Der gelernte Friseur mit knallharter Selbstdisziplin: So baute Erwin Müller sein Drogerie-Imperium auf

Der "Rebell von Ulm", Erwin Müller, mit seiner Frau Anita. - Copyright: picture alliance / Ursula Düren/dpa | Ursula Düren
Der "Rebell von Ulm", Erwin Müller, mit seiner Frau Anita. - Copyright: picture alliance / Ursula Düren/dpa | Ursula Düren

DM, Rossmann und Müller: Diese drei Familienunternehmen dominieren den deutschen Drogeriemarkt. Die Gründer von DM und Rossmann haben – oder hatten – keine Berührungsängste mit der Öffentlichkeit. Dirk Rossmann etwa gab kürzlich anlässlich der Veröffentlichung seines neuen Buches ein Interview. DM-Gründer Götz Werner galt bis zu seinem Tod im vergangenen Jahr als öffentlicher Verfechter des bedingungslosen Grundeinkommens.

Ganz anders Erwin Müller, der Gründer der gleichnamigen Drogeriekette. Er scheut die Öffentlichkeit. Die "FAZ" nannte ihn einst das "Phantom unter Deutschlands Drogerie-Unternehmern". Wie hat der gelernte Friseur also sein Firmenimperium aufgebaut?

Drogeriemarkt-Milliardär Erwin Müller befindet sich in einem Erbstreit mit seinen Adoptivkindern
Drogeriemarkt-Milliardär Erwin Müller befindet sich in einem Erbstreit mit seinen Adoptivkindern

Der "Rebell von Ulm"

Erwin Müller wurde am 8. September 1932 in München geboren. Er absolvierte eine Ausbildung zum Friseur und eröffnete sein erstes Geschäft in der elterlichen Wohnung. Wenige Jahre später, 1966, eröffnete er in Ulm seine erste eigene Filiale, in der er auch Parfümerie- und Kosmetikartikel verkaufte. Bereits ein Jahr später sorgte Erwin Müller für Aufsehen.

Wie auf der Website des Unternehmens nachzulesen ist, öffnete er seinen Salon auch montags – entgegen den Anweisungen der Interessenvertretung der Friseure. Der Vorfall wurde als "Ulmer-Figaro-Streit" bekannt und Müller sorgte als "Rebell von Ulm" überregional für Schlagzeilen.

Müller nimmt sich ein Vorbild an den Drugstores in den USA

1969 unternahm Müller eine Studienreise in die USA und nach Kanada, wo er Selbstbedienungs-Warenhäuser und Einkaufszentren besichtigte. Diese waren laut SWR das Vorbild für seine Drogeriemarktkette. Fast zeitgleich mit DM und Rossmann habe er dann 1973 den ersten "reinen" Drogeriemarkt eröffnet.

1978 erzielte Müller erstmals einen Jahresumsatz von über 100 Millionen DM und 1993 feierte das Unternehmen die Eröffnung der 250. Filiale. Ab 1993 expandierte Müller auch ins Ausland mit einer Filiale auf Mallorca, es folgten Standorte in Slowenien und Österreich. Heute betreibt der Konzern über 900 Filialen in sieben Ländern.

Teil des Erfolgskonzepts von Müller ist die große Produktvielfalt. Rund 190.000 Artikel umfasst das Sortiment, heißt es auf der Website des Unternehmens. Doch diese Strategie kann auch nach hinten losgehen. Die Marktforscher von Trade Dimensions sagten dem "Handelsblatt", Müller habe ein ziemlich einzigartiges Modell. Die meisten Unternehmen, die einen solchen Produktmix angeboten hätten, seien gescheitert.

So führt Erwin Müller sein Unternehmen

Kritiker werfen Müller vor, ein Alleinherrscher zu sein, der nicht loslassen könne, das schrieb einst der "Focus" 2009. Im vergangenen Jahr entließ er den Geschäftsführer und übernahm mit 89 Jahren noch einmal die Leitung seines Unternehmens.

In einem seltenen Interview mit dem "Focus" sagte er, er habe nicht einfach Glück gehabt, sondern habe von morgens bis abends gearbeitet. Sein Geheimrezept sei Selbstdisziplin.

Doch es gibt auch Kritik von Gewerkschaftern. Denn Müller duldet keine Betriebsräte in seinem Unternehmen und wurde deshalb sogar schon einmal angezeigt. Im Jahr 2009 habe er Betriebswahlen in einem Lager in Ulm verbieten wollen, sei damit aber vor Gericht gescheitert, berichtete die "Augsburger Allgemeine". Einen Tag später habe er das Lager an eine Spedition verkauft. In dem "Focus"-Interview wich er der Frage nach Betriebsräten aus: "Niemand kann sagen, dass er bei Müller schlecht behandelt wird".

Die Geschichte mit der Schweizer Bank und der Erbstreit

Doch das sind nicht die einzigen Negativschlagzeilen, mit denen die Drogeriekette in den vergangenen Jahren zu kämpfen hatte. Das Unternehmen ist wegen Steuerhinterziehung in die Schlagzeilen geraten und hat auch eine Strafanzeige gegen eine Schweizer Bank gestellt. Wie das "Handelsblatt" schreibt, soll die Bank im großen Stil sogenannte Cum-Ex-Fonds verkauft haben. Müller soll 50 Millionen Euro in einen solchen Fonds investiert haben.

In den vergangenen Tagen wurde ein weiteres Gerichtsverfahren bekannt, in das Erwin Müller verwickelt ist. Er wird von drei Adoptivkindern verklagt, berichtet der SWR. Es geht um viel Geld. Eine Sprecherin des Landgerichts Ulm bestätigte dem Sender, dass der Streitwert der Klage bei 500 Millionen Euro liege.

aeh