Gaslieferung durch Nord-Stream-Pipeline bleibt für unbestimmte Zeit unterbrochen

Die Lieferung von russischem Gas nach Deutschland durch die Nord-Stream-Pipeline bleibt auf unbestimmte Zeit unterbrochen. Gazprom teilte am Freitagabend mit, es sei ein Ölleck an einer Turbine entdeckt worden, weshalb Reparaturarbeiten notwendig seien. "Bis zur Reparatur (...) ist die Lieferung von Gas via Nord Stream komplett eingestellt", erklärte der russische Energiekonzern. Angaben zur Dauer der Reparatur machte Gazprom nicht.

Die Gaslieferungen durch Nord Stream 1 waren bereits am Mittwoch gestoppt worden, wofür Gazprom turnusgemäße Wartungsarbeiten an einer Kompressorstation als Grund genannt hatte. An diesem Samstag hätte der Gasfluss aber eigentlich wieder beginnen sollen.

Das Bundeswirtschaftsministerium in Berlin wollte sich nicht zu den nun von Gazprom angeführten Gründen für die Verlängerung des Gaslieferstopps äußern. Der Hersteller der Turbine, das deutsche Unternehmen Siemens Energy, erklärte jedoch, das von Gazprom angeführte Ölleck sei kein "technischer Grund", um die Gaslieferung zu stoppen.

Solche Lecks beeinflussten normalerweise nicht den Betrieb einer Turbine, hieß es von dem in München ansässige Unternehmen. Diese Lecks könnten vor Ort geschlossen werden, was eine "Routinemaßnahme während Wartungsarbeiten" sei. In der Vergangenheit hätten derartige Lecks nicht zu Betriebseinstellungen geführt.

Eine Sprecherin des Bundeswirtschaftsministeriums versicherte in Reaktion auf die Gazprom-Mitteilung, die Versorgungssicherheit in Deutschland sei "gewährleistet". Wegen der "Unzuverlässigkeit Russlands" habe die Bundesregierung die Maßnahmen zur Stärkung der Unabhängigkeit von russischen Energieimporten "unbeirrt und konsequent" fortgesetzt: "Dadurch sind wir jetzt wesentlich besser gerüstet als noch vor einigen Monaten."

Die deutschen Gasspeicher seien derzeit zu 84,3 Prozent gefüllt, teilte die Ministeriumssprecherin mit. Das Oktober-Speicherziel von 85 Prozent dürfte daher nach ihren Worten schon früher erreicht werden.

Laut Gazprom war bei den Wartungsarbeiten an Nord Stream 1 festgestellt worden, dass an der Turbine Öl austrete. Das Leck sei bei einer gemeinsamen technischen Kontrolle mit Vertretern des Turbinenherstellers gefunden worden.

Das Ölleck sei an Kabeln entdeckt worden, die mit den Geschwindigkeitsmessern einer Turbinenschaufel verbunden seien, führte Gazprom aus. Im Onlinedienst Telegram veröffentlichte das Unternehmen ein Foto von Kabeln, die von einer bräunlichen Flüssigkeit verschmiert sind.

Zuvor hatte der Kreml am Freitag erklärt, dass die Funktionsfähigkeit von Nord Stream durch einen Ersatzteilmangel "bedroht" sei, der auf die vom Westen verhängten Sanktionen wegen der russischen Offensive in der Ukraine zurückzuführen sei. Die Verlässlichkeit "des ganzen Systems" sei dadurch gefährdet, warnte Kreml-Sprecher Dmitri Peskow. Es gebe "keine technische Reserven, nur eine Turbine arbeitet", sagte er.

Der Lieferstopp an der nach Deutschland führenden Nord-Stream-Pipeline ist bereits der zweite in diesem Sommer und schürt die Furcht vor Versorgungsengpässen im Winter. Der Westen wirft Moskau bei der Energieversorgung Erpressung vor. Nach der Verhängung westlicher Sanktionen gegen Moskau wegen der Ukraine-Offensive hatte Russland bereits mehrfach seine Gaslieferungen nach Europa reduziert.

bur/dja