Wie geht es Wladimir Putin? Viele Gerüchte, wenig Informationen

Wie geht es Wladimir Putin? Viele Gerüchte, wenig Informationen

Der Gesundheitszustand des russischen Präsidenten Wladimir Putin gibt Anlass zu zahlreichen Spekulationen. Welche Informationen gibt es jenseits der Gerüchte? Wir geben einen Überblick.

Der russische Präsident feiert am 7. Oktober seinen 70. Seit mehr als 20 Jahren regiert er das Land.

In den zwei Jahrzehnten seiner Herrschaft ist kaum etwas über seinen Gesundheitszustand nach außen gedrungen, außer dass er sich gerne durch seine Fitness und seine Männlichkeit definierte...

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v.l.n.r.: Wladimir Putin beim Angeln (Sept 2021), beim Baden am Dreikönigstag (19/01/2018), auf dem Motorrad (29/08/2011) und zu Pferd (03/08/2009). - AP Photo

Weil aber auch der russische Präsident immer älter wird und sich sein Äußeres im Laufe der Jahre verändert - sein Gesicht wirkt aufgedunsen, seine Bewegungen manchmal verkrampft -, wird zunehmend über die gesundheitliche Widerstandkraft des Kremlchefs spekuliert.

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L: Wladimir Putin am 18.06.2022 - R: Wladimir Putin am 23/09/2007 - AP Photo

Welche Behauptungen und Recherchen gibt es?

Die gründlichste Recherche über Putins Gesundheit stellte die russischsprachige Website "Proekt" im April an. Die Journalist:innen stützten sich auf offene Quellen und kamen zu dem Schluss, dass die Reisen des Präsidenten zu seiner Datscha in Sotschi am Schwarzen Meer in den letzten Jahren mit der Anreise einer Armada von Ärzten zusammenfielen.

Unter ihnen befand sich auch ein Spezialist für Schilddrüsenkrebs, Jewgeni Selivanow.

Laut der französischen Wochenzeitung Paris Match wurde Wladimir Putin bei seinen Besuchen in Frankreich 2017 und in Saudi-Arabien 2019 auf dem Weg zur Toilette von einem Team begleitet, das seine Ausscheidungen einsammeln sollte, um anschließende Probenahmen zu verhindern, die Aufschluss über seinen Gesundheitszustand geben könnten.

Vor kurzem berichtete die Wochenzeitung Newsweek unter Berufung auf Quellen des US-Geheimdienstes, dass Putin im April wegen Krebs im fortgeschrittenen Stadium behandelt worden sein soll. Der Nationale Sicherheitsrat der USA dementierte, hinter diesen Informationen zu stehen.

Der Chef des ukrainischen Geheimdienstes, General Kyrylo Boudanov, behauptete ebenfalls, gegenüber Sky News, dass Putin an Krebs erkrankt sei.

Welche offiziellen Informationen gibt es?

Das erste und einzige Mal, dass der Kreml ein Gesundheitsproblem bestätigt hat, war im Herbst 2012, als der russische Staatschef aus der Öffentlichkeit verschwand und Treffen absagte. Der Kreml sprach damals von einer Muskelzerrung. Eine russische Zeitung berichtete von Rückenproblemen.

Laut der Website "Proekt" traten in dieser Zeit größere gesundheitliche Probleme auf. Die Covid-19-Pandemie führte zu seltsamen Verhaltensweisen des russischen Präsidenten, die Beobachtern zufolge Ausdruck einer Art Paranoia waren.

Offiziell ist das Staatsoberhaupt geimpft, doch im Gegensatz zu den meisten seiner Amtskollegen auf der ganzen Welt, wurde nie ein Bild von ihm veröffentlicht, auf dem er seine Dosis erhält.

Seine Besucher werden drastischen Vorsichtsmaßnahmen unterzogen, darunter tagelange Quarantäne. Und jeder erinnert sich an den riesigen Tisch, der den Kremlchef von seinen ausländischen Gästen trennte, darunter der französische Präsident Emmanuel Macron bei einem Besuch im Februar vor Beginn des Krieges.

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Archiv: Wladimir Putin (l.) empfängt den französischen Präsidenten Emmanuel Macron (r.), Moskau, 07.02.2022 - AP/Sputnik

Nur Besucher, die sich den Tests unterziehen - was Macron abgelehnt hatte -, dürfen sich Putin nähern und ihm die Hand schütteln.

Bilder eines Gesprächs zwischen Wladimir Putin und seinem Minister Schoigu Ende April, bei dem sich der russische Präsident am Tisch festhielt, sorgten für Spekulationen darüber, ob er damit versuchte, ein Zittern zu verbergen.

Außerdem hat der Kreml die jährliche Veranstaltung im Juni, bei der der Präsident mit Landsleuten telefoniert, ohne Erklärung auf unbestimmte Zeit verschoben.

Es werden enorme Vorsichtsmaßnahmen getroffen, um ihn zu schützen, wie bei seiner jährlichen Pressekonferenz im Jahr 2020, bei der nur eine Handvoll ordnungsgemäß getesteter Journalisten nach Quarantäne in den Saal gelassen wurden. Die laufenden Geschäfte erledigt der Präsident meist per Videokonferenz.

Was sagt der Kreml dazu?

Pressesprecher Dmitri Peskow hat die Behauptungen stets zurückgewiesen.

Der russische Außenminister äußerte sich kürzlich in einem Interview mit dem französischen Fernsehsender TF1 zu dem Thema. "Präsident Putin erscheint jeden Tag in der Öffentlichkeit (...) Ich glaube nicht, dass Menschen mit gesundem Verstand irgendwelche Krankheitssymptome bei diesem Mann erkennen können", erklärte er.

Der belarussische Präsident Alexander Lukaschenko, ein Verbündeter Putins, tat dasselbe in einem Interview im März mit dem japanischen Fernsehen. "Wenn Sie glauben, dass mit Präsident Putin etwas nicht stimmt, sind Sie die bemitleidenswerteste Person der Welt."

Bei seinen jüngsten Auftritten, darunter ein Forum über Peter den Großen und ein Gespräch mit dem turkmenischen Präsidenten Serdar Berdymuchamedow, hat das russische Staatsoberhaupt tatsächlich keine Anzeichen von Schwäche gezeigt.

Warum ist das wichtig?

Die meisten Beobachter gehen davon aus, dass Wladimir Putin, der Herrscher ohne offensichtlichen Nachfolger im Kreml, 2024 erneut kandidieren wird, nachdem umstrittene Verfassungsänderungen ihm eine dritte Amtszeit ermöglicht haben.

"Das Land hat nicht das kleinste Fünkchen Wahrheit über den physischen und emotionalen Zustand seines Präsidenten", beklagt der Chefredakteur von "Proekt", Roman Badanin. "Die ganze Welt weiß nicht, ob die  Person, die die Menschheit mit einem Druck auf einen roten Knopf vernichten kann, gesund ist".

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