Modedesigner Gaultier verabschiedet sich mit Mega-Show in Paris

Jean Paul Gaultier bei seiner Abschieds-Show

Der französische Star-Designer Jean Paul Gaultier hat mit einer spektakulären Show seinen Abschied von den Haute-Couture-Modenschauen zelebriert. Zu seinem letzten Defilee am Mittwochabend in Paris wurde ein Musical aufgeführt, bei dem prominente Künstler wie der britische Sänger Boy George auftraten. 220 Models zogen mit dem 67-Jährigen über den Laufsteg. Einige trugen ihn auf den Schultern, er warf dem begeisterten Publikum Luftküsse zu.

Zu Beginn der gigantischen Show im Pariser Théâtre du Châtelet wurde ein schwarzer Sarg über die Bühne getragen, aus dem zwei kegelförmige Brüste herausragten. Es handelte sich um eine Anspielung auf eine von Gaultiers berühmtesten Kreationen - das Spitz-BH-Korsett, das er einst für die Pop-Ikone Madonna entworfen hatte. Der Designer scherzte, der Büstenhalter werde später wohl auf seinem Grabstein verewigt.

Bei der Show traten unter anderen die US-Popsängerin Beth Ditto und der österreichische Travestie-Künstler Conchita Wurst als Models auf. Die Show wurde mit dem Gesangsauftritt von Boy George abgeschlossen. Madonna nahm entgegen anderslautender Spekulationen nicht an Gaultiers Abschied teil.

Der Star-Designer hatte erst vergangene Woche überraschend seinen Ausstieg aus den Haute-Couture-Modenschauen angekündigt. Gaultier, der früher als "Enfant terrible" der Modewelt galt, verwischte in den vergangenen Jahrzehnten die Grenzen zwischen männlicher und weiblicher Mode und sorgte mit seinen Entwürfen immer wieder für Aufsehen. Zudem setzte er als einer der ersten ältere oder übergewichtige Models ein.

Seine Karriere hatte Gaultier 1970 im Alter von 18 Jahren als Assistent des Designers Pierre Cardin begonnen. Dieser sagte der Nachrichtenagentur AFP: "Während ich bei meiner Mode schamhaft bin, ist er eher provokant." Das sei eben Gaultiers Stil und sein besonderes Talent.

Bei der Show bekannte sich Gaultier auch zum Umweltschutz: "Es gibt zu viele Kleider. Werft sie nicht weg, recyclet sie", rief er seinem Publikum zu. "Weg mit dem Brandneuen, her mit dem Brandalten!" Schon seine Mutter habe ihn als Kind damit beeindruckt, dass sie aus den alten Hosen seines Vaters Röcke geschneidert habe, erzählte Gaultier. "Man kann ein Kleidungsstück wieder lieben lernen, indem man es verändert."