Gelingt Opel mit dem Corsa-e die neue Elektro-Offensive?

Alltagstauglich und bezahlbar: Mit dem Corsa-e startet Opel eine neue Elektro-Offensive.

Die ersten Elektroautos von Opel waren der Ampera und der Ampera-e. Doch für die breite Masse waren die beiden Pioniere der Hessen zu teuer und zu wenig alltagstauglich. Mit einem Corsa unter Strom wollen sie das jetzt ändern.

Berlin (dpa-infocom) - Mit den vom einstigen Mutterkonzern GM eingeführten Akku-Modellen Ampera und Ampera-E versuchte Opel schon vor etwa acht Jahren den Einstieg in die Elektromobilität. Doch zum wirklichen Verkaufshit wurden die beiden Stromer nicht. Nun schicken die Hessen den Corsa-e auf Aufholjagd.

Mit einem Preis von unter 30.000 Euro und einer Reichweite von über 300 Kilometern soll er Elektromobilität gleichermaßen bezahlbar und alltagstauglich machen - und Opel obendrein vor hohen CO2-Strafzahlungen retten.

Geringe Kosten trotz hohem Basispreis

Der Weg ins Stromzeitalter könnte diesmal gelingen. Zwar ist die Batteriegröße mit 50 kWh eher unter dem Durchschnitt, und in der Praxis schrumpfen die 337 Kilometer Reichweite vom Prüfstand schnell auf zwei Drittel. Doch erstens kommen die meisten auch damit sicher durch den Tag - zumal Kleinwagen in der Regel doch nur durch die Stadt surren. Und zweitens drückt das den Preis. Der ist mit 29.900 Euro zwar noch immer doppelt so hoch wie beim Basismodell. Und selbst der stärkste Benziner mit 96 kW/130 PS ist rund 8.000 Euro günstiger. Doch wer den staatlichen Bonus und die Steuervergünstigungen mit einberechnet, viel fährt und billigen Strom zapft, der kommt unter dem Strich sogar besser weg. Erst recht, weil er auch noch bei der Wartung sparen kann.

Aber nicht nur beim Kauf, sondern auch beim Fahren des Corsa lassen sich die Kosten senken und die Reichweite maximieren. So kann man etwa durch die Motorbremse Energie sparen. Ebenso kann man die Fahrprogramme wechseln und damit den Aktionsradius vergrößern. Denn je mehr Leistung und Komfortverbraucher wegschaltet werden, desto weiter kommt der Corsa. Und weil das neu ist für die meisten Opel-Kunden, werden die Optionen analysiert und auf dem Bildschirm angezeigt.

Taugt als Sportler, aber nicht als Hingucker

Dass der Stromer mit jeder Kilowattstunde geizt, zeigt aber nur eine seiner Facetten. Denn in ihm steckt auch ein veritabler Sportler. Wer nicht nachdenkt über die Reichweite und sich einfach an der spontanen Beschleunigung freut, der erlebt den Corsa mit seinen 100 kW/136 PS und 260 Nm als elektrisches Go-Kart, mit dem der Stadtverkehr endlich wieder Spaß macht. Der Schwerpunkt tief, das Fahrwerk satt und die Sprintstärke ausgeprägt - so wird der Corsa zum Champion beim Ampelspurt und zum Stürmer in jeder Tiefgarage. Nicht umsonst ist er in 2,8 Sekunden aus dem Stand auf Tempo 50. Nur vor den Toren der Stadt wird es schwer mitzuhalten. Auf der Autobahn fühlt man sich mit dem beschränkten Spitzentempo von 150 km/h bisweilen sogar ein wenig fehl am Platz.

So spannend der Antrieb und so frisch das Fahrverhalten, so gewöhnlich ist das Design. Während VW oder Honda ihre Akku-Autos zu eigenständigen Trendsettern gemacht haben, sind es beim Corsa nur die Typenschilder und die Felgen, die von außen den Unterschied erkennen lassen. Und natürlich der fehlende Auspuff. Und innen muss man noch genauer hinschauen, um den Stromer nicht mit dem Verbrenner zu verwechseln. Zumindest in der Kabine. Im Kofferraum sieht das ein bisschen anders aus. Erstens, weil der mit seinen 267 Litern schon rund 40 Liter kleiner ist als bei Benziner und Diesel. Und zweitens, weil da in der Regel noch der Koffer mit den Ladekabeln drin liegt. Der kostet zwar 720 Euro extra, wappnet die Corsa-Käufer aber fürs Nachladen. Denn darin finden sich Adapter für nahezu alle Ladebuchsen. Je nachdem, welche Säule man ansteuert, braucht der Corsa dort im besten Fall nur 30 Minuten für 80 Prozent. Und wie bei nahezu jedem E-Auto kann man das auch bei Opel mit einer App vom Smartphone aus steuern und kontrollieren.

Fazit: Alltag statt Avantgarde

Ja, man muss sich den elektrischen Corsa etwas schönrechnen, damit der Preis halbwegs konkurrenzfähig wird. Und als Langstreckenauto ist der Opel nicht unbedingt die beste Wahl. Doch in seinem Stammrevier, der Innenstadt, ist der Kleinwagen auch mit dem neuen Antrieb ebenso sportlich wie praktisch. So macht er den Umstieg auf Elektromobilität denkbar leicht. Was bislang noch Avantgarde war, wird mit ihm zum Alltag.

Datenblatt: Opel Corsa-e

Motor und Antrieb Elektro-Motor
Hubraum: 1199 ccm
Max. Leistung: 100 kW/136 PS
Max. Drehmoment: 260 Nm
Antrieb: Frontantrieb
Getriebe: Eingang-Automatik


Maße und Gewichte
Länge: 4060 mm
Breite: 1960 mm
Höhe: 1435 mm
Radstand: 2538 mm
Leergewicht: 1530 kg
Zuladung: k.A.
Kofferraumvolumen: 267 Liter


Fahrdaten:
Höchstgeschwindigkeit: 150 km/h
Beschleunigung 0-100 km/h: 8,1 s
Durchschnittsverbrauch: 14,8 kWh /100 km
Reichweite: 337 km
CO2-Emission: 0 g/km
Kraftstoff: Strom
Schadstoffklasse: k.A.
Effizienzklasse: k.A.


Kosten:
Basispreis der Modellreihe (Opel Corsa 1,2 DI): 13.990 Euro
Grundpreis des Opel Cors-e: 29.900 Euro
Typklassen: k.A.
Kfz-Steuer pro Jahr: 0 Euro


Wichtige Serienausstattung:
Sicherheit: Front-, Seiten- und Vorhangairbags, Müdigkeitserkennung, LeD-Scheinwerfer
Komfort: Klimaanlage, Zentralverriegelung, elektrische Fensterheber, Navigation


Alle Daten laut Hersteller, GDV, Schwacke