Gefangene in Brasilien fliehen wegen härterer Corona-Auflagen

Frau mit Atemschutzmaske in Chile

Härtere Auflagen für Häftlinge wegen der Coronavirus-Pandemie haben in Brasilien zu einem Gefangenen-Aufstand geführt: Im Bundesstaat Sao Paulo sind laut brasilianischen Medienberichten am Montagabend hunderte Gefangene aus verschiedenen Gefängnissen geflohen, nachdem die Behörden das Recht auf Freigang für Häftlinge im halboffenen Vollzug ausgesetzt hatten.

Die Regierung des Bundesstaats Sao Paulo hatte den für Dienstag geplanten Freigang mit dem Argument verschoben, dass die "mehr als 34.000" betroffenen Gefangenen bei ihrer Rückkehr in die Gefängnisse das Coronavirus einschleppen und andere Insassen anstecken könnten. Gefangene im halboffenen Vollzug dürfen normalerweise tagsüber das Gefängnis verlassen, etwa um zur Arbeit oder zur Schule zu gehen.

Brasilien hat bisher mehr als 230 Coronavirus-Infektionen gemeldet, davon 152 im bevölkerungsreichsten Bundesstaat Sao Paulo.

In ganz Lateinamerika hat sich die Zahl der nachgewiesenen Coronavirus-Fälle inzwischen auf mehr als 800 erhöht. Nach einer Zählung der Nachrichtenagentur AFP gab es sieben Todesfälle, zuletzt einen in der Dominikanischen Republik.

Wegen der Pandemie kündigten Chile, Peru und Kolumbien am Montag an, ihre Grenzen zu schließen. "Wir haben entschieden, alle Land-, See- und Luftgrenzen unseres Landes für Ausländer zu schließen", erklärte der chilenische Präsident Sebastián Piñera. In dem Land an der südamerikanischen Westküste gibt es inzwischen 155 nachgewiesene Corona-Infektionen. Perus Präsident Martin Vizcarra kündigte eine zweiwöchige Grenzschließung an. Kolumbien will die Grenzen bis zum 30. Mai schließen.