Hier gibt's das meiste Geld - Kindergeld-Vergleich: Wie viel Geld gibt es in anderen EU-Ländern?

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Ein Kindergeld-Vergleich in Europa zeigt, wie stark die Höhe des Kindergeldes variiert. In ganz Europa gibt es erhebliche Unterschiede bei der Berechnung und ein starkes Gefälle bei den Zuwendungen.

Erhebliche Unterschiede in den Sozialsystemen der einzelnen Länder verhindern einen effektiven Vergleich der Kindergeldsituation. Die Höhe des Kindergeldes hängt oft von verschiedenen Faktoren ab, wie zum Beispiel dem Einkommen, der Steuerklasse der Eltern oder dem Familienstand.

Es gibt Länder in Europa, die ein höheres Kindergeld pro Kind zahlen. Andere hingegen zahlen gestaffelte Beträge je nach Anzahl der Kinder oder deren Alter. Auch die Berücksichtigung von Mehrkinderfamilien und speziellen Zuschlägen für bestimmte Situationen weichen massiv voneinander ab.

Kindergeld-Vergleich Europa

In Deutschland erhalten Familien pro Kind und Monat 250 Euro Kindergeld und liegen damit auf Platz zwei im europäischen Vergleich (Stand Juni 2024). Ab Januar 2025 erhöht sich der Betrag um fünf Euro auf 255 Euro monatlich.

Großzügige Regelungen im Norden Europas

Die nordischen Länder haben sich eine dienstleistungsorientierte Familienpolitik zur Aufgabe gemacht. Sie unterstützen Familien, damit sich Kinder nicht auf eine Erwerbstätigkeit oder den Lebensstandard der Eltern auswirken. Seit den 1960er Jahren fördert Nordeuropa die Frauenerwerbstätigkeit. Umfassende Angebote zur Kinderbetreuung sind ebenso selbstverständlich wie finanzielle Zuwendungen.

  • Die Norwegen unterscheiden zwischen Kindern im Alter von 0-5 und von 6–17 Jahren. Für Kinder von 0-5 gibt es circa 147,99 € normales Kindergeld, als alleiniger Versorger erhöht sich dieser Betrag um 93,07 €. Ab dem sechsten Lebensjahr beträgt das normale Kindergeld 93,07 €. Am zusätzlichen Kindergeld für Alleinversorger ändert sich nichts.

  • Schweden zahlt ab der Geburt bis zum 16. Lebensjahr des Kindes Kindergeld in Höhe von etwa 111,38 € monatlich. Danach erhalten Eltern ein verlängertes Kindergeld bis zum 20. Lebensjahr des Kindes, vorausgesetzt, das Kind besucht weiterhin die Schule. Besondere Zulagen gibt es für große Familien. Ab dem zweiten Kind steigt das monatliche Kindergeld schrittweise an. Eine Familie mit fünf Kindern bekäme demnach im Juli 2024 Kindergeld in Höhe von umgerechnet 1.680,66 € plus 877,65 € Mehrkinderzuschlag und somit auf Familienzulagen in Höhe von 2.558,31 € gesamt. Im Gegensatz zu anderen Ländern muss das Kindergeld in Schweden versteuert werden.

  • Dänemark zahlt einen sogenannten Kinderscheck aus. Eltern erhalten Kinder- und Jugendgeld bis zum vollendeten 18. Lebensjahr ihres Nachwuchses. Auch in Dänemark sind die Beträge gestaffelt und richten sich nach dem Alter. Für Kinder bis zum zweiten Lebensjahr erhalten Dänen in etwa 635,50 € pro Quartal. Vom dritten bis zum sechsten Lebensjahr verringert sich der Betrag auf etwa 510 € im Quartal. Ab dem siebten Lebensjahr bleibt er konstant bei 395,67 € pro Quartal, wobei er ab dem 15. Lebensjahr monatlich mit 131,89 € ausgezahlt wird. Allerdings erhalten Dänen diese Leistungen nur, wenn das Einkommen der Eltern umgerechnet unter 114.161 € liegt.

  • Die Höhe des Kindergeldes in Finnland richtet sich nach der persönlichen Situation der Eltern. Hierzu werden Einkünfte und Ausgaben berechnet und festgestellt, welchen Hilfebedarf die Familie hat. Je nach Wohnort unterscheiden sich die Zahlungen. Fest steht aber in ganz Finnland: Leistungen werden monatlich von Geburt an bis zum vollendeten 17. Lebensjahr des Kindes ausgezahlt. Sie sind umfangreich und umfassen neben Kindergeld auch Zahlungen für Mutterschutz, spezielle Elternbeihilfen, ein Kinderbetreuungsgeld sowie Unterstützung im Krankheitsfall.

