Gedenkfeier in kroatischem Konzentratioslager von Boykott begleitet

Gedenkfeier in kroatischem Konzentratioslager von Protest begleitet

Begleitet von einem Boykott antifaschistischer, jüdischer und serbischer Organisationen hat Kroatien am Sonntag der Opfer des ehemaligen Konzentrationslagers Jasenovac gedacht. Kroatiens konservativer Regierungschef Andrej Plenkovic nahm ebenso wie mehrere Minister an der Zeremonie in dem Lager teil, das 1941 von dem mit Hitler-Deutschland verbündeten Ustascha-Regime errichtet worden war.

Die meisten der Opfer in dem rund 100 Kilometer südlich von Zagreb gelegenen Lager waren Serben und Juden, aber auch antifaschistische Kroaten wurden in Jasenovac getötet. Vertreter dieser drei Gruppen boykottierten die offizielle Gedenkfeier am Sonntag. Sie werfen den kroatischen Behörden vor, nicht genug gegen eine Verharmlosung der Nazi-Ideologie und gegen Geschichtsrevisionismus im Land zu unternehmen.

Ihre Empörung entzündet sich auch an einer im November in Jasenovac angebrachten Gedenktafel für paramilitärische Kämpfer der Gruppe HOS, die die Inschrift "Für die Heimat bereit" enthält. Diesen Ausspruch verwendete während des Zweiten Weltkriegs auch der damalige faschistische Staat. Das Simon-Wiesenthal-Zentrum hatte die Gedenktafel scharf kritisiert und als "Versuch, die Geschichte des Zweiten Weltkriegs und des Holocausts umzuschreiben und die Verantwortlichen zu Helden zu machen" angeprangert.

Am Sonntag protestierten vor dem Lager Aktivisten von antifaschistischen Gruppen und forderten auf Spruchbändern, den Ustascha-Gruß zu entfernen. Serbiens Regierungschef Aleksandar Vucic nahm im Nachbarland Bosnien an einer Gedenkveranstaltung für die Opfer des Lagers teil. Dort sagte er, es gebe Versuche, die "Ustascha-Ideologie wieder aufleben zu lassen".

Die Gedenkfeier in Jasenovac findet jedes Jahr rund um den 22. April statt. Am 22. April 1945 unternahmen rund 600 Lagerinsassen einen Ausbruchsversuch, den nur rund 100 von ihnen überlebten. Wenige Tage später wurde das Lager befreit. Über die genaue Zahl der Opfer in dem Lager sind sich Historiker uneins. Während das Museum von Jasenovac diese mit etwa 82.000 angibt, gehen serbische Quellen von bis zu 700.000 Toten aus.

Mit Yahoo Nutzung stimmen Sie zu, dass Yahoo und Partner Cookies für Personalisierungs- und andere Zwecke nutzen