Gewaltexzess in Köln vor Gericht: Täter filmte Schlägerei mit Handy

Der Kölner drohte ebenfalls mit einer Bombenattrappe.

Drei Minuten und 22 Sekunden, die dem Betrachter endlos vorkommen. Exakt so lange hat ein Handybesitzer mit seinem Smartphone eine Schlägerei gefilmt. Das Video zeigt, wie zwei betrunkene Männer (26, 29), der eine stark blutend, auf einen älteren Mann (44) losgehen. Ihn attackieren, bis er am Boden liegt, um weiter zuzuschlagen und zuzutreten.

Es ist wohl dem Alkoholpegel der Angreifer und einer Portion Glück geschuldet, dass dem Opfer außer Schmerzen keine nennenswerten Verletzungen zugefügt wurden.

Schläger bereuen ihr Verhalten

Während die beiden Schläger am Mittwoch wegen gefährlicher Körperverletzung von offensichtlicher Scham und Reue gekennzeichnet auf der Anklagebank saßen, fehlte der Dritte im Bunde.

Der 25-Jährige, der das Geschehen gefilmt hatte, hatte sich in seine griechische Heimat abgesetzt. Ihm warf die Anklage unterlassene Hilfeleistung vor. „Er hätte dem Opfer zur Hilfe eilen oder wenigstens die Polizei rufen können“, sagte der Ankläger im Prozess und setzte hinzu: „Er hat bei einem Unglücksfall nicht Hilfe geleistet, obwohl dies erforderlich und ihm den Umständen nach zuzumuten und insbesondere ohne erhebliche eigene Gefahr und ohne Verletzung anderer wichtiger Pflichten möglich war.“

Dokument sinnloser Pöbelei

Stattdessen hatte er ein mehrere Minuten andauerndes Dokument sinnloser Pöbelei und roher Gewalt auf seinem Handy, wollte es gerade löschen, als die Polizei erschien und das Mobiltelefon konfiszierte. Ein anonymer Anrufer hatte die Prügelei in unmittelbarer Nähe des Krankenhauses Weyertal beobachtet und die Beamten alarmiert.

Weil einer der Schläger schon vorher – woher, konnte im Prozess nicht geklärt werden – eine stark blutende Kopfverletzung hatte, war das Trio ursprünglich auf dem Weg ins Krankenhaus gewesen, als es auf den Obdachlosen stieß und sich mit ihm anlegte.

Video entscheidendes Beweismittel

Das Video war denn auch das entscheidende Beweismittel im Prozess, weil die beiden Angeklagten aufgrund ihrer damaligen Alkoholisierung sich auf Erinnerungslücken beriefen. „Wie peinlich“, entfuhr es einem der Angeklagten, als die Richterin das Video zeigte.

„Das war nicht so harmlos, sondern unschön und erniedrigend“, kommentierte die Richterin das Gesehene. „Aber es gibt bezüglich der Verwerflichkeit der Tat auch schlimmere Fälle der gefährlichen Körperverletzung“, ergänzte sie und schlug eine Verfahrenseinstellung gegen Zahlung eines Schmerzensgeldes vor.

Strafe zahlen oder Sozialstunden leisten

Der arbeitslose ältere Angeklagte muss jetzt 300 Sozialstunden leisten, weil bei ihm finanziell nichts zu holen ist. Sein Kumpel muss 300 Euro an das Opfer zahlen. Unter dieser Voraussetzung wurden die Akten gegen das Duo ohne Urteil geschlossen.

Verurteilt in Abwesenheit wurde jedoch der Dritte im Bunde, der gefilmt hatte. Gegen ihn wurde ein Strafbefehl über 600 Euro (60 Tagessätze zu je zehn Euro) verhängt, gegen den er allerdings noch Einspruch einlegen kann....Lesen Sie den ganzen Artikel bei ksta

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