Große Unterschiede im Westen

Die Unterschiede im Westen sind groß. Während Belgien keine einheitlichen landesweiten Regelungen hat, gewährt Frankreich erst ab dem zweiten Kind Zuwendungen. Die Niederländer zahlen nur einmal pro Quartal. Einzig Luxemburg glänzt mit der europaweit höchsten Kinderzulage.

  • Nahezu jedes in Belgien lebende Kind hat Anspruch auf Familienleistungen, die monatlich ausgezahlt werden. Zusätzlich gibt es eine Geburtsprämie bei der Geburt eines Kindes und eine Adoptionsprämie bei der Adoption eines Kindes. Diese Prämien sind einmalige Zahlungen. Die sogenannten Familienleistungen werden in Belgien über die vier Gebietskörperschaften ausgezahlt: Flandern, die Wallonie, Brüssel und die deutschsprachige Gemeinde in Ostbelgien. Die Zahlungen setzen sich aus einem Basisbetrag, einem möglichen Zuschlag und Geburts- bzw. Adoptionsprämien zusammen. Für die deutschsprachige Gemeinschaft in Ostbelgien bedeutet das zum Beispiel: Ab dem 01.07.2023 beträgt das Basiskindergeld für jedes Kind 181,30 € pro Monat. Je nach Bedarf kann ein Jahreszuschlag für das neue Schuljahr von ca. 60 € hinzukommen oder ein Sozialzuschlag von rund 87€ pro Monat und Kind für Familien mit niedrigen Einkommen.

  • In den Niederlanden hängt die Höhe des Kindergeldes vom Alter des Kindes ab. Für Kinder unter sechs Jahren erhalten Eltern 281,69 € pro Quartal. Ab dem sechsten und bis zum elften Jahr erhöht sich der Betrag auf 342,05 € im Quartal. Mit 12 Jahren werden 402,41 € Kinderzulage gewährt, die ausgezahlt wird, bis das Kind sein 17. Lebensjahr erreicht. Der Transfer erfolgt immer am Ende des abgelaufenen Quartals. In bestimmten Fällen besteht Anspruch auf doppeltes Kindergeld. Dies ist etwa der Fall, wenn das Kind eine Behinderung hat und intensive Betreuung benötigt. Aber auch, wenn es aufgrund der Ausbildung nicht zu Hause wohnt.

  • Luxemburg belegt Platz eins der monetären Zuwendungen für Kinder. Neben dem Kinder-Zukunftsgeld zahlt das Land eine Schulanfangszulage für Schulmaterialien und Kleidung. Ferner gewährt Luxemburg Müttern eine Geburtenzulage, wenn sich diese während der Schwangerschaft und in den ersten zwei Lebensjahren des Kindes regelmäßig medizinisch betreuen lassen. Hinzu kommt ein Elternurlaubsgeld, damit Erziehungsberechtigte ihre berufliche Tätigkeit sorgenfrei unterbrechen können. Das Zukunfts-Kindergeld beträgt aktuell 285,41 € monatlich. Ab dem sechsten Lebensjahr erhalten Eltern dann zusätzliche 21,57 € pro Kind und Monat. Ab dem 12. Lebensjahr erhöht sich der Zusatzbetrag um weitere 32,28 € auf insgesamt 53,85 € monatlich.

  • Frankreich zahlt erst ab dem zweiten Kind Kindergeld aus. Die Höhe des Kindergeldes richtet sich nach dem Haushaltseinkommen und berücksichtigt das Nettoeinkommen von vor zwei Jahren. Es wird bis zum 18. Lebensjahr des Kindes ausgezahlt, sofern das Kind überwiegend in Frankreich wohnt. Familien mit mindestens drei Kindern steht eine Pauschalhilfe für Kinder über 20 Jahren zu.

Ein Nord-Süd-Gefälle im Süden

Mit bis zu maximal 256 € monatlichem Kindergeld in der Schweiz erhalten Eltern der Alpenrepublik zehnmal mehr als Spanier, die mit mageren 25 € Kindergeld im Monat auskommen müssen. Auch Österreicher zählen zu den bessergestellten Familien in Europa. Portugal und Griechenland hingegen garantieren lediglich ein Existenzminimum.

