Wie wählt die Generation Merkel?

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Ihr Gesicht hat Deutschland die letzten 16 Jahre geprägt. Jetzt tritt Angela Merkel ab. Eine ganze Generation hat nur sie als Bundeskanzlerin erlebt.

Wie etwa Emil Wensel. Der Düsseldorfer hat dieses Jahr sein Abitur gemacht. Schon mit 14 Jahren ist er in die Junge Union eingetreten. Angela Merkel - für ihn eine verlässliche Regierungschefin. „Ich denke, Angela Merkel steht für Kontinuität und Stabilität. Also sie war eine Krisenkanzlerin, die von einer Krise in die andere gerutscht ist“, sagt Wensel.

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Und er sieht die CDU, die Partei, die ihm nahesteht, auch für die Zeit nach Merkel gut gerüstet: „Ich denke schon, dass Armin Laschet der Mann ist, der Deutschland in eine gute Zukunft führen kann. Wir haben einen hervorragenden Kanzlerkandidaten. Er hat in NRW gute Arbeit geleistet. Und er war der Kandidat, der auf jeden Fall das größte Bundesland regiert hat. Er hat auf jeden Fall Erfahrung und deswegen denke ich, dass er das auch im Bund gut leisten wird“, meint er.

18-29-Jährige: Union hat das Nachsehen

Die Wahlforschung hat festgestellt, dass gerade diese Generation Aufbruch und Erneuerung begrüßt. Für sie wäre es eine ganz neue Erfahrung. Politikwissenschafter Erik Flügge, der die Sozialdemokratie als sein „politische Heimat“ nennt, sagt: „Je nachdem, wer ihr jetzt nachfolgt, kann das ein sehr radikal anderes Bild von Kanzlerschaft ergeben und das wird, glaube ich, überraschend sein, insbesondere für die, die immer nur Merkel kannten.“

Ich glaube, in den letzten Jahren gab es insbesondere in Fragen der sozialen Gerechtigkeit große Probleme

Johannes Klein
Hochschulgruppe Campusgrün

Merkels Union hat laut jüngsten Umfragen bei den 18-29-Jährigen deutlich das Nachsehen - gegenüber den Grünen und selbst den Liberalen. Johannes Klein ist bei der Hochschulgruppe Campusgrün, dem Bundesverband grün-alternativer Hochschulgruppen. Er kreidet Merkel an, „junge Themen“ nicht genügend angegangen zu sein. „Ich glaube, in den letzten Jahren gab es insbesondere in Fragen der sozialen Gerechtigkeit große Probleme. Aber auch beim Klimaschutz standen die letzten Bundesregierungen krass aktiv auf der Bremse. Wir wollen einerseits eine nachhaltige Zukunft für junge Menschen und genauso stabile Renten für unsere Großeltern“, sagt Klein.

Was bleibt von Merkels Amtszeit?

Der Philosophie-Student erwartet von der neuen Regierung eine Politik, die alle Generationen im Blick hat. Angela Merkels Kanzlerschaft hingegen ist sehr bald Geschichte. Ikonische Bilder, legendäre Sätze von ihr bleiben im Gedächtnis. Was bleibt bei den jungen Leuten von Merkels Amtszeit?

„Das Internet ist Neuland. So ein paar Quoten, die sie gebracht hat. Ich würde sagen: wir sind mit ihr aufgewachsen“, meint Alex Urban. Und Fatma Sustam sagt: „Flüchtlinge, die ‚Danke Merkel‘ rufen. Das kommt mir als Erstes in den Sinn. So eine sympathische Mama-Rolle - das verbinde ich schon mit ihr.“ Alexander Lengersdorf verbindet Merkel vor allem mit dem Jahr 2015 und ihrem Ausspruch „Wir schaffen das“.

So eine sympathische Mama-Rolle - das verbinde ich schon mit ihr

Fatma Sustam

„Junge Stimmen" in der Minderheit

Angela Merkel hat sie geprägt - im positiven und negativen Sinn. Jetzt wählen auch sie ihre Nachfolge. euronews-Reporter Luis Jachmann kommentiert: „60 Millionen Deutsche sind wahlberechtigt. Mehr als zwei Drittel von ihnen befindet sich in der zweiten Lebenshälfte. Deutschland hat eine alternde Gesellschaft. Einen Einfluss hat das auch an der Wahlurne.“

Und doch könnten die Stimmen der jungen Generation gerade in diesem engen Wahlkampf Baerbock, Scholz oder Laschet die letzten fehlenden Prozente bescheren, die den Weg an die Spitze der künftigen Regierung ebnen.

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