Geringere Energiepreise schwächen Inflation zum Jahresende etwas ab

Die Inflation in Deutschland hat sich zum Jahresende mit 8,6 Prozent abgeschwächt, ist jedoch auf einem hohen Niveau geblieben. Das Statistische Bundesamt veröffentlichte am Dienstag detaillierte Zahlen zur Teuerung für das vergangene Jahr sowie den Dezember und bestätigte dabei auch die Gesamtinflation, die 2022 im Schnitt bei 7,9 Prozent lag. Experten gehen davon aus, dass Deutschland den Höhepunkt der Inflation nun hinter sich gelassen hat.

Im Dezember schwächte sich die Teuerung im Jahresvergleich vor allem wegen der etwas geringeren Energiepreise ab, im November waren es noch 10,0 Prozent. So lag der Preisanstieg für Energie bei 24,4 Prozent im Vorjahresvergleich, nach 38,7 Prozent im November. Das lag vor allem an der Dezember-Soforthilfe des Bundes, womit für einen Teil der Privathaushalte die monatliche Abschlagszahlung für Erdgas und Fernwärme wegfiel.

Bei den Nahrungsmittelpreisen gab es hingegen keine deutliche Entspannung, diese erhöhten sich in dem Zeitraum um 20,7 Prozent. Ohne Berücksichtigung der Preise für Nahrungsmittel und Energie hätte die Inflationsrate im Dezember bei 5,2 Prozent gelegen. Die Preise für Dienstleistungen erhöhten sich mit 3,9 Prozent etwas schwächer, Nettokaltmieten wurden etwa 1,9 Prozent teurer. Im Gastgewerbe legten die Preise um 9,6 Prozent zu, Leistungen für Friseur und Körperpflege um 7,5 Prozent.

Im Vergleich zum November gingen die Verbraucherpreise im Dezember um 0,8 Prozent zurück. Vor allem die Energiepreise sanken deutlich um 11,6 Prozent.

Auf das Jahr gesehen schlugen vor allem die "extremen Preisanstiege für Energieprodukte und Nahrungsmittel" seit Beginn des Ukraine-Kriegs zu Buche, wie das Statistikamt ausführte. Die "krisen- und kriegsbedingten Sondereffekte wie Lieferengpässe und deutliche Preisanstiege auf den vorgelagerten Wirtschaftsstufen" prägten demnach das gesamte Jahr. Der höchste Wert im Jahresverlauf wurde im Oktober mit 10,4 Prozent gemessen. Abmilderungen gab es etwa in den Sommermonaten durch das Neun-Euro-Ticket und den Tankrabatt.

Energieprodukte waren 2022 im Jahresvergleich 34,7 Prozent teurer, Erdgas stieg dabei um 64,8 Prozent an. Kraftstoffe verteuerten sich um 26,8 Prozent - mit deutlichen Unterschieden bei Diesel (plus 39,6 Prozent) und Benzin (plus 21,8 Prozent). Ohne Berücksichtigung der Energiepreise hätte die Inflation 2022 nur bei 4,9 Prozent gelegen.

Die Preise für Nahrungsmittel erhöhten sich im Jahresvergleich um 13,4 Prozent, dabei waren alle Nahrungsmittelgruppen von Steigerungen betroffen. Überdurchschnittlich stark war der Anstieg bei Speisefetten und Speiseölen mit 36,2 Prozent. Auch Molkereiprodukte und Eier, Fleisch und Brot wurden deutlich teurer.

Der wissenschaftliche Direktor des Instituts für Makroökonomie und Konjunkturforschung (IMK) der Hans-Böckler-Stiftung, Sebastian Dullien, erklärte, der Höhepunkt der Inflation sei überwunden. Zwar sei im Januar und Februar noch ein leichter Zwischenanstieg möglich, "danach sollte es im Jahresverlauf im Trend aber abwärts gehen". Für das Gesamtjahr 2023 rechnet das Institut mit einer Teuerung von "leicht über fünf Prozent". Grund dafür dürften auch die beschlossenen Preisbremsen für Gas und Strom sein.

Entspannung deute sich auch bei den Lebensmittelpreisen an, fuhr Dullien fort. Auf dem Weltmarkt und im Großhandel seien die Nahrungsmittelpreise bereits gefallen und es sei damit zu rechnen, "dass in den nächsten Monaten auch der starke Preisanstieg bei den Endverbraucherpreisen in diesen Kategorien zurückgeht".

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