Gewerkschaften und Fluglinien sehen Zwei-Personen-Regel in Cockpits kritisch

Piloten in einem Cockpit

Zum zweiten Jahrestag des Germanwings-Absturzes hat die Pilotengewerkschaft Cockpit die Rücknahme einer Sicherheitsvorschrift gefordert, die nach dem Unglück eingeführt wurde. Im Mitteldeutschen Rundfunk (MDR) kritisierte Gewerkschaftssprecher Markus Wahl am Freitag die geltende Zwei-Personen-Regel für Cockpits. Sie sei aus Sicherheitsgründen bedenklich.

Die Flugbegleitergewerkschaft UFO bewertete die Regelung im Magazin "Focus" ebenfalls kritisch. Sie sei eine "reine Showveranstaltung", die nur dazu diene, die Öffentlichkeit zu beruhigen. Die Fluglinien hätten unter anderem gar nicht ernsthaft versucht, Flugbegleiter dafür zu schulen.

Laut "Focus" rücken inzwischen auch mehrere Fluggesellschaften wieder von der Vorgabe ab. Die Zwei-Personen-Regel werde "aktuell geprüft und bewertet", sagte ein Sprecher der Lufthansa dem Magazin. Es sei allerdings noch keine Entscheidung gefallen. Demnach prüfen auch die Unternehmen Air Berlin, Condor und Tuifly die Vorgabe inzwischen neu.

Vor zwei Jahren hatte der offenbar unter Depressionen leidende Copilot Andreas Lubitz einen Germanwings-Flug absichtlich in die Berge in den französischen Alpen gesteuert. Alle 150 Menschen an Bord starben. Der Opfer wird am Freitag unter anderem nahe der Absturzstelle in Frankreich gedacht. Lubitz hatte die Kabinentür von innen verriegelt, als er allein im Cockpit war. Andere Besatzungsmitglieder konnten nicht mehr hinein.

Nach dem Unglück hatten Fluggesellschaften daher angeordnet, dass sich grundsätzlich jederzeit zwei Crewmitglieder im Cockpit aufhalten müssen. Wenn einer der Piloten den Bereich verlässt, muss zeitweise ein Flugbegleiter an seiner Stelle dort Platz nehmen.

Einerseits sei Fliegen dadurch etwas sicherer geworden, sagte Cockpit-Sprecher Wahl in der MDR-Sendung "Aktuell". Andererseits werde beim Personaltausch die Cockpittür nun aber viel häufiger und mit Ankündigung geöffnet. Das berge neue Sicherheitsrisiken.

"Es ist sicherlich richtig: Zwei Mann im Cockpit sind immer sicherer als einer", sagte der Gewerkschafter. "Wenn ich mir dadurch auf der anderen Seite - durch das ständige Rein und Raus, Tür-auf-Tür-zu - ein Risiko erkaufe, dass das Cockpit gestürmt wird, muss man beides gegeneinander abwägen." Er würde sich angesichts dessen "dafür entscheiden, dass diese Maßnahme abgeschafft wird - einfach, um die gesamte Sicherheit zu erhöhen."

Wahl beklagt zudem, dass kurz vor Beginn der gesetzlich vorgeschriebenen Alkohol- und Drogenkontrollen für Piloten Details der Tests noch unklar seien. Die Tests sollten zwar ab Mitte beziehungsweise Ende April umgesetzt werden. Zuständigkeiten und Abläufe seien aber noch immer geklärt. "Röhrchen, Urinprobe, Pusten - das ist gerade der Gegenstand von Diskussionen, muss aber jetzt zügig gelöst werden", forderte Wahl.

Grundsätzlich lasse sich aber feststellen, dass ein Unglück wie vor zwei Jahren deutlich unwahrscheinlicher geworden sei, sagte Wahl. Seither seien viele gute Maßnahmen ergriffen worden. Als Beispiel nannte der Gewerkschaftssprecher die erweiterten psychologischen Tests bei der Einstellung sowie Hilfsprogramme für Piloten.

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