Geheimes Projekt Verde: Amazon und Starbucks führen Gespräche über eine Lounge, die kassenlose Amazon-Stores mit einem Café kombiniert

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Einchecken per App in einem kassenlosen Geschäft.
Einchecken per App in einem kassenlosen Geschäft.

Amazon und Starbucks haben Gespräche geführt, um Amazons kassenlosen Go-Läden in einem neuen Co-Branding-Coffeeshop unterzubringen. Dies ist ein Teil der Bemühungen, die "Just Walk Out"-Technologie in den eigenen Läden zu erweitern, wie Business Insider exklusiv erfuhr.

Das Projekt mit dem internen Codenamen "Verde" sollte ein Café im Lounge-Stil werden, in dem sowohl Starbucks-Getränke als auch Backwaren und warmen Speisen aus dem Amazon Segment angeboten werden, ohne dass man an der Kasse anstehen muss. Das geht aus einem internen Dokument von Amazon hervor, das Business Insider vorliegt.

Das erste Layout des Ladens zeigt den Lebensmittelbereich von Amazon Go in einem Café mit Lounge-Sitzplätzen. Zum Bezahlen müssen die Kunden unterschiedliche Apps verwenden - Starbucks' App für Getränke und Amazons App für Lebensmittel - obwohl die Unternehmen letztendlich eine integrierte Lösung entwickeln wollen. Das Geschäft sollte unter einer neu geschaffenen Marke laufen.

Dieses Projekt ist möglicherweise nicht mehr in Arbeit. Dem Dokument zufolge liefen die Gespräche bis mindestens Juli 2020, aber die Unternehmen konnten ihren Zeitplan, den ersten Proof-of-Concept-Store im vierten Quartal 2020 und bis zu sechs Stores bis 2021 zu eröffnen, nicht einhalten. Ab Juni 2020 war "Projekt Verde" eine "Top-Ten-Initiative für Starbucks", da sie mit den Zielen des Unternehmens übereinstimmte, die Abholbestellungen zu verdoppeln und Warteschlangen zu beseitigen, so das Dokument.

Das gemeinsame Projekt wirft viele Fragen auf

"Unser Plan ist es, eine Filiale zu eröffnen, in der Kunden handgefertigte Getränke in einem Starbucks-Café genießen und/oder köstliches "grab & go" Essen von Amazon Go abholen können, ohne Schlange zu stehen", heißt es in dem Dokument. "Wir erwarten, dass Verde sein eigenes Branding haben wird, mit Elementen von sowohl Amazon als auch Starbucks."

Der Plan verdeutlicht Amazons Bestreben, die Technologie hinter seinen kassenlosen Go-Läden auf neue Gebiete auszuweiten. In solchen Geschäften können die Kunden durch Scannen ihres Handys hineingehen, das Gewünschte abholen und beim Verlassen automatisch bezahlen. Amazon hat in diesem Jahr damit begonnen, die Technologie in einigen seiner Fresh-Lebensmittelgeschäften und Whole-Foods-Filialen einzuführen. Andere Standorte, darunter Hudson Nonstop und TD Garden, planen, den Service ebenfalls zu nutzen. Amazon beschäftigt auch ein Team von Ingenieuren, die an einem intelligenten Kühlschrank arbeiten, der die Computer-Vision-Technologie in den Go-Läden nutzt, wie Business Insider bereits berichtete.

Die Partnerschaft könnte Amazon neue Monetarisierungskanäle für die Technologie eröffnen, da die kassenlosen Go-Läden noch immer weitgehend unrentabel sind. Das offenbarten zwei mit der Angelegenheit vertraute Personen, sich wegen zugesicherter Anonymität bereit erklärten, über sensible Themen zu sprechen. Ein Café unter der Marke Amazon wäre der jüngste Vorstoß des E-Commerce-Riesen in den Bereich der physischen Geschäfte, zu denen bereits Lebensmittelgeschäfte, Buchläden und ein Friseursalon gehören.

Es ist unklar, wann das neue Geschäft eröffnen wird. Es ist möglich, dass die beiden Unternehmen letztendlich entscheiden, das Projekt nicht weiterzuverfolgen, sagte einer der Beteiligten. Vertreter von Amazon und Starbucks lehnten eine Stellungnahme ab.

