Getreide-Abkommen erntet viel Lob, streut aber auch Skepsis

Die in Istanbul erzielte Einigung auf eine ungehinderte Verschiffung von Getreide aus drei ukrainischen Schwarzmeerhäfen steht ab sofort auf dem Prüfstand. Federführend waren die Vereinten Nationen vor dem Hintergrund drohender Hungersnöte in ärmeren Ländern. Doch Skepsis bleibt.

undefined

Nikolai Petrov ist Senior-Analyst für das Russland- und Eurasien-Programm des Thinktanks Chatham House: "Ich denke, dass das Abkommen im Allgemeinen sehr zerbrechlich ist, es kann jederzeit in der Zukunft aus verschiedenen Gründen zerbrechen, oder Russland kann es stoppen, indem es bestimmte Dinge als Vorwand benutzt. Russland hat die Aufhebung oder Abschwächung bestimmter Sanktionen gefordert. Bis jetzt kennen wir die genauen Details dieses Deals nicht, aber es ist verständlich, dass die russische Führung nicht daran interessiert ist, dieses Getreide rausgehen zu lassen, ohne im Gegenzug etwas Ernsthaftes zu bekommen."

Trotz Getreide-Abkommen: Russland beschießt Hafen von Odessa

"Es kann Provokationen geben"

Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj lobte den Abschluss der Vereinbarung, bleibt aber skeptisch gegenüber Moskau und fordert von den Vereinten Nationen Garantien: "Dies ist ein weiterer Beweis dafür, dass die Ukraine in diesem Krieg standhalten kann. Am wichtigsten ist, dass unser Land alles in den Hoheitsgewässern der Ukraine kontrollieren muss. Es ist jedem klar, dass es Provokationen seitens Russlands und Versuche geben kann, die ukrainischen und internationalen Bemühungen zu diskreditieren, aber wir vertrauen jetzt den Vereinten Nationen. Es ist ihre Verantwortung und die unserer internationalen Partner, die Einhaltung der Vereinbarungen zu gewährleisten."

"Künstliche Versuche des Westens"

Auch der russische Außenminister Sergej Lawrow zeigte sich mit dem Abschluss des Istanbuler Abkommens zufrieden, das den Export von rund 22 Millionen Tonen Getreide sicherstellen soll: "Die Unterzeichnung des UN-Russland-Memorandums zeigt einmal mehr, wie künstlich die Versuche des Westens sind, die Schuld für die Probleme auf dem Weltmarkt für Getreide auf Russland abzuwälzen."

undefined

Die Präsidenten Südafrikas und der Elfenbeinküste, Cyril Ramaphosa und Alassane Ouattara, zeigten sich bei einer Zusammenkunft in Pretoria erleichtert. Ouattara hofft, dass ein Großteil des ukrainischen Getreides nach Afrika verschifft wird.

VIDEO: Getreide-Abkommen: Lob und Skepsis

Wir möchten einen sicheren und ansprechenden Ort für Nutzer schaffen, an dem sie sich über ihre Interessen und Hobbys austauschen können. Zur Verbesserung der Community-Erfahrung deaktivieren wir vorübergehend das Kommentieren von Artikeln.