14-Jähriger in Baden-Württemberg verprügelt - Mutter von Prügelopfer: Nach Berichterstattung findet Sohn wieder in Alltag zurück

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Die Prügelattacke von Markdorf hat eine Welle der Empörung ausgelöst. Drei Jugendliche schlugen brutal auf ihren 14-jährigen Mitschüler Mark (Name geändert) ein und filmten die Tat. Im Gespräch mit FOCUS online erzählt jetzt die Mutter des Opfers, wie es zu der Tat kam, was über die Täter bekannt ist und warum ihr Sohn immer noch Angst haben muss.

Update: Nach der Berichterstattung über den Fall, unter anderem auf FOCUS online, hat sich die Mutter des Jungen bei dem Anti-Gewaltexperten Carsten Stahl gemeldet. Sie dankte ihm für seine Unterstützung und gab an, dass der mediale Druck die Situation für ihren Sohn verbessert habe. Sie schreibt unter anderem:

„Wenn ich zurückdenke, es war im Juni 2024, als Mark von Mitschülern auf brutalste Weise zusammengeschlagen wurde. Der Vorfall hat körperliche und seelische Narben hinterlassen, die bis heute schmerzen. Er leidet unter Schlafstörungen und Panikattacken. Die Schuldigen durften die Schule unbeirrt weiter besuchen, während Mark mit der Angst leben musste, ihnen wieder zu begegnen. Es war ein Zustand, den kein Kind jemals erleben sollte und das, während die Schule tatenlos daneben stand,

Gefangen in dieser bedrückenden Situation suchte ich Hilfe bei der Schule und beim Klassenlehrer. Doch die unverfrorene Reaktion war, dass Mark doch bitte zur Schule zurückkehren sollte, um seine Versetzung nicht zu gefährden. Gleichzeitig wurde mir gesagt, dass gegen die Täter nichts unternommen wird und dass ein Schulverweis nicht zur Debatte steht.

Dem Schmerz meines Sohnes und meinem Gefühl von Machtlosigkeit wurde erst ein Ende gesetzt, als Sie sich einschalteten.   Plötzlich zeigte sich Bewegung, die Täter wurden von der Schule verwiesen, Mark erhielt Unterstützung von der Schulleitung und konnte langsam seinen Weg zurück in die Normalität finden.

Mit großer Bestürzung beobachte ich jedoch immer häufiger, dass andere Schulen genau gleich verhalten und wegschauen, und dass sich Eltern oft nicht trauen, sich für ihre Kinder einzusetzen. Sie glauben, sie wären allein.

Lassen Sie mich hier hervorheben, liebe Mitstreiter, dass Sie eben nicht allein sind.   Trauen Sie sich, setzen Sie sich für Ihre Kinder ein! Helfende Hände sind vorhanden und eine davon gehört Herrn Stahl.“

Lesen Sie hier das Interview mit der Mutter aus dem Juni:

FOCUS online: Frau S., am 6. Juni wurde Ihr Sohn in Markdorf von mehreren Jugendlichen zusammengeschlagen. Wie haben Sie von der Tat erfahren?

Ich bekam einen verstörten Anruf von meinem Sohn und bin natürlich sofort zu ihm gefahren. Die Polizei war bereits vor Ort, die hatte er zum Glück geistesgegenwärtig alarmiert. Die Täter sind daraufhin abgehauen. Mein Sohn war extrem fertig. Sein Gesicht hat geblutet , er war einfach in einem totalen Schockzustand. Es war für mich unerträglich, ihn so zu sehen.

Perfide Schläger: Sie schwänzten die Schule, um Opfer aufzulauern

Die Tat wurde von den Jugendlichen gefilmt. Wie ging es Ihnen, als Sie das Video zum ersten Mal gesehen haben?

Mein Sohn hat mir das Video noch am Abend der Tat zugeschickt. Er hat mir gesagt: „Mama, reg dich nicht zu sehr auf, nicht weinen“. Aber natürlich habe ich geweint. Wenn eine Mutter so etwas sieht, zerreißt es ihr das Herz. Ich habe gesehen, wie mein Sohn die Schläge wie gelähmt hat über sich ergehen lassen. Er konnte sich nicht wehren. Natürlich hat man da erst einmal eine wahnsinnige Wut im Bauch.

Wie kam es denn überhaupt zu der Tat?

