Gericht verurteilt Yemenia Airways wegen Absturzes mit 152 Toten zu Geldstrafe

Gut 13 Jahre nach dem Absturz einer Passagiermaschine vor den Komoren mit 152 Toten hat ein Gericht in Paris die Fluggesellschaft Yemenia Airways zur Höchststrafe verurteilt. Die Fluggesellschaft müsse 225.000 Euro Strafe und mehr als eine Million Euro Entschädigung an zwei Opferverbände zahlen, urteilte das Gericht am Mittwoch in Paris.

Die Fluggesellschaft hatte sich nach Ansicht der Staatsanwaltschaft mitschuldig gemacht, da sie ihre Piloten nicht ausreichend ausgebildete habe. Zudem hatte sie den Nachtflug auf die Komoren beibehalten, obwohl auf dem Ziel-Flughafen mehrere Leuchtsignale ausgefallen waren.

Den Absturz im Juni 2009 hatte nur die damals zwölf Jahre alte Bahia Bakari überlebt, die mit ihrer Mutter in der Maschine war. "Ich spürte die Turbulenzen, aber niemanden schien das zu beunruhigen, also dachte ich mir, dass das normal sei", hatte sie im Mai vor Gericht ausgesagt. "Dann ging etwas wie ein Elektroschock durch meinen Körper", erinnerte sie sich. Anschließend habe sie das Bewusstsein verloren. Sie hatte sich eine ganze Nacht lang an ein Wrackteil geklammert und war am nächsten Tag von einem Boot gerettet worden.

Zu den Toten zählten auch 66 Franzosen, viele von ihnen mit komorischen Wurzeln, die - wie auch Bahia und ihre Mutter - zu traditionellen großen Hochzeitsfeiern auf dem Archipel im Indischen Ozean unterwegs gewesen waren. Mehrere Wochen nach dem Unfall waren die Flugschreiber gefunden worden, die auf eine Reihe von Pilotenfehlern deuteten. Das Gericht verurteilte die Fluggesellschaft wegen fahrlässiger Tötung und Verletzung.

Die Passagiere waren der jemenitischen Hauptstadt Sanaa in ein altersschwaches Flugzeug umgestiegen. Eine Passagiervereinigung hatte bereits Monate zuvor über den schlechten Zustand der Flugzeuge auf dieser Strecke aufmerksam gemacht. Der Unfall war laut den Experten aber nicht auf den Zustand des Flugzeugs zurückzuführen.

Die Entschädigungen für die Angehörigen der Opfer wurden in parallelen Verfahren ausgehandelt, von denen einige noch laufen. Wegen des seit 2015 geführten Krieges zwischen Regierungstruppen und schiitischen Rebellen im Jemen war kein Vertreter der Fluggesellschaft vor Gericht erschienen. Im Mai hatte erstmals seit Beginn des Konflikts wieder ein kommerzieller Flug von Yemenia Airlines in Sanaa abgehoben.

kol/yb