  • In der Schweiz gibt es die als Familienzulagen bezeichneten Leistungen für jedes Kind ab der Geburt bis zu seinem vollendeten 16. Lebensjahr. Wenn das Kind aus gesundheitlichen Gründen nicht arbeiten kann, gewähren die jeweiligen Ausgleichskassen die Zuwendung bis zum vollendeten 20. Lebensjahr. Die Familienzulagen stehen jedem in der Schweiz zu, außer arbeitslos gemeldeten Personen. Die Höhe der Kindergeldzulage beträgt monatlich 200 Franken, was einem Betrag von etwa 205 € entspricht. Ab dem 15. Lebensjahr erhält jedes Kind eine Ausbildungszulage von 250 Franken (256,80 €) monatlich, sofern sich das Kind in Ausbildung befindet. Die Zuwendung wird bis zum Alter von 25 Jahren gezahlt.

  • Kindergeld heißt in Österreich Familienbeihilfe. Eltern können sie beantragen, wenn sie gemeinsam mit ihren Kindern in Österreich ihren Lebensmittelpunkt haben. Die Zuwendung ist nach Alter und Anzahl der Kinder abgestuft. Pro Kind und Monat erhalten Kinder ab ihrer Geburt bis zum vollendeten zweiten Lebensjahr 132,30 €. Ab drei Jahren erhöht sich der Betrag auf 141,50 € und ab dem zehnten Lebensjahr auf 164,20 €. Ab dem zweiten Kind kann die Familie eine Geschwisterstaffelung anrechnen lassen. Dadurch erhält sie zusätzliche 8,20 € für jedes Kind. Bei drei Kindern erhöht sich der Betrag auf 20,20 € je Kind. Eine Familie mit sieben oder mehr Kindern erhält zusätzliche 60,30 € pro Kind.

  • In Portugal hängt das Kindergeld vom Haushaltseinkommen, dem Alter und der Anzahl der Kinder ab. Die monatlichen Beträge variieren zwischen 10 und 120 Euro. Familien mit einem Einkommen über dem Fünffachen des Mindestlohns (seit 2023 bei 760 Euro) erhalten kein Kindergeld mehr. Kinder bis zum Alter von 36 Monaten bekommen einen höheren Betrag. Zusätzlich zum Kindergeld gibt es die Kindergarantie, eine Regelleistung für Kinder und Jugendliche unter 18 Jahren aus armutsgefährdeten Haushalten. Sie soll insgesamt 100 Euro (einschließlich Kindergeld) sicherstellen. Für Haushalte mit zwei, drei oder mehr Kindern gibt es höhere Zuwendungen.

  • Um Kindergeld in Spanien zu erhalten, müssen Eltern über einen Wohnsitz in Spanien verfügen. Familien mit sehr geringem monatlichem Einkommen steht das Existenzminimum zu. Es wird individuell ermittelt. Das spanische Kindergeld ist jedoch sozialschwachen Familien vorbehalten oder Familien, die ein behindertes Kind betreuen. Auch die Höhe des spanischen Kindergeldes ist deutlich geringer als in Deutschland. Spanische Familien erhalten pro Kind knapp 25 € Kindergeld bis das Kind sein 18. Lebensjahr erreicht hat.

  • Italien gewährt staatliche Sozialleistungen nur nach Vorlage der Indicatore della Situazione Economica Equivalente, kurz ISEE. Die Auskunft enthält alle Daten zur wirtschaftlichen Situation einer Familie. Angegeben werden müssen: das jährliche Einkommen von vor zwei Jahren, alle privaten Vermögenswerte wie Immobilien, Anlagen sowie der Kontostand aller Konten zum 31.12. des Vorjahres. Außerdem müssen Familien erklären, ob sie zur Miete wohnen oder Eigentum besitzen. Die sogenannte einzige und allgemeine Beihilfe für Kinder oder Landeskindergeld hängt vom Einkommen, der Anzahl der Kinder und der Zusammensetzung der Familie ab. Der Mindestbetrag beträgt 54,10 €, der Höchstbetrag 189, 20 €. Kinderreiche Familien erhalten ab dem dritten Kind weitere Zuwendungen, sofern ihr familiäres Einkommen die Höchstgrenze von 43.240 € nicht überschreitet. Darüber hinaus gibt es weitere Zulagen für behinderte Kinder sowie Kindergarten-Gutscheine, die ebenfalls gehaltsabhängig bewilligt werden.