Die Täter sind Mitschüler meines Sohnes. An dem Tag hatte mein Sohn bereits nach der fünften Stunde Schulschluss und war auf dem Weg zu meinen Eltern. Die besagten Jungs hätten eigentlich länger Schule gehabt, haben aber die sechste Stunde extra geschwänzt, um ihm nachzugehen. Die Tat war also auf jeden Fall geplant.

Welchen Grund hatten die Täter denn, ihren Sohn zu attackieren?

Ganz klar: Keinen. Auf dem Video hört man, wie der eine Junge sagt, mein Sohn habe seinen Großvater einen Hurensohn genannt. Das würde mein Sohn niemals tun. Er hat selbst ein gutes Verhältnis zu seinen Großeltern. Und selbst wenn: Das rechtfertigt so eine furchtbare Gewalttat natürlich überhaupt nicht. Mit einem der anderen Jungs hatte er vor zwei Jahren mal eine Auseinandersetzung, die aber auch schon längst geklärt war.

Ich glaube, diese Jungs suchen sich einfach irgendwelche nichtigen Gründe, um zuzuschlagen. Das ist gerade in Mode, sie filmen die Tat und fühlen sich cool, stark und überlegen.

„Es ist ja nicht in der Schule passiert“

Was wissen Sie noch über die Täter?

Die Attacke auf meinem Sohn ist längst kein Einzelfall. Diese Gruppe ist in der Schule für ihre Gewaltexzesse bekannt, einer der Jungs ist sogar vorbestraft. Zwei sind bis zur siebten mit meinem Sohn zusammen in eine Klasse gegangen. Der ist dann in den Realschulzweig gewechselt, diese Jungs in den Hauptschulzweig. Dort haben sie sich dann zusammengetan und schikanieren und bedrohen seitdem andere Schüler. Eine Woche nach der Tat hat zum Beispiel einer aus dieser Gruppe erneut ein Mädchen geschlagen. Da fragt man sich schon, warum die Schule nicht eingreift.

Die Schule hat bisher keine Maßnahmen ergriffen?

Anfangs nicht. Ich habe immer nur gehört: „Es ist ja nicht in der Schule passiert". Ich fand das lächerlich. Erstens war mein Sohn noch auf dem Schulweg nach Hause und zweitens hätten die Täter ja eigentlich noch in der Schule sein müssen. Erst nachdem der Fall an die Presse gelangt ist, wurden die drei Täter, die zugeschlagen haben, von der Schule verwiesen. Allerdings nur für wenige Wochen, der eine durfte sogar nach drei Tagen wieder in die Schule!

Die Täter sind also nach wie vor auf der Schule?

Ganz genau. Erst gestern ist mein Sohn für einen Test wieder kurz in seine Klasse zurückgekehrt. Ich habe dann einen Anruf von ihm bekommen: „Mama, die Jungs sind wieder da!“. Drei von Ihnen haben auf dem Schulgelände herumgelungert und ihm wieder gedroht: „Das geschieht dir recht, wenn du nicht aufpasst, kriegst du bald wieder eins in die Fresse“. Ich kann überhaupt nicht verstehen, warum diese Gruppe nicht komplett von der Schule verwiesen wird.

„Diese Jungs werden weitermachen“

Wie geht es Ihrem Sohn mit der Situation?

Er ist verängstigt und traumatisiert und hat natürlich große Angst, das Schulgebäude wieder zu betreten. Nach dem Erlebnis gestern ist er zu Hause zusammengebrochen. Mit 14 sind die Jugendlichen generell in einem schwierigen Alter, die Pubertät, der Schulstress und manchmal auch Streitereien mit den Eltern. Wenn dann auch noch so ein extremes Mobbing hinzukommt, ist das einfach zu viel. Ich werde mit ihm nun zum Kinderpsychologen gehen.

Welche Konsequenzen fordern Sie für die Täter?

Ich bin bereits mit einem Anwalt in Kontakt. Ich werde auf Schmerzensgeld klagen und erwirken, dass diese Personen sich meinem Sohn in der Schule nicht mehr nähern dürfen. Aber natürlich hoffe ich doch noch auf einen kompletten Schulverweis. Denn diese Jungs werden weitermachen, da bin ich sicher. Die haben ihre Tat überhaupt nicht reflektiert. Ein Lernprozess hat da lange noch nicht stattgefunden.