Gericht: Algerier hat doch keinen„Wegezoll“ von Flüchtlingen erpresst

36-Jähriger muss sich vor dem Kölner Landgericht verantworten.

Ein algerischer Flüchtling soll seine Landsleute gezwungen haben, auf dem Weg in ihre Flüchtlingsunterkunft „Wegezoll“ zu entrichten, andernfalls habe er mit Gewalt und Repressalien gedroht.

So liest sich die Anklage, die am Mittwoch im allseitigen Einverständnis sämtlicher Prozessbeteiligten mit einem Freispruch endete. „Das war ich nicht“ , beteuerte der Angeklagte mehrfach seine Unschuld, und alle im Saal warteten gespannt auf den Belastungszeugen.

Bei der Polizei hatte der 30-jährige Syrer noch behauptet, der Angeklagte habe ihn und seine Kumpels auf dem Nachhauseweg ins Flüchtlingsheim in Buchheim mit den Worten abgepasst: „Das ist mein Weg, dafür ist eine Gebühr fällig.“ Zehn Euro habe er verlangt und gedroht: „Sonst wirst du aufgeschlitzt.“

Die Polizei gerufen

Zur Bekräftigung dieser Drohung habe er ihm einen abgebrochenen Hals einer Glasflasche mit eindeutiger Geste vor die Nase gehalten. Die Flüchtlinge hatten daraufhin die Polizei gerufen, die bei dem Angeklagten 215 amerikanische Dollar und tausend Euro in den Taschen sicherstellte. Seine monatliche Unterstützung vom Amt hatte der Angeklagte, der inzwischen in einem städtischen Hotel untergekommen ist, mit 330 Euro angegeben.

Im Zeugenstand wollte der Syrer von den belastenden Äußerungen jedoch nichts mehr wissen und erklärte, der Dolmetscher habe ihn damals falsch verstanden. „Soviel kann man gar nicht falsch verstehen“, konterte der Vorsitzende Richter. Doch der Zeuge blieb dabei: „Nein, das ist nicht so passiert.“

Zeugenaussage revidiert

Als der Syrer einen Monat später bei der Polizei erneut vernommen wurde, hatte er ebenfalls bereits zurückgerudert und seine Zeugenaussage revidiert. Schon da war von einer belastenden Aussage keine Rede mehr. „Warum sitzt der Angeklagte dann überhaupt hier?“ entfuhr es einer ehrenamtlichen Schöffin mit entgeistertem Blick.

„Weil die Staatsanwaltschaft den Fall angeklagt hat“, antwortete der Richter. Das wollte die Anklägerin so nicht stehen lassen und gab den Schwarzen Peter an den Richter zurück: „Sie hätten den Fall ja nicht eröffnen brauchen.“

Bei derart unterschiedlichen Zeugenaussagen in den Akten sei er aus Prinzip dazu verpflichtet, in einer Beweisaufnahme zu klären, was Sache ist, erwiderte der Richter. Dann war man sich schnell einig: „Er kann nach Hause gehen“, meinte der Richter, nachdem die Staatsanwältin in nur einem Satz den Freispruch gefordert hatte....Lesen Sie den ganzen Artikel bei ksta

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