Geben wir bei Promi-Trennungen immer den Frauen die Schuld?

Amber Heard, Halle Berry und Olivia Munn wurden alle verachtet, während sie eine Trennung durchmachten. (Bild: AP Images)

Als Schauspielerin Olivia Munn und der Quarterback der Green Bay Packers Aaron Rodgers im April verkündeten, dass sie sich nach drei Jahren Beziehung trennen, kamen umgehend Spekulationen auf. Das vorschnelle Urteil? Munn sei „kontrollierend“ – ein Gerücht, das Rodgers Familie zufolge auch der Grund für das angespannte Verhältnis von Rodgers zu seiner Familie war. Aber vor dem Hintergrund der Trennung bekam es noch einmal richtig Aufwind. Man könnte dies einfach als Klatsch und Tratsch über das Ende einer Beziehung abtun. Man könnte es aber auch in einem größeren Zusammenhang betrachten und erkennen, dass wir beim Thema Promi-Trennungen dazu tendieren, den Frauen die Schuld zu geben.

Nehmen Sie zum Beispiel Amber Heard. Als sie sich offiziell von Johnny Depp trennte und ihm vorwarf, sie misshandelt zu haben, wurde sie als manipulative Goldgräberin abgestempelt. Auch Angelina Jolie wurde im Zuge ihrer Trennung von Brad Pitt als ähnlich manipulativ angesehen. Zum Beispiel wurde ihr nachgesagt, sie sei schrecklich, weil sie Pitt nicht erlaubte, die sechs gemeinsamen Kinder zu sehen während die Ermittlungen zu den Anschuldigungen liefen, Pitt sei während eines Zwischenfalls in einem Flugzeug gegenüber seinem Sohn Maddox aggressiv aufgetreten und habe ihn möglicherweise misshandelt. (Später wurde er von allen Anschuldigungen der Kindesmisshandlung freigesprochen).

Wann immer das Ende einer Beziehung von Taylor Swift bekannt wird, wird sie ständig als jemand dargestellt, der nicht in der Lage ist, einen Mann zu halten. Scarlett Johansson wurde nachgesagt, sie sei eine schlechte Mutter, weil sie nach der Trennung von Romain Dauriac darauf bestand, weiter Karriere zu machen, und Halle Berry wird regelmäßig verrückt genannt. Berrys Trennungen waren stets so voller Drama, dass ihre Ex-Männer David Justice und Eric Benét – die Berry betrogen, was der Grund für die Scheidung war – die Schauspielerin auf Twitter heruntermachten, als sie sich von Oliver Martinez trennte. Die „New York Post“ ging sogar so weit, einen längeren Artikel zu veröffentlichen, der ausführte, warum Berry selber schuld ist an all ihren gescheiterten Beziehungen.

Promi-Beziehungen enden aus allen möglichen Gründen – manche sind dramatisch, manche nehmen einfach ihren Lauf. Also warum sehen wir meist die Frauen als das Problem an, wenn wir noch nicht einmal unbedingt alle Fakten kennen?

„Ich glaube, das beginnt bei der Vorstellung, dass wir traditionell und als Gesellschaft der Auffassung sind, dass erfolgreiche Frauen zickig sind und zu viel verlangen, um sich in einer von Männern dominierten Welt durchsetzen zu können“, sagte Therapeutin Darby Fox. „Um einen gewissen Promistatus zu erreichen, sind die Leute normalerweise… ich würde nicht den Begriff ‚narzisstische Störung‘ verwenden, aber sie haben eine starke Selbstverliebtheit und einen starken Erfolgswillen. Sie sind es gewohnt, Dinge zu fordern und zu erreichen. Und da dies normalerweise auf Männer zutrifft, lassen wir sie gewähren.“

Dies könnte erklären, warum Männer nicht so genau unter die Lupe genommen werden, wenn es um Trennungen geht. Auf jeden Fall wurde Jesse James öffentlich dafür auseinandergenommen, wie er Sandra Bullock behandelt hatte, und NBA-Star Camelo Anthony muss sich ähnlich prüfenden Blicken unterziehen, weil er eventuell seine Frau La La betrogen hat. Aber als Ben Affleck vor über zehn Jahren Gerüchten zufolge seine Verlobte Jennifer Lopez mit einer kanadischen Stripperin betrog und der angebliche Grund für die Trennung von Jennifer Garner darin lag, weil er was mit der Nanny hatte, schien die Empörung bei Weitem nicht so stark zu sein.

Ben Affleck und Jennifer Garner hatten sich schon monatelang getrennt, bevor sie von der Sache mit der Nanny erfuhr. (Bild: Angela Weiss/FilmMagic)

Warum? Fox sagt: „Ben Affleck hat ernsthafte Probleme mit Glücksspiel und Alkohol, er befindet sich immer wieder in Behandlung, deswegen ist man so ein Verhalten von ihm irgendwie gewöhnt. Und wir erwarten solch ein Verhalten von einem gutaussehenden Mann. Deshalb ist es einfacher, auf Ben zu zeigen und zu sagen: ‚Nun, was hast du erwartet?’ Er reist rund um die Welt, arbeitet mit wunderschönen Frauen… Es ist das Gleiche mit Brad Pitt. Okay, Angelina Jolie ist anders, aber als Brad Jen [Aniston] betrog und mit Angelina zusammenkam, war das ganz selbstverständlich. Wenn gutaussehende Männer mit hübschen Frauen arbeiten, dann erwarten wir, dass sie betrügen. Das ist eine Doppelmoral.“

Diese Annahme wird auch von Candace Burton geteilt, einer Forscherin zu den Themen Gesundheit von Frauen und Beziehungen an der University of California, Irvine. Laut Burton ist dieses Verhalten Teil der traditionellen Geschlechterrollen sowie der Auffassung, dass Frauen dafür verantwortlich sind, die Handlungen der Männer um sie herum zu beeinflussen.