  • Kindergeld ist in Griechenland nach Einkommensgrenzen gestaffelt. Diese betragen im Juli 2024 in der Kategorie 1 bis zu 6000 € jährlich, 6001 – 10.000 € in Kategorie 2 und bis 15.000 € in der dritten Kategorie. Außerdem gibt es eine Geburtszulage von maximal 2.000 €. Das Kindergeld beträgt für das erste Kind in Kategorie eins monatlich 70 €, in der zweiten Kategorie 42 € und sinkt in Kategorie drei auf 28 € pro Monat. Ab dem dritten Kind verdoppelt sich die Zuwendung für jedes weitere Kind in allen Kategorien.

Magere Sätze in Osteuropa

Im östlichen Teil von Europa werden Kindergeldbeträge von mehr als 100 € monatlich pro Kind in den von uns untersuchten Ländern nicht gezahlt. Die großzügigste monetäre Regelung bietet die Slowakei mit 60 € pro Kind und Monat. In vielen Ländern Osteuropas kommen Eltern kaum auf 50 € pro Kind.

  • Ungarn gewährt Familienbeihilfe grundsätzlich bis zum 16. Lebensjahr des Kindes. Besucht das Kind eine weiterführende Schule oder befindet es sich noch in der Berufsausbildung, wird die Zuwendung bis zum 20. Lebensjahr bewilligt. Für schwerbehinderte Kinder gelten höhere Sätze. Im Jahr 2023 erhielt eine Familie mit einem Kind 12.200 Forint, was etwa 31,04 € entspricht. Familien mit zwei Kindern bekamen für jedes Kind 13.300 Forint oder 33,84 €. Ab dem dritten und jedem weiteren Kind wurden 16.000 Forint (40,71 €) pro Kind gezahlt.

  • Familienbeihilfe erhalten Personen, die ihren Wohnsitz in Polen haben und deren Pro-Kopf-Einkommen 674 Zloty (157 €) nicht überschreitet. Es wird bis zum 18. Lebensjahr ausgezahlt. Befindet sich das Kind noch in der Ausbildung gewährt das Land die Zuwendung maximal bis zum 24. Lebensjahr. Die monatliche Unterstützung pro Kind hängt von dessen Alter ab. Bis zum fünften Lebensjahr werden 95 Zloty (22,16 €) ausgezahlt. Danach erhalten Eltern 124 Zloty (28,92 €). Für das 19. bis 23. Lebensjahr gewährt Polen 135 Zloty (31,49 €). Darüber hinaus können weitere Zuschüsse beantragt werden, wie Beihilfen für Alleinerziehende, Zulagen für kinderreiche Familien oder Unterstützung zum Schuljahresbeginn.

  • Kindergeld ist in der Slowakei grundsätzlich steuerfrei und wird an eins der Elternteile ausgezahlt. Dazu müssen Begünstigte EU-Bürger sein und einen festen Wohnsitz in der Slowakei haben oder sich zumindest vorübergehend dort aufhalten. Der Staat gewährt monatlich 60 € Zuwendung für jedes Kind. Es wird vom Tag der Geburt bis maximal zum 25. Lebensjahr ausgezahlt – vorausgesetzt, das Kind absolviert ein Studium. Darüber hinaus gibt es auch in der Slowakei weitere Unterstützungen wie Mutterschaftsgeld, Schwangerschaftsgeld oder ein Einschulungsgeld.

  • Kindergeld erhalten in Tschechien ausschließlich Familien mit geringem und mittlerem Einkommen. Den Mindestbedarf für eine Familie aus zwei Erwachsenen und einem fünfjährigen Kind etwa, sieht das Land bei 10.990 Tschechischen Kronen, was circa 436,64 € entspricht. Unterschreitet das Einkommen der Familie 37.366 CZK (1.484,58 €) ist sie empfangsberechtigt, andernfalls steht ihr kein Familiengeld zu. Dieser Betrag steigt sukzessive, je nach Kinderzahl. Die Auszahlung erfolgt abhängig vom Alter in drei Kategorien. Bis zum sechsten Lebensjahr bekommen Eltern für jedes Kind 830 CZK (32,98 €) zu. Bis zum 15. Jahr steigt der Betrag auf 970 CZK (38,54 €). Er erhöht sich danach noch einmal auf 1.080 CZK (42,91 €), wenn die Ausbildung des Kindes andauert, und wird maximal bis zum 26. Lebensjahr gewährt.