum Auftakt der JIK-Bundeskonferenz im Schloss Bellevue. Im Mai tagt in Berlin auch die Deutsche Islamkonferenz (DIK).

Die Junge Islam Konferenz ist das Pendant zur DIK für Jugendliche und junge Erwachsene. Sie ist ein Projekt der Stiftung Mercator und der Humboldt-Universität Berlin. Gauck sagte, er wünsche sich, dass auch die in Deutschland lebenden Menschen mit Migrationshintergrund "zu unserem Land unser Land sagen" können. Deutschland sei mit Blick auf Kultur und Religion vielschichtig. Daher sei es wichtig, dass neben den Problemen "über die Chancen gesprochen wird". Die Teilnehmer der JIK seien "Teil der Gegenwart und der Zukunft unseres Landes". Sie könnten aufzeigen, was "im Alltag besser gemacht" werden könne.

Nach dem Treffen mit Gauck versammelten sich die 40 Teilnehmer der diesjährigen JIK-Bundeskonferenz auf Einladung des Innenministeriums zu einem Arbeitstreffen. Eingeladen waren dazu unter anderen Volker Beck (Grüne), Sevim Dagdelen (Linke), Armin Laschet (CDU), Mechthild Rawert (SPD) und Serkan Tören (FDP). Bei der JIK-Bundeskonferenz solle es um den "zukünftigen Dialog" nach der Bundestagswahl im September gehen, um über die laufende Legislaturperiode hinaus zu wirken, sagte die 23-jährige Delegierte Tutku Güleryüz. Wichtig sei für die Jugendlichen die Förderung der "Selbstverständlichkeit von Pluralität".

Gleichzeitig verspürten sie angesichts des gesellschaftlichen Wandels eine tiefe "Verunsicherung", die bis in die Politik reiche, sagte die in Berlin lebende Güleryüz. Vor allem die Muslimfeindlichkeit "macht uns Angst". Stellvertretend für die JIK forderte sie, gemeinsam ein "neues deutsches Wir" zu entwickeln. Der Vorsitzende der Stiftung Mercator, Bernhard Lorentz, warnte, dass die "abwehrenden Tendenzen gegenüber Muslimen" bereits erzielte Integrationserfolge gefährdeten.

Bis 2016 wollen die Initiatoren der JIK im Bund und in allen 16 Bundesländern feste Strukturen geben. Ab diesem Jahr können sich die Länder für die Ausrichtung von JIK-Länderkonferenzen bewerben. Daran teilnehmen können Jugendliche zwischen 17 und 23 Jahren. In Deutschland leben derzeit rund 16 Millionen Menschen mit Migrationshintergrund, darunter etwa vier Millionen Muslime.