Gewalt gegen Frauen: Proteste nach Mord an Kuwaiterin

Moritz Piehler
·Freier Autor
·Lesedauer: 3 Min.
Demonstrantinnen in Kuwait fordern eine Ende der Gewalt gegen Frauen. (Bild: REUTERS/Stephanie McGehee)
Demonstrantinnen in Kuwait fordern eine Ende der Gewalt gegen Frauen. (Bild: REUTERS/Stephanie McGehee)

Der Mord an einer kuwaitischen Frau durch einen männlichen Verfolger heizt die Debatte um Femizide in dem Emirat an. Die Forderungen nach einem besseren Schutz für Frauen werden lauter.

Die Familie hatte die Institutionen zuvor benachrichtigt, weil sie fürchteten, sie könne in Gefahr sein. Doch die zuständigen kuwaitischen Behörden blieben untätig und verhinderten die Ermordung von Farah Akbar nicht. Ein Video ihrer trauernden Schwester Dana ging nun viral und sorgte landesweit für Empörung. In dem Video ist zu hören wie Dana Akbar die Behörden anklagt: "Wir haben euch gesagt, dass er sie umbringen wird. Und er hat meine Schwester ermordet. Wo ist die Regierung?"  

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Wie die BBC berichtete, wurde Farah Hamza Akbar aus ihrem Auto entführt. Ihre kleine Tochter und ihre Nichte seien ebenfalls in dem Fahrzeug gewesen, wie das Innenministerium bestätigte. Der Entführer ließ die junge Frau nach der Tat vor einem Krankenhaus zurück, wo sie an ihren Verletzungen verstarb. Wie die Familie berichtete, kannten sie den Mann nicht, hatten sich aber an die Behörden gewandt, weil er Farah nachgestellt und sie belästigt hatte. Laut Al Jazeera, hatte ihre Familie seine unaufgeforderten Heiratsanträge abgelehnt und ihn angezeigt. Doch die Beschwerden wegen Belästigung hatten kaum Folgen für den Mann. Er wurde befragt und umgehend auf Kaution frei gelassen.

"Ich werde nicht still sein"

Kurz danach tötete er Farah. Wenige Stunden nach der Tat wurde er festgenommen und gestand, das Opfer mehrfach mit einem Messer in die Brust gestochen zu haben. Er wurde wegen Mordes angeklagt, was in Kuwait bei einer Verurteilung mit dem Tod bestraft werden kann. Doch die schnelle Festnahme beruhigte die Gemüter nicht, denn dies ist bei Weitem kein Einzelfall. Unter dem arabisch-sprachigen Hashtag "Ich werde nicht still sein" fordern Familien schon seit Langem Gerechtigkeit für ihre ermordeten Angehörigen. Auch Dana postete unter dem Hashtag #Lan_Asket Fotos ihrer Schwester. Sie schrieb dazu: "Ich werde nicht still sein oder mich beruhigen bis diejenigen exekutiert sind, die meine Schwester umgebracht haben." 

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Nach dem Mord strömten Demonstranten auf den Irada-Platz im Zentrum der Hauptstadt. Der Platz ist zum Symbol für den Kampf gegen Gewalt gegen Frauen geworden. Dort hatte ein anderes Gewaltopfer, Fatima al-Ajami, als Wächterin gearbeitet, bevor sie im Dezember von ihrem Bruder ermordet wurde.

Milde Strafen für Täter

Die Anzahl der ermordeten Frauen hatte immer wieder für Forderungen nach einer veränderten Gesetzeslage gesorgt. Unter dem Hashtag hatten unzählige Frauen von Belästigungen und Bedrohungen in ihrem Alltag berichtet. Im September des vergangenen Jahres wurde zumindest ein Gesetz zu häuslicher Gewalt verabschiedet, das als ein Schritt in die richtige Richtung gesehen wurde. Darin enthalten sind die Einrichtung von Frauenhäusern und die Einführung von Verfügungen und Kontaktverboten gegen Täter. 

Bisher kommen wegen der speziellen Gesetzeslage in Kuwait männliche Täter selbst nach Morden an Frauen oft mit relativ milden Strafen davon. Oft stoßen Frauen zudem bei den Behörden auf Unverständnis und Ablehnung, wenn sie die Taten anzeigen wollen. Das gilt besonders für marginalisierte Gruppen wie staatenlose Nomaden oder die ausländischen Haushaltshilfen, die noch weniger durch den Staat geschützt werden.

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