Ich gebe monatlich 725 Dollar für Hausarbeiten aus, die ich selbst erledigen könnte – durch die Ausgaben stehe ich finanziell sogar besser da

Unsere Autorin, Kali Roberge. - Copyright: Kali Roberge
Unsere Autorin, Kali Roberge. - Copyright: Kali Roberge

Meine Eltern brachten mir einige grundlegende Lektionen über persönliche Finanzen bei, die mir in meinen ersten Jahren als unabhängige Erwachsene sehr nützlich waren. So lernte ich beispielsweise, dass man kein Geld ausgibt, das man nicht hat. Diese Regel nahm ich sogar so ernst, dass ich nie auch nur einen Cent Schulden hatte (nicht einmal Studienkredite).

Die Regeln meiner Eltern lehrten mich, wie wichtig es ist, weit unter meinen Möglichkeiten zu leben und dem Sparen Vorrang vor allem anderen einzuräumen. Diese Strategie half mir, schon mit 21 Jahren mit dem Investieren zu beginnen und ermutigte mich, in meinen 20ern fast die Hälfte meines Einkommens zu sparen. Außerdem brachten mir meine Eltern bei, dass der einzige Weg, es im Leben zu schaffen, darin bestehe, unabhängig zu sein, einen praktischen, krisensicheren Job zu finden und so hart wie möglich zu arbeiten, solange ich es nur könnte.

Kathleen Elkins
Kathleen Elkins

Diese Lektionen verschafften mir in meinen frühen 20ern einen enormen Vorsprung vor meinen Altersgenossen. Ich arbeitete hart, sparte viel und entwickelte eine solide finanzielle Grundlage, die es mir ermöglichte, in kurzer Zeit ein großes Vermögen aufzubauen.

Doch mit 25 fühlte ich mich ausgebrannt. Ich hatte Angst, dass ich nie genug Geld haben würde, um mich wirklich wohl und sicher zu fühlen. Ich fühlte mich schuldig, wann immer ich Geld ausgab und entwickelte ein verzerrtes Gefühl dafür, was im Leben wirklich wertvoll war.

Meine Zeit verbrachte ich damit, nach Sparmöglichkeiten zu suchen und alles selbst zu machen, um kein Geld auszugeben, denn ich sah meine Finanzen als eine kostbare Ressource an. Die Wahrheit ist, dass Zeit viel wertvoller ist – eine Lektion, die ich gerne viel früher gelernt hätte.

Geld ist nicht die einzige Kostbarkeit, die wir haben

Als ich Ende 20 war, lernte ich langsam, dass Geld kein Endziel war. Geld war eher ein Werkzeug, das ich nutzen konnte, um mir das zu ermöglichen, was ich wollte. Ich hörte also auf, es als knappe Ressource zu betrachten und fing an, darüber nachzudenken, wie ich nicht nur meinen Cashflow, sondern auch meine Energie und Zeit besser nutzen konnte.

Ich begann, meine persönlichen Finanzen in einem breiteren Kontext zu betrachten – und nicht nur an Dollarbeträge in einer Tabelle zu denken. Dafür listete ich meine Prioritäten und persönlichen Prioritäten auf und überlegte mir, wie mein Einkommen dort reinpasste. Als ich diesen Sinneswandel vollzog, erkannte ich, dass meine Besessenheit, weniger Geld auszugeben, mich oft mehr Zeit, Energie, Erfahrungen und die Möglichkeit, mit meiner Familie zusammen zu sein, kostete.

Meine Unfähigkeit, mehr Geld auszugeben – selbst wenn ich über den nötigen Spielraum verfügte, ohne meine finanzielle Zukunft zu gefährden – bedeutete vielleicht ein bisschen mehr Geld auf der Bank, aber letztendlich litten einige Aspekte meines Lebens darunter.

Ich wünschte, ich hätte schon früher Geld für diese Dinge ausgegeben

Aktuelle Forschungsergebnisse zeigen, dass Menschen glücklicher sind, wenn sie ihr Geld nutzen, um sich Zeit zu erkaufen oder um Erfahrungen zu genießen. Das war der finale Anstoß, den ich brauchte. Als ich mein eigenes Leben betrachtete, konnte ich leicht feststellen, wo ich viel Zeit verbrachte.

Rasenpflege

Als es darum ging, unsere Ausgaben bewusst zu erhöhen, um mehr Zeit zu bekommen – ein wirklich seltsames Gefühl für jemanden, der in den letzten zehn Jahren nur unter Strom stand –, haben mein Mann und ich als Erstes einen Gartenservice beauftragt, der das Grundstück um unser Haus herum pflegen sollte.

