Gestorbener PLO-Chefunterhändler Erakat in Jericho beigesetzt

·Lesedauer: 2 Min.
Erakats Sarg
Erakats Sarg

Einen Tag nach seinem Tod ist der palästinensische Nahost-Chefunterhändler Sajeb Erakat am Mittwoch in Jericho im Westjordanland beigesetzt worden. Palästinensische Sicherheitskräfte feuerten in dem Wohnort Erakats 21 Salutschüsse ab. Zuvor gab es eine Ehrenzeremonie am Sitz der Palästinenserverwaltung in Ramallah, an der auch Palästinenserpräsident Mahmud Abbas teilnahm. UN-Generalsekretär António Guterres forderte, die Verhandlungen über eine "gerechte und nachhaltige Zwei-Staaten-Lösung" des Nahost-Konflikts müssten wieder aufgenommen werden.

Erakat war am Vortag im Alter von 65 Jahren infolge einer Corona-Infektion in einem Jerusalemer Krankenhaus gestorben. Der mit einer palästinensischen Flagge geschmückte Sarg mit dem Leichnam wurde zunächst nach Ramallah im Westjordanland gebracht. Die Trauerfeier für Erakat fiel mit dem 16. Jahrestag des Todes des langjährigen Palästinenserführers Jassir Arafat zusammen. Der palästinensische Außenminister Rijad Al-Maliki bezeichnete Erakat als "Verkörperung der palästinensischen Sache".

Die palästinensische Nahost-Expertin Nur Odeh sagte der Nachrichtenagentur AFP, Erakat habe immer daran geglaubt, dass es im Nahen Osten Frieden geben könne. "Wie alle Palästinenser" hätte er sich nach ihrer Einschätzung darüber gefreut, dass der derzeitige US-Präsident Donald Trump "das Weiße Haus verlassen muss". Mit Trumps Nachfolger Joe Biden sei von den USA "mehr Ausgewogenheit" zu erwarten. 

Trump hatte Jerusalem als Hauptstadt Israels anerkannt und die israelische Besiedlung des Westjordanlands unterstützt. Biden hatte in Aussicht gestellt, die von Trump gestoppten Finanzhilfen für die Palästinenser wiederaufzunehmen.

Erakat war über Jahrzehnte eine Schlüsselfigur in der palästinensischen Politik. Seit 1991 war er Mitglied in beinahe jedem palästinensischen Verhandlungsteam mit Israel. Abbas erklärte zu seinem Tod, mit Erakat sei ein "Bruder und Freund, ein großer Kämpfer" gegangen, und rief eine dreitägige Staatstrauer aus.

Auch aus Israel kamen Beileidsbekundungen. Die ehemalige Außenministerin Zipi Livni schrieb, Erakat habe häufig über sich gesagt, es sei seine "Bestimmung", Frieden zu erreichen. Er habe sein Leben "seinem Volk gewidmet". Der israelische Ministerpräsident Benjamin Netanjahu wollte sich nicht zum Tod Erakats äußern.

In seinen Positionen als Chefunterhändler und Generalsekretär der PLO galt Erakat als erster Ansprechpartner für ausländische Gesandte und internationale Medien. In jüngster Zeit hatte er die Normalisierung der Beziehungen zwischen Israel und mehreren arabischen Golfstaaten ohne vorherige Beilegung des Nahost-Konfliktes kritisiert.

Erakat war Mitte Oktober mit einer Covid-19-Erkrankung ins Jerusalemer Hadassah-Krankenhaus eingeliefert worden. Drei Jahre zuvor war bei ihm eine Lungentransplantation vorgenommen worden, weshalb er als Risikopatient galt.

ao/ju