Geschlechtsumwandlung hinter Gittern: Robert wird als Rebecca entlassen

1992 wurde Robert Hilton für Mord zu einer lebenslänglichen Haftstrafe verurteilt. Nicht nur in Sachen technologischer Entwicklung, Medizin und Musik hat sich seitdem einiges getan, auch Hiltons Leben hat sich entscheidend verändert: 21 Jahre nach seiner Inhaftierung verlässt er die Justizvollzugsanstalt als Rebecca.


Die meisten Häftling sprechen nur ungern über ihre Erfahrungen hinter Gittern, wenn sie den Vollzug verlassen. Anders Rebecca Hilton, die sich von jeher stark von ihren Mitinsassen unterschied: Schon bei ihrer Verurteilung zur lebenslänglichen Freiheitsstrafe wusste sie, dass sie sich im falschen Körper befand. Als sie 1992 ihre Haft als Mann antrat, wusste Rebecca, dass sie eigentlich in eine Frauenvollzugsanstalt gehörte. Im Interview mit der britischen Tageszeitung "The Independent" zeigte sie sich nun ganz offen, sprach fast wehmütig über die vergangenen 21 Jahre.

Zu Zeiten ihrer männlichen Identität lernte Rebecca Hilton, damals Robert, verschiedene Gefängnisse kennen. Dort machte sie sehr unterschiedliche Erfahrungen: In manchen Anstalten war sie gezwungen, Uniform zu tragen, in manchen durfte sie sich sogar schminken. Überall war Hilton mit dem Gefühl, dem falschen Geschlecht anzugehören, nicht alleine.

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Zu Anfeindungen oder brutalen Übergriffen kam es nicht, berichtete Hilton. Obwohl es zu Beginn schon "hart" war, berichtet sie. "Einige Spinner haben sofort losgeprügelt, und keiner hat sie gestoppt. Viele machen konnte man da nicht." Sie selber habe aber meistens Glück gehabt, berichtet sie. "Es gab diejenigen, die mich als kleine Schwester betrachteten und beschützen wollten, und diejenigen, die mich als ihre Mutter wahrnahmen. Und es gab eben die Perversen, aber damit kam ich schon zurecht." Wie Rebecca Hilton im Interview weiter erzählte, waren es eher die Wärter, denen ein normaler Umgang mit ihr Probleme zu bereiten schien.

2011 war es endlich soweit: Hilton konnte sich der langersehnten Geschlechtsumwandlung unterziehen. Über Nacht wurde sie in den Frauenvollzug verlegt. Der Unterschied zwischen den jeweiligen Anstalten? Nach Hiltons Auffassung kümmern sich die Männer mehr umeinander. Bei den weiblichen Insassen hingegen sind Neid und Missgunst an der Tagesordnung.

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Inzwischen ist Rebecca Hilton wieder auf freiem Fuß, lebt in einem Hostel im britischen Maidstone, wo Ex-Insassen der Weg zurück ins Leben erleichtert werden soll. Ihre Zeit in Gefangenschaft bezeichnet sie heute manchmal als "die guten, alten Tage", immerhin hatte man dort zusammengehalten. "Draußen habe ich keine Freunde, kein Geld, ich kann nichts tun. Was hat es für einen Sinn, entlassen zu sein? Ich wäre lieber wieder im Gefängnis."











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