Wissenschaftler warnen vor Schlafdefizit bei Schülern

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Vor allem Jugendliche brauchen ausreichend Schlaf. Die Realität sieht aber anders aus: Sie gehen spät ins Bett und müssen schon um acht Uhr in der Schule sein. Wie ihnen geholfen werden kann? Einige Schlafforscher plädieren für einen späteren Unterrichtsbeginn.

Jugendliche sollten mindestens acht Stunden schlafen, wollen sie in der Schule ihr volles Leistungspotenzial abrufen. (Symbolbild: Getty Images)
Jugendliche sollten mindestens acht Stunden schlafen, wollen sie in der Schule ihr volles Leistungspotenzial abrufen. (Symbolbild: Getty Images)

Gerade Jugendliche brauchen genug Schlaf, doch ausgerechnet sie schlafen weniger als nötig. Der Grund: Biologische, soziale aber auch bildungspolitische Faktoren sorgen auch hierzulande zum Schlafdefizit bei vielen Heranwachsenden. Eine Lösung des Problems wäre die Verschiebung des Schulbeginns – wofür so mancher Wissenschaftler plädiert und was in einigen Ländern schon praktiziert wird.

"Hormonelle Umstellungen während der Pubertät sorgen dafür, dass sich der Einschlafzeitpunkt von Jugendlichen nach hinten verschiebt", sagt Kerstin Hödlmoser von der Paris Lodron Universität Salzburg der österreichischen Zeitung "Standard". "Bleibt es bei sehr frühen Aufstehzeiten, ist das nicht in Einklang zu bringen mit acht bis zehn Stunden Schlaf, die man in diesem Alter eigentlich braucht."

Hilft ein späterer Unterrichtsbeginn?

Um acht Uhr spätestens müssen Schüler in Deutschland schon im Klassenzimmer sein. Für viele ist das zu früh. Weil sie nicht genug geschlafen haben, sind sie mental nicht auf der Höhe ihrer Fähigkeiten. Sie können nicht leisten, wozu sie andernfalls im Stande wären. Die Betroffenen bleiben sozusagen auf der Strecke, schreiben schlechtere Noten – was sich summa summarum auf ihren weiteren Bildungsweg auswirken kann.

Einige Länder haben das Problem erkannt. In Großbritannien, Frankreich und Finnland etwa beginnt der Unterricht erst um neun Uhr. Der US-Bundesstaat Kalifornien setzt immerhin auf ein Stufensystem, wie der "Standard" berichtet. High-School-Schüler, Schüler also der Klassenstufen neun bis zwölf, müssen erst um 8:30 Uhr auf der Matte stehen. Dagegen läutet der Schulgong in der Middle School – angesiedelt zwischen Primary School/Grundschule und High School – frühestens um acht Uhr den Unterricht ein.

Auch dieser Schüler wäre jetzt wohl viel lieber im Bett. (Symbolbild: Getty Images)
Auch dieser Schüler wäre jetzt wohl viel lieber im Bett. (Symbolbild: Getty Images)

Ausgeschlafene Menschen leben besser

An Schlafdefizit leidende Schüler können aber auch selbst etwas tun. Das sich weltweit die "Epidemie des Schlafmangels" ausbreitet, wie manche Forscher das Problem in unserer hochtechnisierten Welt nennen, liegt auch an modernen Medien wie dem Smartphone. Die strahlen blaues Licht aus, das wiederum die Produktion des Schlaf fördernden Hormons Melatonin aussetzt. Was man dagegen tun kann? Das Handy mindestens eine halbe Stunde vor dem Schlafengehen nicht mehr benutzen oder zumindest den Blaufilter am Gerät einschalten.

Denn eines ist klar: Es ist für Menschen im Allgemeinen und für Jugendliche im Besonderen wichtig, genug zu schlafen. Schlaf fördert nicht nur die mentalen und emotionalen, sondern auch die sozialen Fähigkeiten. Studien haben ergeben, dass ausgeschlafene Menschen großzügiger und hilfsbereiter sind. Und sie leben gesünder und länger. "Es hat also einen Sinn", sagt Schlafforscherin Hödlmoser, "dass wir ein Drittel unseres Lebens quasi verschlafen."

Im Video: Wissenschaftliche Untersuchung - Wie viel Schlaf braucht unser Gehirn?