„Das ist die zugrundeliegende Annahme, die die Vergewaltigungskultur unterstützt und es uns ermöglicht, Opfern häuslicher und sexueller Gewalt die Schuld zu geben – auf lange Sicht entmachtet dies Frauen“, erklärt Burton. „Das geht weit zurück auf die ‚traditionellen‘ Vorstellungen, wie die verschiedenen Geschlechter sich in Beziehungen zu verhalten haben.“

„Wenn sich ein Paar trennt, wird standardmäßig erwartet, dass es einen Grund geben muss – und dieser Grund fällt in eine von wenigen geschlechterspezifischen Kategorien: Wenn der Mann schuld an der Trennung ist, dann deshalb, weil er betrogen hat oder aktiv etwas getan hat, das die Frau verletzt hat. Wenn die Frau schuld ist, dann deshalb, weil sie sich nicht so verhalten hat, wie eine Frau ‚sollte‘, sie hat sich nicht gut genug in die versorgende, liebende Rolle hineingefunden, sie hatte keine Kinder, solche Dinge eben.“

Aber Burton und Fox sind der Auffassung, dass weibliche Promis die Macht haben, dieses Szenario zu ändern. Fox betont, dass Jennifer Aniston sehr geschickt darin war, die Medien aus ihrer Trennungsgeschichte herauszuhalten und Kate Hudson scheint nicht hinterfragt zu werden, obwohl alle Blicke auf sie gerichtet sind. Fox sagt: „Kate Hudson macht das gut. Sie hat viele Männer und trauert nicht. Sie ist ein positives Beispiel. Wir müssen lernen, Frauen den gleichen Lebensstil zuzugestehen wie Männern. Und ich weiß nicht, wie wir das tun können, aber Kate Hudson ist wahrscheinlich das beste Beispiel. Mehr Frauen sollten sich so einsetzen.“

Kate Hudson zeigte sich bei der Premiere von „Mädelstrip“ in L.A. mit ihrem neuen Freund, Danny Fujikawa. (Bild: Steve Granitz/WireImage)

Gleichzeitig ist Burton der Auffassung, dass sich dieses traditionelle Bild umso mehr kann ändern, je mehr weibliche Promis ihre Trennungen nutzen, um die herkömmlichen Geschlechterrollen zu hinterfragen. Ein Beispiel? „Es ist möglich, seine Position als Promi zu nutzen, um diese Probleme öffentlich anzusprechen und diese Art von voreingenommenem Verhalten zu kritisieren“, so Burton. „Sowohl Angelina Jolie als auch Sandra Bullock haben ziemlich offen darüber gesprochen, wie ihre Ex-Männer sie behandelt haben und wie andere reagierten, als sie sich trennten. Andere Frauen, darunter auch Beverly Gooden, Jamelia, Tina Turner und Charlize Theron haben offen über ihre Erfahrungen mit Beziehungen gesprochen, in denen ihre Partner kontrollierend waren oder sie sogar misshandelten und haben betont, dass die Schuld häufig den Frauen zugeschoben wird. Je öfter Frauen die Medien und alle anderen dafür kritisieren, dass sie solche Stereotypen und Erwartungen hinsichtlich der Geschlechterrollen unterstützen, umso besser!“

In der Zwischenzeit scheint es in der Gerüchteküche um Munn und Rodgers nicht mehr ganz so doll zu brodeln, und jetzt ist in den Medien die Rede davon, dass der Beziehung einfach die Luft ausging und die beiden versucht hatten, solange es ging, daran festzuhalten, aber es dann einfach nicht mehr funktionierte. Für Fox scheint dies eher mit der tatsächlichen Situation übereinzustimmen – sie findet, es ist absurd zu glauben, Munn hätte Rodgers bevormundet. Vielmehr rührt diese Auffassung wahrscheinlich von älteren Gerüchten her, die mit unserem Wunsch nach Drama vermischt wurden.

Aaron Rodgers Familie behauptete, Olivia Munn sei „kontrollierend“. (Bild: C Flanigan/Getty Images)

„Drei Jahre lang war sie mit einem der erfolgreichsten Quarterbacks im Football-Sport zusammen”, betont Fox. „Um ein Quarterback zu sein, muss man die Kontrolle haben! Die Idee, dass sie ihn kontrolliert, ist albern. Es fing mit seiner Familie an – und er entschied sich, bei ihr zu bleiben. Und er war mit ihr drei Jahre lang zusammen. Wenn man ihre Terminkalender sieht, ist das wirklich erstaunlich. Da ist nicht viel Drama und wir sind enttäuscht, dass da nicht mehr ist. Also ist irgendwie sie schuld.“

Was uns zu etwas bringt, das Katy Perry nach ihrer Trennung von Orlando Bloom sagte: Vielleicht muss es ja gar kein Opfer und keinen Schuldigen bei einer Trennung geben, egal ob männlich oder weiblich. Vielleicht müssen wir einfach tun, was Perry sagt und akzeptieren, dass Leute manchmal einfach Schluss machen. Und vielleicht sollten wir uns einfach mehr um unsere eigenen Angelegenheiten kümmern.

Carly Milne

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