Gewerkschaft GEW fordert Notbremse gegen dramatischen Lehrermangel

Die Bildungsgewerkschaft GEW hat angesichts des dramatischen Lehrermangels deutliche Veränderungen bei der Ausbildung gefordert. "Wenn nicht die Notbremse gezogen wird, steuert Deutschland auf einen Bildungsnotstand zu", erklärte die GEW-Vorsitzende Marlis Tepe am Donnerstag in Frankfurt am Main. Die GEW legte ein Zehn-Punkte-Programm gegen den Lehrkräftemangel vor, der unter anderem die gleiche Bezahlung von Lehrern an Grundschulen und Gymnasien sowie eine bessere Förderung von Quereinsteigern vorsieht.

Der Lehrermangel ist auch Thema der Kultusministerkonferenz (KMK), die sei Donnerstag in Berlin tagt. Die Kultusminister rechnen den Zeitungen des Redaktionsnetzwerks Deutschland zufolge bis zum Jahr 2030 mit einem durchschnittlichen Einstellungsbedarf von knapp 32.000 Lehrern pro Jahr. Dem stünden jedoch nicht ausreichend Bewerber gegenüber. Damit drohten jedes Jahr hunderte Lehrerstellen unbesetzt zu bleiben.

Tepe zufolge ist die aktuelle Krise im Wesentlichen hausgemacht. "Die Länder haben es in den vergangenen Jahren versäumt, ausreichend Lehrkräfte auszubilden, obwohl die Pensionierungszahlen und die steigende Geburtenrate teils lange bekannt sind", erklärte die GEW-Vorsitzende. Sie forderte eine Korrektur der Ausbildung. Während zu viele Gymnasiallehrer ausgebildet worden seien, gebe es an Grund-, Berufs-, Förder- und Sonderschulen sowie insbesondere in den östlichen Bundesländern einen gravierenden Lehrkräftemangel.

"Zudem müssen sich alle Bundesländer endlich dazu durchringen, Lehrkräfte an Grundschulen genauso zu bezahlen wie an Gymnasien", forderte Tepe. Auch müssten Quer- und Seiteneinsteiger bestmöglich qualifiziert werden, weil sie in der Regel keine pädagogischen Kompetenzen mitbrächten. Von den Ländern will die GEW eine Aufstockung der Studienplätze und eine Abschaffung des Numerus Clausus, wobei der Bedarf bestimmter Fächerkombinationen zu berücksichtigen sei.