Gegen Meningokokken impfen

Der Berliner Impfbeirat hat am 17.07.2013 eine Erweiterung der öffentlichen Impfempfehlung des Landes Berlin beschlossen, wonach sich Männer, die Sex mit Männern haben (MSM), gegen Meningokokken-Erkrankungen impfen lassen sollten. Anlass für die erweiterte Impfempfehlung ist eine

Erkrankungshäufung unter MSM in Berlin. Von insgesamt 18 Meningokokken-Erkrankungen in Berlin im Jahr 2013 waren sieben durch die am gefährlichsten geltende Untergruppe C verursacht. Von diesen Patienten sind drei verstorben und ein vierter ist dauerhaft schwer erkrankt. Alle vier Patienten gehören zur Gruppe der MSM. Aktuelle Erkrankungsausbrüche unter MSM sind auch schon aus New York und Paris beschrieben worden.

Meningokokken sind Bakterien, die im Nasen-Rachen-Raum des Menschen vorkommen und z. B. durch Küssen oder direktes Anhusten übertragen werden können. Circa 10 Prozent der Bevölkerung tragen diese Bakterien in sich, ohne dabei zwangsläufig zu erkranken. Es wird davon ausgegangen, dass unter MSM circa 40 Prozent Träger der Bakterien sind und somit möglicherweise ein höheres

Erkrankungsrisiko besteht. Eine Erkrankung ist sehr ernst zu nehmen, da sie mit schweren Komplikationen und bleibenden Schäden einhergehen kann. So kommt es bei zwei Dritteln der erkrankten Patientinnen und Patienten zu einer Hirnhautentzündung und bei einem Drittel zu einer lebensgefährlichen Blutvergiftung (Sepsis). In 10-20 % der Fälle kommt es zu bleibenden Schäden. Die

Sterblichkeit ist bei einer Erkrankung an Meningokokken der Gruppe C mit bis zu 10 % sehr hoch.

Die einzige wirksame Möglichkeit der Prävention besteht in einer Impfung. Gemäß Empfehlung der Ständigen Impfkommission am Robert-Koch-Institut (STIKO) sollen alle Kinder bis zum vollendeten 18. Lebensjahr eine einmalige Impfung gegen Meningokokken der Gruppe C erhalten. Bei Erwachsenen empfiehlt die STIKO eine Impfung für bestimmte Personen mit Immundefekten, wie z.B. HIV-Positive,

oder auch für Reisende in bestimmte Länder. Für Männer, die Sex mit Männern haben (MSM), hat die STIKO bisher keine Impfempfehlung herausgegeben. Diese Lücke wird nun aus aktuellem Anlass durch die Impfempfehlung des Landes Berlin geschlossen. Die Impfung sollte mit einem Impfstoff erfolgen, der eine Komponente gegen Meningokokken der Gruppe C enthält und für Erwachsene zugelassen ist. Sie ist im Allgemeinen sehr gut verträglich. Durch eine öffentliche Impfempfehlung hat eine geimpfte Person im Falle eines Impfschadens Schadensersatzansprüche gegenüber dem Land Berlin. Eine Übernahme der Impfkosten durch die Krankenkassen ist damit nicht zwangsläufig verbunden. Die Impfempfehlung ist vorläufig bis zum 31.01.2014 befristet und soll nach diesem Zeitraum zunächst auf ihre Wirksamkeit überprüft werden. Gleichzeitig setzt sich das Land Berlin dafür ein, dass die Fragen des Impfschutzes für MSM durch die STIKO einheitlich und somit auch für andere Bundesländer geklärt werden.

Fragen rund um das Thema Impfung gegen Meningokokken und generell Impfschutz können auf http://www.impfenimdialog.de/ an Experten gestellt werden, die sie online beantworten.

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