Gewalt bei Protesten in mehreren irakischen Städten gegen die Regierung

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Proteste in Basra
Proteste in Basra

Bei Protesten gegen die Regierung hat es am Sonntag in mehreren irakischen Städten gewaltsame Zusammenstöße zwischen Demonstranten und Sicherheitskräften gegeben. Wie Korrespondenten der Nachrichtenagentur AFP berichteten, feuerten Polizisten und Soldaten in der Stadt Basra im Süden des Landes in die Luft, um rund 500 Steine werfenden Demonstranten auseinanderzutreiben. 

In der Hauptstadt Bagdad gab es kurzzeitig Zusammenstöße zwischen Sicherheitskräften und mehreren hundert jungen Demonstranten, die sich auf dem Tahrir-Platz versammelt hatten. Kurz zuvor hatten die Behörden ein seit einem Jahr bestehendes Protestcamp von Regierungsgegnern aufgelöst. Tags drauf wurde es bereits wieder aufgebaut.

In der Stadt Hilla südlich von Bagdad demonstrierten am Sonntag hunderte Studenten mit Transparenten gegen die Ermordung und Entführung von Aktivisten in den vergangenen Monaten. "Wir bleiben hier wegen des Blutes unserer Märtyrer und der Liebe zu unserem Land", begründete die Studentin Abrar Ahmed ihre Teilnahme an dem Protest. "Das ist unsere Revolution und wir müssen sie fortsetzen, da noch keine unserer Forderungen erfüllt wurde."

Auch in der Stadt Kut demonstrierten Dutzende Menschen gegen tödliche Gewalt gegen Demonstranten. In den vergangenen Tagen waren dort zwei Regierungsgegner getötet worden. Im südirakischen Nasirijah zündeten Demonstranten auf einer Hauptstraße Autoreifen an, um gegen Massenarbeitslosigkeit und die schlechte Versorgungslage im Irak zu demonstrieren.

In Bagdad und im schiitisch dominierten Süden des Irak waren am 25. Oktober 2019 Proteste gegen die anhaltenden Missstände in dem Krisenland ausgebrochen. Die Demonstranten forderten Jobs, eine funktionierende Grundversorgung, ein Ende der Korruption und die Ablösung der Herrschenden. Die Tötung von Protestteilnehmern blieb bis heute in den meisten Fällen ungestraft.

Vor einer Woche erinnerten tausende Demonstranten mit Kundgebungen an den Jahrestag dieser "Oktober-Revolution". Die Regierung stellte mit einem Großaufgebot an Sicherheitskräften aber schnell wieder Ruhe her.

Trotz seines Ölreichtums leidet der Irak unter chronischen Engpässen bei der Strom- und Trinkwasserversorgung. Die Corona-Pandemie und fallende Ölpreise verschlimmerten die Lage weiter. Schätzungen zufolge dürfte der Anteil der Armen an der Bevölkerung dieses Jahr auf 40 Prozent steigen.

yb