Für etwa 175 Dollar (rund 172 Euro) im Monat mäht ein Team unseren Rasen und jätet das Unkraut auf unserem Grundstück. Sie erledigen das in einem Bruchteil der Zeit, die wir für dieselbe Arbeit brauchten. Somit ist das, was früher eine große Wochenendarbeit war, plötzlich etwas, worüber wir nicht einmal mehr nachdenken müssen (geschweige denn Zeit dafür aufwenden).

Reinigungskraft

Außerdem haben wir eine Reinigungskraft eingestellt, die uns im Haus hilft. Dafür bezahlen wir etwa 300 Dollar (295 Euro) pro Monat. Genau wie das Gartenteam ist auch unsere Reinigungskraft viel effizienter als ich. Sie braucht drei Stunden für die gleiche Arbeit, für die ich etwa sieben brauchte.

Kochboxen

Schließlich entschlossen wir uns dazu, Kochboxen auszuprobieren, die etwa 250 Dollar (245 Euro) pro Monat kosten. Anfangs war ich sehr skeptisch, da ich unsere Mahlzeiten sehr gerne selber plante. Außerdem bekommen wir nur die Lebensmittel geliefert und das Essen muss dann natürlich auch noch gekocht werden. Aber ich war schockiert über den Unterschied, den die Lieferung machte.

Ich hatte nie bemerkt, wie viel Zeit, geistige Anstrengung und Energie es kostete, über jedes einzelne Frühstück, Mittag- und Abendessen für sieben Tage nachzudenken, es zu planen, einzukaufen und zuzubereiten. Jetzt gibt es an drei Tagen in der Woche überhaupt keine Denk- oder Vorbereitungsarbeit mehr. Die gelieferten Mahlzeiten heben wir uns meistens für unsere arbeitsreichsten Tage auf.

Mehr Geld für diese Zwecke auszugeben, macht mich glücklicher – und verbesserte meine Finanzen

Natürlich ist es ein Luxus, Hilfe einzustellen oder einen Teil unserer Koch-, Reinigungs- und Gartenarbeiten auszulagern. Es ist ein Privileg, 725 Dollar (rund 711 Euro) pro Monat für diese Dienstleistungen auszugeben, die wir eigentlich selbst erledigen könnten. Ich erkenne das an, doch ich weiß auch, dass es für mich gut angelegtes Geld ist.

Bevor wir diese Hilfe und Unterstützung bekamen, habe ich völlig unterschätzt, wie viel Zeit und Mühe in jedem dieser Bereiche steckte. Durch diese Art von Investition habe ich viel mehr geistigen Freiraum, Energie und Lebenszeit freigemacht.

Außerdem habe ich dadurch mehr Wahlmöglichkeiten: Ich kann die freigewordene Zeit nutzen, um mehr zu erleben oder mit Menschen zusammen zu sein, die mir wichtig sind. Manchmal nutze ich die Zeit auch für Arbeiten, die mir mehr Geld einbringen, als ich für die Einstellung von den Hilfskräften ausgegeben habe. Wenn ich mich hartnäckig weigerte, mir beim Hausputz oder beim Kochen helfen zu lassen, würde mich das Stunden und Energie kosten, die ich besser für die Lösung eines geschäftlichen Problems oder die Entwicklung neuer Möglichkeiten zur Steigerung der Einnahmen verwenden könnte.

So sieht das Ausgeben von Geld mittlerweile für mich eher wie eine Investition als eine Verschwendung von Mitteln aus. Ein kluger Einsatz von Geld kommt meinen Finanzen zugute, wenn er es mir ermöglicht, meiner Arbeit und dem Unternehmen, das ich mitbetreue, mehr hochwertige Zeit zu widmen.

Ich bin zwar immer noch ziemlich gewieft beim Geldausgeben, aber ich betrachte meine Finanzen nicht mehr so schwarz-weiß wie früher. Meine einstige Einstellung, dass alle Ausgaben schlecht und sparen das einzig Gute seien, habe ich schon länger über Bord geworfen. Persönliche Finanzen sind viel komplexer als diese Einstellung – und das Leben ist es auch!

Ich habe die Erfahrung gemacht, dass es viel produktiver ist, sich daran zu erinnern, dass Geld nicht die einzige Ressource ist, die wir haben. Eure Zeit und Energie sind oftmals wertvoller als Geld allein und deswegen solltet ihr Zeit und Energie auch schätzen. Ich habe festgestellt, dass es hilfreicher ist, Geld als ein Werkzeug zu betrachten, das (strategisch) eingesetzt werden sollte, um euch mehr Zeit und Ruhe zu verschaffen.

Dieser Artikel wurde von Pia Krense aus dem Englischen übersetzt. Das Original findet ihr hier.

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