Hier seht ihr ein Rendering des Ladenlayouts aus dem Dokument:

'Amazon Go als Dienstleistung'

Dies wäre nicht die erste Partnerschaft zwischen Amazon Go und Starbucks. Amazon bietet seit 2019 in zwei seiner Amazon Go Stores Starbucks-Kaffee zur Selbstbedienung an.

Verde wäre jedoch etwas völlig anderes, da es einen separaten Amazon Go-Bereich innerhalb eines Starbucks-ähnlichen Cafés einrichtet. Die Zielkunden von Verde sind "zeit-hungrige Berufstätige" zwischen 25 und 45 Jahren, die in "dicht besiedelten Städten" leben, heißt es in dem Dokument. Die drei primären Nutzungsmöglichkeiten für Kunden sind Vorbestellungen über die Starbucks-App, "Grab-and-go" (Nehmen & Gehen) über den Amazon Go Store und "Sit & Stay" (Sitzen & Bleiben) für Kunden, die die Getränke- und Essensoptionen im Inneren genießen wollen, so das Dokument.

Für Starbucks würde der neue Laden dazu beitragen, das Kundenerlebnis zu verbessern, indem Warteschlangen vermieden werden, heißt es in dem Dokument. Starbucks ist außerdem der Ansicht, dass ein dritter Ort außerhalb von Zuhause und der Arbeit auch nach der COVID-19 wichtig sein wird, und möchte, dass die Filiale Lounge-Sitze enthält. Das neue Geschäft kann auch für mehr Kundenverkehr sorgen und eine profitablere Möglichkeit bieten, die Cafés mit Lebensmitteln zu versorgen, da Amazon die Lieferkette für Lebensmittel übernehmen wird, heißt es in dem Dokument.

In Amazons Fall ist die Partnerschaft ein "Mechanismus, um Go zu vergrößern", heißt es in dem Dokument. Starbucks-Filialen würden Amazon Zugang zu einer "viel größeren Immobilien-Pipeline" verschaffen, um die kassenlosen Go-Filialen schneller und zu geringeren Kosten als eine eigenständige Go-Filiale einzuführen, heißt es in dem Dokument.

"Verde ist Amazon Go als Service, was bedeutet, dass Einzelhändler die Amazon Go (bei dem Amazon die Kundenidentität/Authentifizierung, den Katalog, das Merchandising, die Lieferkette, das Planogramm, die Ausstattung und die Gewinn- und Verlustrechnung besitzt) in ihre Geschäftsräume integrieren, den Kunden eine neue Auswahl und Einkaufserlebnisse bieten können, die ihre eigenen ergänzen", heißt es in dem Dokument.

Amazon betreibt etwa zwei Dutzend Go-Läden und 18 Fresh-Läden sowie etwa 500 Whole-Foods-Läden.
Die beiden Unternehmen waren nicht in der Lage, sich über bestimmte operative Fragen zu einigen, was zu weiteren Verzögerungen führte, so eine der mit der Sache vertrauten Personen zu Business Insider. Zu diesen Themen gehört die Frage, welches Unternehmen die Arbeit in den Filialen beaufsichtigen soll und wie die unterschiedlichen Kassen-Erlebnisse für Starbucks- und Amazon-Produkte in den Filialen gehandhabt werden sollen, heißt es in dem Dokument. Ein weiterer Konfliktpunkt ist das Lösungs-Format, bei dem Amazon sich nicht ganz sicher ist. Das liegt daran, dass die meisten Kunden nur Abholungen vorbestellen könnten.

Starbucks möchte seinen Kunden die Möglichkeit geben, Treuepunkte zu sammeln, wenn sie in der Amazon Go Filiale einkaufen. Die beiden Unternehmen erwägen in diesem Punkt und dem der Zahlungsmethoden eine engere Integration, mit Plänen, die es den Kunden erlauben, Starbucks-Getränke mit der Amazon-App zu bezahlen oder umgekehrt, so das Dokument.

"Langfristig ist Verde ein Konzept, welches das Beste von Amazon und Starbucks bietet, was die Unterstützung von Treueprogrammen, Prime-Rabatten und anderen Vorteilen angeht", heißt es in dem Dokument.

Dieser Text wurde von Mascha Wolf aus dem Englischen übersetzt. Das Original findet ihr hier.

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